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IM Invests

Technische Analyse

Was technische Analyse ist – und was sie nicht ist

Die drei Annahmen hinter jeder Chartbetrachtung, ihre Herkunft und die Einwände dagegen.

7 Min. LesezeitAuslegung

Die technische Analyse beschreibt das Verhalten von Käufern und Verkäufern. Sie erklärt nicht, warum sie so handeln – und sie kennt die Zukunft nicht.

Wer einen Kurschart ansieht, sieht keine Zahlen über ein Unternehmen. Er sieht eine Aufzeichnung darüber, zu welchen Preisen sich Käufer und Verkäufer in der Vergangenheit geeinigt haben. Die technische Analyse ist der Versuch, aus dieser Aufzeichnung etwas über die nächste Einigung zu erfahren.

Die drei Annahmen

Jede Chartbetrachtung ruht auf drei Sätzen. Sie stammen aus den Börsenkommentaren von Charles Dow um 1900 und wurden nach seinem Tod zur Dow-Theorie zusammengefasst. Wer die Sätze kennt, versteht, was die Methode behauptet – und wo sie angreifbar ist.

  1. Der Kurs enthält alles. Was über ein Unternehmen bekannt ist – Zahlen, Gerüchte, Stimmung –, steckt bereits im Preis. Wer den Kurs betrachtet, betrachtet das Ergebnis aller Meinungen.
  2. Kurse bewegen sich in Trends. Eine Bewegung hält eher an, als dass sie zufällig die Richtung wechselt.
  3. Geschichte wiederholt sich. Menschen reagieren auf Gewinne und Verluste heute wie vor hundert Jahren, und deshalb entstehen ähnliche Muster.

Der Einwand: Zufallspfad

Die bekannteste Gegenposition ist die Random-Walk-Hypothese. Sie besagt, dass Kursänderungen im Wesentlichen zufällig sind: Der nächste Schritt hängt nicht vom letzten ab. Trifft das zu, ist jedes Muster im Chart eine Figur, die das Auge hineinsieht – so wie man in Wolken Gesichter sieht.

Ganz so eindeutig ist die Lage nicht. Für kurze Zeiträume finden Untersuchungen einen schwachen Momentum-Effekt: Was zuletzt gestiegen ist, steigt etwas häufiger weiter, als der Zufall erwarten ließe. Über längere Zeiträume kehrt sich das um. Beide Effekte sind klein, schwanken über die Jahrzehnte und schrumpfen weiter, sobald Handelskosten abgezogen werden.

Der andere Einwand: selbsterfüllende Erwartung

Manche Marken wirken, weil viele auf sie schauen. Liegt eine viel beachtete Linie bei 100 Euro und legen tausende Anleger dort ihre Kauforder, dann findet bei 100 Euro tatsächlich Nachfrage statt. Das Muster hat funktioniert – aber nicht, weil es etwas über das Unternehmen wusste, sondern weil genug Leute daran geglaubt haben.

Was diese Lektionen tun

Jede Lektion trägt oben eine Einstufung. Rechenweg heißt: Das ist Arithmetik, darüber gibt es nichts zu streiten. Beobachtung heißt: Das Muster gibt es, seine Vorhersagekraft ist umstritten. Auslegung heißt: Zwei Fachleute können denselben Chart verschieden einzeichnen und zu gegenteiligen Schlüssen kommen. Diese Unterscheidung ist der eigentliche Inhalt des Kapitels.

Lektion durchgearbeitet?

Markiere die Lektion, wenn du sie durch hast. In der Bereichsübersicht siehst du dann auf einen Blick, was noch offen ist.