Volkswagen-Chef Oliver Blume hat die Lage des Konzerns vor einer Reihe von Betriebsversammlungen als „mehr als kritisch“ bezeichnet. Als Beleg nennt er die operative Rendite von 3,8 Prozent – nach seinen Worten solide angesichts der schwierigen Umstände, aber „bei Weitem nicht ausreichend“, um genug Geld für neue Technologien, neue Produkte und deren Standorte zu erwirtschaften.
Volkswagen hat die Fabrikkosten in den deutschen Autowerken im Vorjahr bereits im Schnitt um 20 Prozent gesenkt. Blumes Diagnose bleibt trotzdem: „Wir sind überdimensioniert“ – das mache den Konzern zu langsam und zu kompliziert. Bis Ende August sind neun Betriebsversammlungen geplant, unter anderem in Hannover, Braunschweig, Salzgitter, Dresden, Chemnitz und Kassel-Baunatal.
Was eine operative Rendite von 3,8 Prozent bedeutet
Die operative Rendite zeigt, wie viel vom Umsatz nach den laufenden Kosten des Geschäfts übrig bleibt – vor Zinsen und Steuern. 3,8 Prozent klingen nicht dramatisch niedrig, reichen aber bei einem Autobauer kaum, um gleichzeitig neue Werke, neue Antriebe und die Elektrifizierung ganzer Modellreihen zu finanzieren. Genau diesen Zusammenhang meint Blume, wenn er die Zahl als nicht ausreichend beschreibt, obwohl sie formal solide aussieht.
Eine genannte Zahl ist keine beschlossene Zielgröße
In der Berichterstattung kursiert die Zahl von bis zu 50.000 möglicherweise betroffenen Stellen, dazu vier als gefährdet geltende Standorte: Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm. Blume selbst bezeichnete die Stellenzahl ausdrücklich als „keine fixe Zielgröße“, und laut der Meldung ist über konkrete Werksschließungen keine Entscheidung getroffen. Die geplanten Sparmaßnahmen sollen noch 2026 beschlossen werden.
Was daraus folgt: Eine drastische Formulierung wie „mehr als kritisch“ und eine große Zahl wie 50.000 Stellen erzeugen sofort Aufmerksamkeit. Für die Einordnung zählt aber, was tatsächlich beschlossen ist – und das ist an diesem Punkt weniger, als die Schlagzeile vermuten lässt.
Quellen
- onvista, ROUNDUP, dpa-AFX, 21.8.2026, 15:44 Uhr: „VW-Chef Blume: 'Die Lage ist mehr als kritisch'“
- wallstreet-online, Unternehmensmeldungen vom 21.8.2026, dpa-AFX: „ROUNDUP/VW-Chef Blume: 'Die Lage ist mehr als kritisch'“
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