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Irans Ölexporte brechen weg, Brent bleibt über 100 Dollar

Irans Ölexporte sind seit Ende September fast auf null gefallen. Der Ölpreis bleibt trotzdem über 100 Dollar, weil andere Produzenten über Hormus liefern.

Redaktion IM Invests5 Min. Lesezeit

Irans Ölexporte sind praktisch verschwunden. Im September lagen sie nur noch bei rund 475.000 Barrel täglich, weniger als die Hälfte des August-Volumens. Seit dem 26. September kamen laut einer ausgewerteten Meldung praktisch keine neuen Tanker mehr an.

Eine Lieferkette, die sich leerte

Der Rückgang zieht sich durch das ganze Jahr. Im März flossen noch 1,8 Millionen Barrel täglich über die Insel Kharg, im Mai waren es nur noch 260.000, während der Waffenruhe im Juli rund 890.000. Auf See lagerten Mitte April noch 160 Millionen Barrel iranisches Öl, aktuell sind es nach dieser Zählung noch rund 86 Millionen – davon 23 Millionen im Persischen Golf blockiert, der Rest an Land, zu 60 Prozent gefüllt.

Zwei Quellen, zwei Zahlen für Hormus

Hier weichen die beiden ausgewerteten Meldungen voneinander ab. Die eine spricht von 13 Millionen Barrel öl anderer Produzenten, die täglich durch die Straße von Hormus fließen. Die andere nennt für den aktuellen Hormus-Durchfluss rund 10 Millionen Barrel, nach rund 6 Millionen Anfang September, und beziffert die gesamten Nahost-Exporte inklusive Umgehungsrouten auf knapp 15 Millionen Barrel täglich – etwa 64 Prozent des Niveaus vor der Krise. Welche der beiden Zahlen genau was misst, geht aus den Meldungen nicht übereinstimmend hervor.

Mehr Menge, aber nicht viel billiger

Brent-Öl kostete zuletzt gut 102 Dollar je Barrel, deutlich über den rund 70 Dollar während der Waffenruhe im Juni und Juli. Ein Grund dafür sind laut der zweiten Meldung die Transportkosten: Ein Supertanker vom Golf nach China kostet derzeit über 1,2 Millionen Dollar am Tag, rund ein Fünftel der gesamten Lieferkosten. Sofort lieferbares Öl, sogenanntes Dated Brent, handelt zudem mit einem Aufschlag von rund 17 Dollar gegenüber dem Terminkontrakt. Chinesische Raffinerien zahlen laut der ersten Meldung einen Rekordaufschlag von 28 Dollar je Barrel für russisches Ersatzöl der Sorte ESPO und fahren im Gegenzug ihre eigenen Kraftstoffexporte zurück.

Was daraus folgt: Mehr Barrel durch eine Meerenge senken einen Preis nicht automatisch, wenn Fracht, Versicherung und die Geschwindigkeit der Lieferung selbst teurer werden. Der Ölpreis bildet damit nicht nur die geförderte Menge ab, sondern auch, wie schwierig und teuer es gerade ist, sie an ihr Ziel zu bringen.

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