Geschichte
Zeitstrahl der Finanzgeschichte
Wovon das Geld gedeckt war, wer darüber entschied – und was passierte, wenn die Kurse fielen.
- Kurseinbruch
- Rückgang und Dauer bis zum Wiedererreichen des alten Stands.
- Geldsystem
- Wovon das Geld gedeckt war und wann sich das änderte.
- Notenbank
- Wer über die Geldmenge entscheidet – und seit wann.
- Währung
- Einführungen, Reformen und das Ende einzelner Währungen.
1600 bis 1699
- 1694Notenbanknachprüfbares Datum
Die Bank of England wird gegründet
Gegründet, um einen Krieg zu finanzieren: Private Geldgeber liehen der Krone Geld und erhielten dafür das Recht, Banknoten auszugeben. Das Pfund Sterling ist damit die älteste bis heute umlaufende Währung dieses Strahls.
Was man mitnimmt: Notenbanken sind nicht aus einer Theorie entstanden, sondern aus Geldnot. Die Unabhängigkeit von der Regierung kam später – und ist bis heute keine Selbstverständlichkeit.
1700 bis 1799
- 1792Währungnachprüfbares Datum
Der US-Dollar wird eingeführt
Der Coinage Act legte den Dollar als Währung der Vereinigten Staaten fest, definiert über eine feste Menge Silber und Gold. Eine zentrale Notenbank hatten die USA damals noch nicht – die kam erst 121 Jahre später.
Was man mitnimmt: Eine Währung braucht keine Notenbank, um zu entstehen. Sie braucht eine, um Krisen zu überstehen – das war die Lehre, die die USA im 19. Jahrhundert teuer bezahlten.
1800 bis 1899
- 1870Geldsystemnachprüfbares Datum
Der klassische Goldstandard setzt sich durch
Zwischen 1870 und 1914 definierten die großen Handelsnationen ihre Währungen über feste Goldmengen. Das machte die Wechselkurse untereinander fest – und die Geldmenge abhängig davon, wie viel Gold gefördert wurde.
Was man mitnimmt: Feste Wechselkurse und eine selbstbestimmte Geldpolitik sind nicht gleichzeitig zu haben. Jede Ordnung auf diesem Strahl hat sich für eine Seite entschieden.
1900 bis 1999
- 1913Notenbanknachprüfbares Datum
Die Federal Reserve entsteht
Nach wiederholten Bankenpaniken, in denen private Bankiers als letzte Instanz einspringen mussten, schuf der Federal Reserve Act ein Notenbanksystem für die USA. Aufgabe: im Ernstfall Geld bereitzustellen, wenn sonst niemand mehr leiht.
Was man mitnimmt: Der Zweck einer Notenbank ist nicht der Zinssatz, sondern die Bereitschaft, in der Panik zu leihen. Alles andere kam später dazu.
- 1923Währungnachprüfbares Datum
Das Ende der Papiermark
Die im Krieg von der Goldbindung gelöste Mark verlor bis 1923 ihre Funktion als Zahlungsmittel vollständig. Die Rentenmark löste sie ab; auf ihre Einführung folgte 1924 die Reichsmark.
Was man mitnimmt: Hyperinflation beginnt nicht mit der Geldmenge allein, sondern mit dem Punkt, an dem alle ihr Geld sofort ausgeben. Dieselbe Menge wechselt dann viel häufiger den Besitzer.
- 1929KurseinbruchGrößenordnung
Der Crash von 1929
Rückgang 85 %Erholung nach 25 Jahre
Auf Jahre steigender Kurse und Käufe auf Kredit folgte ein Einbruch, der nicht nur die Börse traf: Banken schlossen, die Realwirtschaft brach ein, und die Erholung fiel mit einem Weltkrieg zusammen.
Was man mitnimmt: Der einzige Fall auf diesem Strahl, in dem „aussitzen“ für einen Menschen keine praktikable Antwort war. Wer 1929 zum Höchststand kaufte, sah den Stand als Rentner wieder.
