Die Fibonacci-Verhältnisse je Welle – Rücklauftiefen, Streckungsziele und wie man sie aufträgt.
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Jede Welle hat ihre eigenen Erwartungswerte. Ein Verhältnis ohne die Welle, auf die es sich bezieht, ist keine Aussage – und ein getroffenes Ziel ist kein Beleg.
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Die Fibonacci-Lektion hat die Marken selbst erklärt – 23,6, 38,2, 50, 61,8 und 78,6 Prozent. Hier geht es um die Zuordnung: welche dieser Marken zu welcher Welle gehört. Das ist der Teil, der in Darstellungen am häufigsten fehlt, und ohne ihn ist eine Prozentzahl im Chart bedeutungslos.
Jede Welle hat ihre eigenen Erwartungswerte. Ein Verhältnis ohne die zugehörige Welle ist keine Aussage.
Welche Marke bei welcher Welle die übliche ist
Die Wellenliteratur nennt für jede Welle ein bevorzugtes Verhältnis und daneben weitere gebräuchliche. Die folgenden beiden Grafiken zeigen diese Rangfolge – kräftig markiert der Regelfall, schwächer das Übrige.
Welle 2 korrigiert tief, Welle 4 flach – das ist die verlässlichste Aussage der Reihe. Es ist eine Rangfolge, keine gemessene Wahrscheinlichkeit.
Die wichtigste Aussage daraus ist der Unterschied zwischen den beiden Korrekturwellen im Impuls: Welle 2 korrigiert tief, Welle 4 flach. Welle 2 holt regelmäßig 61,8 Prozent der Welle 1 zurück und mitunter 78,6; Welle 4 bleibt meist bei 38,2 Prozent der Welle 3 und oft schon bei 23,6. Wer eine flache erste Korrektur sieht, zählt vermutlich falsch – und umgekehrt.
Welle 3 ist die einzige, für die regelmäßig ein Vielfaches über eins erwartet wird. Welle 5 bleibt meist darunter.
Der Umkehrbereich: wo die Welle endet und dreht
Die beiden Grafiken oben zeigen einzelne Marken. Das verleitet zu der Vorstellung, eine Welle ende auf einem Punkt. Sie endet in einem Bereich – und der ist breiter, als die Zahlen vermuten lassen: Zwischen 50 und 78,6 Prozent liegen bei einer Bewegung von 100 Punkten fast 29 Punkte.
Jede Welle dreht in ihrem eigenen Bereich – und der ist breit. Wer auf den Punkt plant, plant genauer, als die Methode hergibt.
Der Bereich, in dem die jeweilige Welle laut Literatur endet – und was danach beginnt.
Welle
Umkehrbereich
Gemessen an
Was danach folgt
Welle 1
kein Bereich – sie setzt den Maßstab
—
Welle 2 beginnt, der Rücklauf
Welle 2
50 – 78,6 %
Welle 1, ab deren Hoch abwärts
Welle 3 beginnt – meist die längste Bewegung
Welle 3
1,618 – 2,618 ×
Welle 1, ab dem Tief der Welle 2
Welle 4 beginnt, eine flache Korrektur
Welle 4
23,6 – 38,2 %
Welle 3, ab deren Hoch abwärts
Welle 5 beginnt, der letzte Schub
Welle 5
0,618 × (Start 1 bis Ende 3) bis ≈ Welle 1
ab dem Tief der Welle 4
die Korrektur A-B-C beginnt
Welle A
38,2 – 61,8 %
der gesamten Bewegung 1 bis 5
Welle B beginnt, die Gegenbewegung
Welle B
38,2 – 61,8 % (Flat: 90 – 105 %)
Welle A
Welle C beginnt, meist der stärkste Teil der Korrektur
Welle C
1,0 – 1,618 ×
Welle A, ab dem Hoch der Welle B
der Zyklus ist beendet, ein neuer beginnt
Die übrigen Wellen: Dreieck, Kombination, Diagonale
Die Tabelle oben deckt den gewöhnlichen Impuls und die einfache Korrektur ab. Innerhalb der Sonderformen gibt es weitere Wellen, und die haben eigene Bereiche. Der Grundsatz dahinter ist der wichtigere Teil dieser Lektion: Die Verhältnisse gelten je Formation, nicht je Wellennummer.
