Um 7:30 Uhr läuft die Unternehmensmitteilung über den EQS-Verteiler: Die Nordex Group hat neue Aufträge über mehr als 480 Megawatt aus den USA erhalten. Solche Meldungen sind bei Anlagenbauern der häufigste Nachrichtentyp – und der am leichtesten misszuverstehende.
Drei Zahlen, die nacheinander kommen
| Größe | Was sie sagt | Wann sie in der Bilanz auftaucht |
|---|---|---|
| Auftragseingang | was in diesem Zeitraum neu bestellt wurde | gar nicht – er steht im Lagebericht |
| Auftragsbestand | die Summe aller noch nicht abgearbeiteten Aufträge | gar nicht – aber er trägt die kommenden Jahre |
| Umsatz | was tatsächlich geliefert und abgerechnet wurde | in der Gewinn- und Verlustrechnung |
Zwischen der Bestellung einer Windkraftanlage und ihrer Abrechnung liegen Genehmigungen, Fertigung, Transport, Errichtung und Inbetriebnahme – in aller Regel mehrere Jahre. Ein guter Auftragseingang sagt deshalb etwas über die Umsätze von übermorgen, nicht über die von heute.
Warum die Megawatt-Angabe allein nicht reicht
Megawatt sind eine technische Größe, kein Preis. Was ein Auftrag wert ist, hängt vom Preis je Megawatt ab – und der schwankt mit Wettbewerb, Stahlpreisen, Frachtkosten und Wechselkursen. Zwei Aufträge über je 480 Megawatt können sich im Ergebnisbeitrag deutlich unterscheiden. Bei einem US-Auftrag kommt hinzu, dass der Erlös in Dollar anfällt, ein Teil der Kosten aber in Euro.
Was daraus folgt: Eine einzelne Auftragsmeldung ist ein Datenpunkt, keine Trendwende. Sie wird erst aussagekräftig im Vergleich mit den Vorquartalen – und der steht nicht in der Meldung, sondern im Quartalsbericht.
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IM Invests · https://iminvests.de/news/nordex-auftraege-480-megawatt-usa/