Zwei Zahlen aus der vergangenen Woche lohnen den zweiten Blick. Erstens: Der Terminmarkt preist laut finanzmarktwelt (Stand 28. Juli, vor dem Fed-Entscheid) eine Zinserhöhung im September vollständig ein – und bis Jahresende sogar einen zweiten Schritt. Zweitens: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg auf 4,7 Prozent, den höchsten Stand seit Monaten. Die Fed selbst hielt die Spanne am Mittwoch still – wie hier am Donnerstag berichtet, mit drei Gegenstimmen, die lieber erhöht hätten.
Eingepreist heißt: schon bezahlt
Wenn eine Zinserhöhung „vollständig eingepreist“ ist, haben Käufer und Verkäufer sie in ihren heutigen Preisen bereits verarbeitet. Tritt sie ein, passiert – wenig. Bewegung entsteht aus der Abweichung: aus der Erhöhung, die nicht kommt, oder der, die größer ausfällt als gedacht. Das erklärt das scheinbare Paradox, dass Märkte auf „gute“ Nachrichten fallen und auf „schlechte“ steigen können – gemessen wird immer gegen das, was erwartet wurde.
Die 4,7 Prozent sind dabei mehr als eine Anleihe-Notiz. Der Zins ist die Schwerkraft jeder Bewertung: Je höher die sichere Alternative verzinst, desto strenger wird jeder künftige Unternehmensgewinn abgezinst – und desto schwerer lassen sich hohe Bewertungen rechtfertigen. Wer nachvollziehen will, wie stark dieser Hebel wirkt, kann im Bewertungsrechner dieser Website die Abzinsung von 8 auf 10 Prozent stellen und zusehen, was mit dem gerechtfertigten Kurs-Gewinn-Verhältnis passiert.
Was daraus folgt: Nicht die Nachricht bewegt den Kurs, sondern ihr Abstand zur Erwartung. Wer Zinstermine liest, sollte deshalb immer zwei Dinge kennen: was beschlossen wurde – und was der Markt vorher eingepreist hatte.
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