Die Verhältnisse hängen an der Formation, nicht an der Nummer. Eine Welle 2 in der Diagonale dreht tiefer als eine Welle 2 im Impuls.
Das kontrahierende Dreieck. Jeder Abschnitt bezieht sich auf den unmittelbar vorigen – deshalb verengt sich die Form.
Abschnitt
Umkehrbereich
Gemessen an
Besonderheit
Welle A
setzt den Maßstab
—
dreiteilig wie alle Abschnitte des Dreiecks
Welle B
0,5 – 0,8 ×, meist 0,618 ×
Welle A
beim laufenden Dreieck über den Start von A hinaus
Welle C
0,5 – 0,8 ×, meist 0,618 ×
Welle B
—
Welle D
0,5 – 0,8 ×, meist 0,618 ×
Welle C
beim Barrier-Dreieck etwa auf Höhe von B
Welle E
0,5 – 0,8 ×, meist 0,618 ×
Welle D
endet oft vor der Begrenzungslinie – ein Überschießen ist zulässig, aber kein Regelfall
Die Kombinationen. W, Y und Z sind vollständige Korrekturen, X verbindet sie.
Welle
Umkehrbereich
Gemessen an
Besonderheit
Welle W
setzt den Maßstab
—
die erste vollständige Korrektur
Welle X
50 – 78,6 %
Welle W
läuft sie weiter zurück, ist es keine Verbindungswelle
Welle Y
0,618 – 1,618 ×, meist ≈ 1,0 ×
Welle W
ähnelt W in der Größe – tut sie das nicht, stimmt die Zählung vermutlich nicht
zweite Welle X
50 – 78,6 %
Welle Y
nur in der dreifachen Korrektur
Welle Z
≈ 1,0 ×
Welle Y
der letzte Bestandteil, oft ein Dreieck
Die Diagonale. Hier laufen die Korrekturwellen tiefer und die Impulswellen kürzer als im gewöhnlichen Impuls.
Welle
Umkehrbereich
Gemessen an
Unterschied zum Impuls
Welle 1
setzt den Maßstab
—
dreiteilig statt fünfteilig
Welle 2
66 – 81 %
Welle 1
deutlich tiefer als die 50 – 78,6 % im Impuls
Welle 3
0,618 – 0,9 ×
Welle 1
kürzer als Welle 1 – im Impuls wäre das der Regelfall für die Streckung, hier das Gegenteil
Welle 4
66 – 81 %
Welle 3
darf in den Bereich von Welle 1 reichen
Welle 5
0,618 – 0,9 ×
Welle 3
die kürzeste der drei Impulswellen
Bei den Impulswellen ist Welle 3 die einzige, für die regelmäßig ein Vielfaches über eins erwartet wird. Welle 5 bleibt in der Regel darunter – das 0,618-fache der Strecke von Beginn Welle 1 bis Ende Welle 3 ist der Regelfall, und genau das ist der rechnerische Ausdruck dafür, dass die letzte Bewegung eines Trends schwächer getragen wird.
Drei verschiedene Rechenarten
Die Verhältnisse werden nicht alle gleich gebildet. Wer sie durcheinanderbringt, trägt Marken auf, die nichts bedeuten.
Die drei Arten, ein Wellenziel zu bilden. Der Unterschied liegt darin, worauf sich das Verhältnis bezieht.
Vielfaches einer früheren Strecke, angetragen an einem späteren Punkt
Welle 5 aus der Strecke 1 bis 3
Die Ziele Welle für Welle
Übliche Erwartungswerte je Welle. Die Reihenfolge in der Spalte nennt zuerst den häufigsten Wert.
