Beim reinen Ansparen ist die Reihenfolge der Renditen gleichgültig. Sobald entnommen wird, ist sie das Wichtigste überhaupt.
Zwei Menschen erleben über zwanzig Jahre exakt dieselben Jahresrenditen – nur in umgekehrter Reihenfolge. Wer nichts entnimmt, landet bei genau demselben Endwert: Multiplikation ist von der Reihenfolge unabhängig. Wer monatlich entnimmt, landet weit auseinander.
Der Grund ist einfach und unangenehm: Wer in einem schlechten Jahr entnimmt, verkauft Anteile zu niedrigen Kursen. Diese Anteile fehlen dauerhaft und können an der späteren Erholung nicht mehr teilnehmen. Kommen die schlechten Jahre am Anfang, ist die Entnahmephase gefährdet, auch wenn die Durchschnittsrendite stimmt.
Ansparen: Endwert = Einzahlung × (1+r₁) × (1+r₂) × … Entnahme: jedes Jahr wird ein fester Betrag abgezogen, bevor weiter multipliziert wird
In der ersten Zeile darf man die Faktoren beliebig vertauschen. In der zweiten nicht mehr – der Abzug dazwischen macht die Reihenfolge bedeutsam.
Was dagegen hilft
- Ein Puffer aus sicheren Anlagen. Zwei bis drei Jahresentnahmen in Tagesgeld oder kurzen Anleihen; in schlechten Jahren wird daraus entnommen statt aus den Aktien.
- Flexible Entnahme. Wer in schwachen Jahren weniger entnimmt, verkauft weniger Anteile zu Tiefstkursen. Schon geringe Anpassungen wirken stark.
- Das Aktiengewicht um den Renteneintritt senken und danach wieder anheben. Die verwundbarste Phase liegt in den ersten Jahren der Entnahme, nicht am Ende.
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