Wer das Ergebnis kennt, erinnert seine frühere Einschätzung als treffender, als sie war. Damit fällt die Grundlage weg, aus der man lernen könnte.
Nach jedem Crash gibt es zahlreiche Menschen, die ihn kommen sahen. Ein Teil davon hat es tatsächlich vorher gesagt. Der größere Teil erinnert sich lediglich so – und zwar aufrichtig.
In Versuchen wurden Teilnehmer vor einem Ereignis nach ihrer Einschätzung gefragt und danach gebeten, ihre eigene frühere Antwort wiederzugeben. Die Erinnerung verschob sich verlässlich in Richtung des tatsächlichen Ausgangs, ohne dass es den Teilnehmern auffiel.
Warum das teuer ist
- Lernen wird unmöglich. Wer glaubt, es vorher gewusst zu haben, sieht keinen Anlass, seine Vorgehensweise zu ändern.
- Die Vergangenheit wirkt berechenbarer, als sie war. Daraus entsteht die Erwartung, die Zukunft ähnlich lesen zu können.
- Gute Entscheidungen mit schlechtem Ausgang werden verworfen. Eine breit gestreute Anlage ist richtig, auch wenn eine Einzelwette in diesem Jahr mehr gebracht hätte. Wer nur am Ergebnis misst, lernt das Falsche.
Warum er das Lernen nicht nur erschwert, sondern verhindert
Lernen aus Erfahrung setzt voraus, dass man die frühere Einschätzung mit dem späteren Ergebnis vergleichen kann. Der Rückschaufehler zerstört genau diesen Vergleich – nicht, indem er das Ergebnis verfälscht, sondern indem er die Erinnerung an die Einschätzung still an das Ergebnis angleicht.
- Fehler wirken wie Pech. „Ich wusste ja, dass es riskant war" – wer das im Nachhinein erinnert, sieht keinen Fehler im Vorgehen, sondern nur ein schlechtes Ergebnis.
- Treffer wirken wie Können. Aus einer knappen Vermutung wird rückblickend eine Überzeugung. Das nährt genau das Zutrauen, das beim nächsten Mal die Positionsgröße erhöht.
- Die eigene Trefferquote steigt ohne Zutun. Wer nur aus der Erinnerung zählt, kommt regelmäßig auf eine Quote deutlich über der tatsächlichen.
Das einzige Gegenmittel ist eine Aufzeichnung
Gegen einen Fehler der Erinnerung hilft kein besseres Erinnern. Was hilft, ist eine Notiz, die vor dem Ergebnis entstanden ist – und deshalb ist das Entscheidungstagebuch das Werkzeug, das in der Forschung zu diesem Thema am häufigsten empfohlen wird.
Der Nutzen zeigt sich nicht bei der einzelnen Entscheidung, sondern nach zwanzig: Dann steht dort eine Trefferquote, die nicht aus der Erinnerung stammt – und das ist die einzige belastbare Auskunft darüber, ob das eigene Vorgehen trägt.
Lektion durchgearbeitet?
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