Welle
Art
Werte
Gemessen woran
Welle 2
Rücklauf
61,8 % · 50 % · 78,6 %
an Welle 1, vom Hoch der Welle 1 nach unten
Welle 3
Streckung
1,618 × · 2,618 × · 4,236 ×
an Welle 1, angetragen ab dem Tief der Welle 2
Welle 4
Rücklauf
38,2 % · 23,6 % · 50 %
an Welle 3, vom Hoch der Welle 3 nach unten
Welle 5
Projektion
0,618 × · 1,000 × der Strecke Start 1 bis Ende 3
angetragen ab dem Tief der Welle 4
Welle 5 (Nebenweg)
Streckung
1,000 × · 1,618 × Welle 1
an Welle 1, angetragen ab dem Tief der Welle 4
Welle A
Rücklauf
38,2 % · 50 % · 61,8 %
an der gesamten Bewegung 1 bis 5
Welle B
Rücklauf
38,2 % · 50 % · 61,8 % (Flat: über 90 %)
an Welle A
Welle C
Streckung
1,000 × · 1,618 × Welle A
an Welle A, angetragen ab dem Hoch der Welle B
Welche Regel welche Zählung ausschließt
Ein Ziel zu verfehlen widerlegt eine Zählung nicht. Es gibt aber Marken, deren Überschreiten sie tatsächlich beendet – und die sind praktisch wertvoller als jede Zielprojektion, weil sie eine überprüfbare Grenze setzen.
Die Marken, an denen eine Zählung ungültig wird. Sie folgen unmittelbar aus den drei Regeln.
Wird überschritten
Dann gilt
Welle 2 unterschreitet den Start von Welle 1
Die Zählung ist falsch. Kein Ermessen, keine Sonderform.
Welle 4 reicht in den Kursbereich von Welle 1
Die Zählung ist falsch – es sei denn, es ist eine endende Diagonale.
Welle 3 ist kürzer als Welle 1 und Welle 5
Die Zählung ist falsch. Welle 3 darf nie die kürzeste sein.
Welle B über 105 % von Welle A
Kein Zickzack. Es kommt nur noch eine erweiterte oder laufende Flat in Frage.
Wie man das Werkzeug ansetzt
Bis hierher stand, welcher Wert zu welcher Welle gehört. Jetzt geht es um den Handgriff davor: Auf welche zwei – oder drei – Punkte im Chart das Werkzeug gesetzt wird. Das ist die Stelle, an der die meisten Fehler entstehen, und sie fällt nicht auf: Ein falsch angesetztes Werkzeug zeichnet genauso saubere Linien wie ein richtiges.
Alle drei Rechenarten arbeiten nach demselben Muster. Zwei Punkte spannen eine Strecke auf, und ein dritter bestimmt, wo diese Strecke angetragen wird. Beim Rücklauf fallen der zweite und der dritte Punkt zusammen – deshalb braucht er nur zwei Anker. Bei der Projektion sind es drei getrennte, und genau daher der andere Name im Programm.
Der Rücklauf: zwei Anker, und die Reihenfolge zählt
Der erste Anker sitzt am Start der gemessenen Welle, der zweite an ihrem Ende. Die 0 Prozent liegen beim zweiten.
Das Werkzeug heißt in den meisten Programmen Fibonacci Retracement. Es bekommt den Startpunkt der Welle, die gemessen wird, und ihren Endpunkt – in dieser Reihenfolge. Die 100 Prozent liegen dann am Start, die 0 Prozent am Ende. Wer die Anker vertauscht, bekommt dieselben Linien mit vertauschten Beschriftungen: Was 61,8 Prozent heißen sollte, steht dann bei 38,2.
Die Streckung: gemessen an der einen Stelle, angetragen an einer anderen
Gemessen wird an Welle 1, angetragen wird ab dem Tief der Welle 2 – zwei verschiedene Stellen.
