Im zuletzt veröffentlichten Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit stehen zwei Zahlen dicht beieinander: 2.936.000 Arbeitslose und 3.605.000 Unterbeschäftigte. Der Abstand beträgt fast siebenhunderttausend Menschen. Keine der beiden Zahlen ist falsch – sie zählen Verschiedenes, und der Unterschied ist der eigentliche Inhalt.
Wer als arbeitslos gilt – und wer nicht
Als arbeitslos zählt, wer keine Beschäftigung hat, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht und bei der Agentur gemeldet ist. Wer in einer Fortbildung sitzt, in einer Maßnahme steckt oder vorübergehend krankgeschrieben ist, fällt aus dieser Zählung heraus – er sucht in diesem Moment keine Arbeit im Sinne der Statistik.
Die Unterbeschäftigung nimmt genau diese Menschen wieder hinzu. Sie beantwortet nicht die Frage „wer ist gemeldet arbeitslos?“, sondern „für wie viele Menschen fehlt eine reguläre Stelle?“. Deshalb liegt sie höher, und deshalb ist sie die robustere Größe: Sie lässt sich nicht dadurch senken, dass mehr Maßnahmen beginnen.
Die dritte Zahl ist die unbequemste. Arbeitslosigkeit kann sinken, während zugleich die Zahl der regulären Stellen zurückgeht – dann sind Menschen aus der Zählung gefallen, ohne dass Arbeit entstanden ist. Genau das steht im Bericht: Die Arbeitslosigkeit ging um 15.000 zurück, die Beschäftigung lag trotzdem unter dem Vorjahr.
Was daraus folgt: Eine einzelne Arbeitsmarktzahl trägt keine Aussage über die Lage. Wer wissen will, wie es steht, liest die Quote gegen die Unterbeschäftigung und beide gegen die Zahl der Beschäftigten. Stimmen die drei nicht überein, ist der Widerspruch die Nachricht – nicht die Zahl, die am besten aussieht.
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