Die US-Notenbank Fed lässt sich Zeit. Nach der ersten Zinserhöhung seit mehr als drei Jahren im Vormonat legt sie nun eine Pause ein – der Leitzins bleibt bei 3,75 bis 4,0 Prozent. Einstimmig war die Entscheidung aber nicht.
Zwei Stimmen für eine Erhöhung
Gouverneurin Lisa Cook und die Chefin der Cleveland Fed, Beth Hammack, stimmten gegen die Pause. Beide wollten den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt anheben. Für Cook war es die erste abweichende Stimme seit mehr als vier Jahren, Hammack hatte schon im Juli für eine straffere Geldpolitik votiert.
Fed-Chef Kevin Warsh erläuterte die Entscheidung am Nachmittag vor Journalisten. Als Belastungen nannte die Notenbank hohe Energiekosten, den Bauboom bei KI-Rechenzentren, hartnäckige Preisdaten und einen möglicherweise wieder aufflammenden Iran-Konflikt. Für die Sitzung im Dezember hält sie eine weitere Zinserhöhung ausdrücklich für möglich.
Die EZB steckt zwischen zwei Problemen
Am Nachmittag, um 14:15 Uhr, entscheidet auch die Europäische Zentralbank über ihre Zinsen. Die Inflation in der Eurozone liegt wegen des Irankriegs auf einem Dreijahreshoch. Gleichzeitig kämpft Frankreich mit seinen Staatsfinanzen, und Anleger verkaufen französische Staatsanleihen.
Unicredit-Chefvolkswirt Marco Valli beschreibt die Lage der EZB als einen schmalen Grat zwischen Risiken für die Inflation und für die Staatsfinanzen. Der Anleiheexperte David Zahn von Franklin Templeton sagt, Frankreichs Schuldenprobleme erschwerten der EZB die Entscheidung.
Was das für Anleger bedeutet
Zinsentscheidungen wirken über zwei Kanäle auf Depots: über die Finanzierungskosten von Unternehmen und Staaten und über die Abzinsung künftiger Gewinne, mit der Aktien bewertet werden. Bewegen sich Fed und EZB in unterschiedliche Richtungen, verändert das außerdem die Zinsdifferenz – und damit den Wechselkurs zwischen Dollar und Euro.
Quellen
- Handelsblatt, 28.10.2026, 21:22 Uhr (Antonia Mannweiler, Timm Seckel): „Geldpolitik: Fed lässt Zinsen unverändert – weniger Zinsentscheidungen ab 2027"
- wallstreet-online, 28.10.2026: „Leitzins bleibt stabil: Fed pausiert bei Zinsen: Zwei Währungshüter wollten mehr"
- Handelsblatt, 28.10.2026, 17:09 Uhr (Stefan Reccius): „Zinsentscheid: Inflation trifft Schuldenkrise: Für die EZB ist die Lage heikel wie lange nicht mehr"
Die Zusammenfassung ist redaktionell verfasst. Für die Inhalte verlinkter Seiten sind deren Betreiber verantwortlich. Fehler in diesem Artikel melden
Schlagwörter
Schlagwörter mit Pfeil führen zum passenden Lernthema, Kurs oder Rechner.
IM Invests · https://iminvests.de/news/fed-haelt-zins-ezb-entscheidet-heute/