Hier trennen sich Messen und Antragen zum ersten Mal, und das ist der Punkt, an dem es schiefgeht. Gemessen wird Welle 1 – vom Start bis zum Ende. Angetragen wird diese Strecke aber nicht dort, sondern ab dem Tief der Welle 2. Das Ziel für Welle 3 ist also nicht „1,618 mal Welle 1 über dem Hoch der Welle 1", sondern „1,618 mal Welle 1 über dem Tief der Welle 2".
Der Unterschied ist kein Detail. Bei einer Welle 1 von 100 Punkten und einer Welle 2, die 61,8 Prozent zurückholt, liegen die beiden Rechnungen 62 Punkte auseinander – bei einer Bewegung, die insgesamt 162 Punkte umfasst.
Die Projektion: drei Anker
Die Projektion braucht drei Punkte: zwei zum Messen, einen als Startpunkt. Deshalb heißt sie in vielen Programmen anders als das Rücklaufwerkzeug.
Für Welle 5 wird nicht die vorige Welle gemessen, sondern die ganze bisherige Bewegung: vom Start der Welle 1 bis zum Ende der Welle 3. Diese Strecke wird ab dem Tief der Welle 4 angetragen. Das Werkzeug dafür heißt in den gängigen Programmen Trend-Based Fib Extension und nimmt drei Klicks statt zwei – der dritte ist der Startpunkt, nicht ein weiterer Messpunkt.
Die Anker je Welle. Punkt 1 und 2 spannen die Strecke auf, Punkt 3 bestimmt, wo sie beginnt.
Ziel für
Werkzeug
Punkt 1
Punkt 2
Punkt 3
Welle 2
Retracement
Start Welle 1
Ende Welle 1
entfällt – gleich Punkt 2
Welle 3
Trend-Based Extension
Start Welle 1
Ende Welle 1
Tief Welle 2
Welle 4
Retracement
Start Welle 3
Ende Welle 3
entfällt – gleich Punkt 2
Welle 5
Trend-Based Extension
Start Welle 1
Ende Welle 3
Tief Welle 4
Welle B
Retracement
Start Welle A
Ende Welle A
entfällt
Welle C
Trend-Based Extension
Start Welle A
Ende Welle A
Hoch Welle B
Docht oder Kerzenkörper?
Eine Frage, die jede Zählung berührt und auf die es keine richtige Antwort gibt. Ein Hoch besteht aus dem Höchstkurs des Tages und dem Schlusskurs, und zwischen beiden können mehrere Prozent liegen. Je nachdem, welchen man ansetzt, verschieben sich sämtliche Marken.
Die Reihenfolge beim Auftragen
Zählung zuerst, Werkzeug danach. Die Punkte im Chart markieren: Start von Welle 1, Ende jeder folgenden Welle. Ohne diese Punkte gibt es nichts zu messen – und wer das Werkzeug zuerst anlegt und die Zählung danach danebenlegt, hat die Reihenfolge umgedreht.
Die Rechenart wählen, die zur laufenden Welle gehört – Rücklauf, Streckung oder Projektion. Die Tabelle oben nennt für jede Welle die Anker.
Prüfen, ob die Skala stimmt. Bei einem Chart mit logarithmischer Achse rechnen die meisten Werkzeuge trotzdem linear. Über kurze Abschnitte fällt das nicht auf, über Jahre verschiebt es jede Marke.
Alle üblichen Werte auftragen, nicht nur den häufigsten. Der Bereich dazwischen ist die Erwartung; die einzelne Linie täuscht eine Genauigkeit vor, die es nicht gibt.
Die Ausschlussmarke daneben eintragen. Sie ist der einzige Wert, der die Zählung tatsächlich beenden kann, und sie liegt außerhalb des Zielbereichs.
Nach jeder abgeschlossenen Welle neu messen. Die Ziele der folgenden Welle hängen an der tatsächlichen Länge der vorigen, nicht an der erwarteten. Eine Welle 3, die nur das 1,4-fache erreicht hat, verschiebt alle Ziele für 4 und 5.
Die Ausschlussmarke ist die nützlichere Zahl. Sie sagt, wann man sich geirrt hat – das Ziel sagt nur, worauf man gehofft hatte.
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