Eine Aktie ist ein verbrieftes Miteigentumsrecht an einer Aktiengesellschaft. Kauft ein Unternehmen mit einer Million Aktien und du besitzt hundert davon, gehören dir ein Zehntausendstel dieses Unternehmens – ein Zehntausendstel der Fabriken, der Marken, der Patente, der Schulden und der künftigen Gewinne.
Dieser Satz klingt banal, aber er beantwortet die meisten Einsteigerfragen. Eine Aktie hat einen Wert, weil das Unternehmen dahinter Werte besitzt und Gewinne erzielt. Sie ist keine Wette gegen andere Marktteilnehmer und kein Stück Papier, dessen Preis grundlos schwankt.
Warum Unternehmen Aktien ausgeben
Ein Unternehmen, das wachsen will, braucht Geld. Es kann sich Geld leihen – bei einer Bank oder über eine Anleihe – und muss es dann mit Zinsen zurückzahlen. Oder es verkauft Anteile an sich selbst. Dieses Geld muss nie zurückgezahlt werden; dafür geben die Alteigentümer einen Teil des Unternehmens und der künftigen Gewinne ab.
Beim Börsengang (englisch IPO) werden Aktien erstmals öffentlich angeboten. Nur bei dieser Erstausgabe fließt das Geld tatsächlich an das Unternehmen. Kaufst du später eine Aktie an der Börse, kaufst du sie von einem anderen Anleger – das Unternehmen bekommt davon keinen Cent. Das ist ein Punkt, der oft missverstanden wird.
Die zwei Wege, mit Aktien Geld zu verdienen
1. Kursgewinn
Du kaufst zu 40 Euro und verkaufst zu 55 Euro. Die Differenz von 15 Euro je Aktie ist dein Kursgewinn. Er entsteht, wenn andere Marktteilnehmer bereit sind, mehr zu zahlen als du damals – typischerweise, weil das Unternehmen inzwischen mehr verdient oder weil man ihm für die Zukunft mehr zutraut.
Solange du nicht verkaufst, ist der Gewinn nur ein Buchwert. Er wird erst real, wenn du die Aktie tatsächlich abgibst – und bis dahin kann er auch wieder verschwinden.
2. Dividende
Viele Unternehmen schütten einen Teil ihres Gewinns an die Eigentümer aus. Diese Zahlung heißt Dividende. In Deutschland ist sie üblicherweise jährlich, in den USA meist vierteljährlich. Die Höhe beschließt die Hauptversammlung auf Vorschlag der Unternehmensleitung.
Wichtig: Eine Dividende ist kein Zins. Es gibt keinen Anspruch darauf. Ein Unternehmen kann die Zahlung jederzeit senken oder ganz streichen – und tut das typischerweise in Krisenjahren, also genau dann, wenn auch der Kurs gefallen ist.
Wie viel ist eine Aktie wert?
Der Kurs ist keine Eigenschaft der Aktie, sondern das Ergebnis von Angebot und Nachfrage: Es ist der Preis, zu dem sich gerade ein Käufer und ein Verkäufer einig werden. Steigen die Gewinnerwartungen, wollen mehr Anleger kaufen, und der Preis steigt, bis genug Besitzer zum Verkauf bereit sind.
Aus dem Kurs allein lässt sich nicht ablesen, ob eine Aktie teuer oder billig ist. Eine Aktie für 800 Euro kann günstiger sein als eine für 3 Euro – entscheidend ist das Verhältnis von Preis zu Gewinn, nicht der absolute Betrag. Warum das so ist, behandelt die Stufe „Fortgeschritten“.
Was du praktisch brauchst
- Ein Depot. Das ist ein Konto für Wertpapiere, das du bei einer Bank oder einem Broker eröffnest. Es kostet bei vielen Anbietern nichts.
- Einen Handelsplatz. Über das Depot gibst du eine Order an eine Börse oder einen außerbörslichen Handelspartner.
- Eine Order. Darin steht, welches Wertpapier du kaufen willst, wie viele Stück und zu welchem Preis maximal.
Deine Aktien liegen nach dem Kauf im Depot und gehören dir. Geht die depotführende Bank pleite, sind Wertpapiere Sondervermögen – sie fallen nicht in die Insolvenzmasse und werden auf ein anderes Depot übertragen. Das ist ein wichtiger Unterschied zum Bankguthaben, für das die Einlagensicherung mit einer Obergrenze gilt.
Was schiefgehen kann
Aktien haben keine Garantie. Es gibt keine Zusage, dass du dein Geld zurückbekommst, und keinen Mindestwert. Im Extremfall – der Insolvenz – werden zuerst alle Gläubiger bedient. Eigentümer stehen in der Rangfolge zuletzt; meist bleibt für sie nichts übrig. Der Totalverlust einer einzelnen Aktie ist möglich und kommt vor.
Deshalb ist die wichtigste Regel für Einsteiger nicht die Auswahl der richtigen Aktie, sondern die Streuung über viele Unternehmen, Branchen und Länder. Fällt eines von 500 Unternehmen aus, kostet das Prozentbruchteile. Fällt das einzige aus, das du besitzt, ist dein Geld weg.
Wie lange ist lange genug?
Über einzelne Jahre sind Aktienkurse kaum vorhersagbar; Rückgänge von 30 Prozent und mehr sind historisch regelmäßig aufgetreten. Über Zeiträume von 15 Jahren und mehr hat ein breit gestreutes Aktienportfolio dagegen historisch zuverlässig positive Realrenditen geliefert.
Die praktische Folgerung ist unspektakulär, aber wirksam: Geld, das du in den nächsten fünf Jahren brauchst, gehört nicht in Aktien. Geld, das 15 Jahre liegen bleiben kann, ist dort gut aufgehoben.
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