Die Europäische Zentralbank hat der italienischen Großbank UniCredit am Donnerstagabend grünes Licht gegeben, ihren Anteil an der Commerzbank über die Schwelle von 30 Prozent hinaus zu erhöhen – ohne Obergrenze. UniCredit selbst bezeichnete die Genehmigung als „wichtigen Meilenstein“ der Übernahme.
Wie UniCredit auf fast 50 Prozent kommt
UniCredit hält nach eigenen Angaben aktuell knapp 30 Prozent der Commerzbank-Aktien direkt. Über ein Tauschangebot aus dem Sommer hat sich die Bank zusätzlich Zugriff auf rund 20 Prozent weitere Anteile gesichert – teils über komplexe Finanzgeschäfte statt über direkten Aktienbesitz. Bis zum Jahresende rechnet UniCredit damit, über rund 50 Prozent der Stimmrechte zu verfügen und die Kontrolle übernehmen zu können.
Zwei Wege, ein Ergebnis: kaufen oder bieten
Mit der Freigabe könnte UniCredit weitere Commerzbank-Aktien frei am Markt erwerben oder ein neues Übernahmeangebot vorlegen. Ein neues Angebot wäre wegen der üblichen Übernahmeprämie deutlich teurer als der Kauf am offenen Markt, berichtet das Handelsblatt. Die Übernahme ist seit Längerem umstritten: Die Commerzbank und die Bundesregierung hatten sich lange dagegen gewehrt. Zuletzt nahmen beide Banken aber Gespräche über einen Zusammenschluss auf.
Was 30 Prozent regulatorisch bedeuten
Die Schwelle von 30 Prozent ist in der EU-Bankenaufsicht keine runde Zahl, sondern ein rechtlicher Auslöser: Ab ihr gilt eine Beteiligung als „maßgeblich“, und die EZB prüft, ob der neue Großaktionär fachlich und finanziell geeignet ist, bevor er sie überschreiten darf. Genau diese Prüfung hat UniCredit nun bestanden.
Was daraus folgt: Wirtschaftlicher Zugriff über Finanzgeschäfte und tatsächliches Stimmrecht sind zwei verschiedene Dinge – UniCredit sicherte sich die ökonomische Beteiligung schon im Sommer, die Kontrolle über die Stimmrechte hing aber an der aufsichtsrechtlichen Freigabe von diesem Donnerstag.
Quellen
- Tagesschau, 15.10.2026, 21:53 Uhr: „UniCredit bekommt grünes Licht von EZB für Übernahme der Commerzbank“
- Handelsblatt, 15.10.2026, 21:41 Uhr: „Banken: EZB gibt Unicredit grünes Licht für volle Commerzbank-Übernahme“
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