Der Markt handelt nicht die Wirtschaftslage, sondern den Abstand zwischen ihr und dem, was erwartet wurde.
Am 6. November erscheint um 14:30 Uhr der amerikanische Arbeitsmarktbericht. Er meldet 250.000 neue Stellen – ein guter Wert. Der Aktienmarkt fällt trotzdem um anderthalb Prozent. Wer die Zahl richtig vorhergesagt hatte, hat trotzdem Geld verloren.
Der Grund ist das Grundprinzip dieses ganzen Zweiges: Kurse enthalten bereits, was erwartet wird. Erwartet wurden 180.000 Stellen; die 250.000 sind stärker – und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Notenbank die Zinsen länger hoch lässt. Eine gute Nachricht für die Wirtschaft ist an diesem Tag eine schlechte für die Kurse.
Die drei Fragen bei jeder Zahl
- Was wurde erwartet? Ohne die Erwartung ist die Zahl bedeutungslos. Analystenschätzungen stehen in jedem Wirtschaftskalender.
- Wie groß ist die Abweichung im Verhältnis zur üblichen Schwankung? Eine Abweichung von 20.000 Stellen liegt im Rauschen, eine von 200.000 nicht.
- Über welchen Weg wirkt sie? Über den Gewinn der Unternehmen, über den Zins oder über beide gegenläufig? Der dritte Fall erklärt die meisten überraschenden Reaktionen.
Vorlauf, Gleichlauf, Nachlauf
| Art | Beispiele | Nutzen |
|---|---|---|
| vorlaufend | Einkaufsmanagerindizes, Auftragseingänge, Zinsstruktur, Aktienkurse selbst | Zeigen die Richtung, sind dafür ungenau |
| gleichlaufend | Industrieproduktion, Einzelhandelsumsatz, Beschäftigung | Beschreiben den Ist-Zustand |
| nachlaufend | Arbeitslosenquote, Insolvenzen, Kerninflation | Bestätigen im Nachhinein, taugen nicht zur Vorhersage |
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