- 1944Geldsystemnachprüfbares Datum
Bretton Woods
Die Nachkriegsordnung band den Dollar an Gold und alle anderen Währungen an den Dollar. Wer Dollar hielt, konnte sie bei den USA in Gold einlösen – jedenfalls als Staat.
Was man mitnimmt: Die Weltwährung war damit an das Versprechen eines einzelnen Landes geknüpft. Wie lange ein solches Versprechen trägt, ist der Rest dieser Zeile.
- 1948Währungnachprüfbares Datum
Die D-Mark löst die Reichsmark ab
Die Reichsmark hatte nach dem Krieg ihre Funktion verloren – gehandelt wurde in Zigaretten und Naturalien. Die Währungsreform tauschte sie gegen die D-Mark und entwertete dabei Guthaben stark.
Was man mitnimmt: Eine Währungsreform trifft Sparer und entlastet Schuldner. Wer Sachwerte hielt, kam besser durch als wer ein Konto hatte – der Grund, warum diese Frage bis heute jede Anlagediskussion in Deutschland begleitet.
- 1960Geldsystemnachprüfbares Datum
Triffin beschreibt den Widerspruch
Robert Triffin zeigte, dass die Weltwährung in einem Dilemma steckt: Damit alle genug Dollar haben, müssen die USA dauerhaft mehr ausgeben als einnehmen – wodurch das Einlöseversprechen in Gold immer unglaubwürdiger wird.
Was man mitnimmt: Das Ende von Bretton Woods war elf Jahre vorher beschrieben. Ein bekannter Konstruktionsfehler beendet ein System trotzdem nicht – er wartet nur.
- 15. August 1971Geldsystemnachprüfbares Datum
Das Goldfenster schließt
Die USA kündigten die Einlösbarkeit des Dollars in Gold auf. Seit 1973 schwanken die großen Währungen frei gegeneinander; seither ist alles umlaufende Geld Fiatgeld – gedeckt durch nichts als die Erwartung, dass es angenommen wird.
Was man mitnimmt: Der wichtigste Tag dieses Strahls für heutige Anleger. Alles, was über Inflation, Notenbanken und Kaufkraft zu sagen ist, gilt erst seit ihm in dieser Form.
- 1987KurseinbruchGrößenordnung
Der Crash von 1987
Rückgang 20 %Erholung nach 2 Jahre
An einem einzigen Handelstag im Oktober fielen die Kurse um rund ein Fünftel – ohne dass ein Anlass zu benennen wäre. Automatisierte Absicherungsprogramme verkauften, weil die Kurse fielen, und die Kurse fielen, weil verkauft wurde.
Was man mitnimmt: Der dramatischste Tag dieses Strahls war nach zwei Jahren erledigt. Die Schlagzeile misst nicht den Schaden.
- 1998Notenbanknachprüfbares Datum
Die Europäische Zentralbank nimmt die Arbeit auf
Elf Staaten übertrugen ihre Geldpolitik einer gemeinsamen Notenbank mit einem vorrangigen Ziel: Preisstabilität. Die Zinsentscheidungen für den Euroraum fallen seither an einer Stelle, die Haushaltspolitik bleibt bei den Staaten.
Was man mitnimmt: Eine gemeinsame Geldpolitik ohne gemeinsame Finanzpolitik ist die Konstruktion, an der sich jede Eurokrise entzündet hat.
- 1999Währungnachprüfbares Datum
Der Euro kommt – zuerst als Buchgeld
Zum 1. Januar 1999 wurden die Umrechnungskurse unwiderruflich festgelegt; Konten und Wertpapiere lauteten von da an auf Euro. Scheine und Münzen folgten erst drei Jahre später.
Was man mitnimmt: Die D-Mark ist nicht gescheitert, sie ist aufgegangen. Wer beides in eine Statistik über „gescheiterte Papierwährungen“ wirft, vergleicht zwei grundverschiedene Vorgänge.
2000 bis 2099
- 2000KurseinbruchGrößenordnung
Dotcom
Rückgang 50 %Erholung nach 7 Jahre
Technologiewerte waren nach Umsatzvielfachen bewertet worden, weil viele noch keinen Gewinn hatten. Als das Kapital ausblieb, verschwanden Unternehmen ganz – nicht nur ihre Kurse.
Was man mitnimmt: Der Index kam zurück, viele einzelne Werte nie. Für Indizes gilt „der Markt erholt sich“, für einzelne Aktien gilt es nicht.
- 2002Währungnachprüfbares Datum
Euro-Scheine und -Münzen ersetzen die nationalen
Am 1. Januar 2002 kam das Bargeld in Umlauf, in zwölf Ländern gleichzeitig. Die D-Mark blieb kurz parallel gültig und ist bei der Bundesbank bis heute unbefristet umtauschbar.
Was man mitnimmt: Der Umtausch ohne Frist ist die Ausnahme, nicht die Regel – bei den meisten abgelösten Währungen der Welt verfiel der Anspruch. Wer alte Scheine findet, sollte zuerst diese Frage klären.
- 2008KurseinbruchGrößenordnung
Finanzkrise
Rückgang 50 %Erholung nach 5 Jahre
Immobilienkredite waren gebündelt, weiterverkauft und als sicher bewertet worden. Als die Kette riss, war unklar, welche Bank welchen Teil hielt – und Banken liehen einander nichts mehr.
Was man mitnimmt: Der Auslöser lag nicht an der Börse, sondern in der Buchhaltung. Was gestreut aussah, war es nicht: Alles hing an derselben Annahme über Hauspreise.
- 2009Geldsystemnachprüfbares Datum
Die Abgeltungsteuer löst die Spekulationsfrist ab
Bis 2008 waren Kursgewinne nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Seit 2009 werden Kapitalerträge pauschal besteuert – dafür einheitlich und ohne Rücksicht auf den persönlichen Steuersatz.
Was man mitnimmt: Steuerregeln sind kein Naturgesetz. Wer eine Renditerechnung über dreißig Jahre aufstellt, rechnet mit einem Steuerrecht, das es dreißig Jahre lang so nicht geben wird.
- 2018Geldsystemnachprüfbares Datum
Die Investmentsteuerreform bringt die Vorabpauschale
Fonds werden seither auf Fondsebene besteuert, dafür sind Teile der Erträge beim Anleger freigestellt. Neu ist die Vorabpauschale: ein rechnerischer Mindestertrag, der auch dann besteuert wird, wenn nichts ausgeschüttet wurde.
Was man mitnimmt: Der Grund, warum „thesaurierend heißt steuerfrei bis zum Verkauf“ seit 2018 nicht mehr stimmt – und warum im Januar Geld vom Verrechnungskonto abgeht.
- 2020KurseinbruchGrößenordnung
Pandemie
Rückgang 34 %Erholung nach 6 Monate
Innerhalb weniger Wochen stellten Staaten das öffentliche Leben ein. Der Rückgang war der schnellste dieses Strahls, die Erholung ebenfalls – gestützt von Notenbanken und Staatshaushalten in einer Größenordnung ohne Beispiel.
Was man mitnimmt: Der zweittiefste Fall dieser Liste war der kürzeste. Wer im März verkaufte, hatte im September einen Verlust festgeschrieben, den das Halten nicht gehabt hätte.
Auf diesem Strahl stehen keine Geldmengen, Kursstände oder Inflationsraten historischer Jahre. Aufgenommen ist, was sich an einem Vorgang festmachen lässt – eine Gründung, ein Gesetz, ein Vertrag. Alles andere wäre erinnert, und eine erinnerte Zahl sieht genauso aus wie eine nachgeschlagene. Woher die Zahlen dieser Website kommen.