Ein Kerzenmuster ohne den Verlauf davor ist bedeutungslos. Derselbe Hammer ist am Ende eines Abwärtstrends etwas anderes als mitten in einer Seitwärtsphase.
Kerzenmuster stammen aus dem japanischen Reishandel und wurden in den 1990er Jahren im Westen bekannt. Sie deuten den Verlauf einer oder weniger Perioden – deutlich kürzer als die Chartmuster der vorigen Lektion.
Drei Muster und ihre Lesart
| Muster | Aussehen | Lesart |
|---|---|---|
| Hammer | kleiner Körper oben, langer unterer Docht | Es wurde tief verkauft, aber bis zum Schluss zurückgekauft |
| Engulfing | eine Kerze, deren Körper den der Vorkerze vollständig umschließt | Die Gegenseite hat die Kontrolle übernommen |
| Doji | Eröffnung und Schluss fast gleich, Dochte in beide Richtungen | Unentschieden – niemand hat sich durchgesetzt |
Der nützliche Kern bleibt trotzdem: Eine Kerze mit langem Docht sagt, dass ein Kursbereich getestet und nicht gehalten wurde. Das ist eine Beobachtung über tatsächliches Verhalten – und sie ist etwas anderes als der Anspruch, daraus den nächsten Tag abzuleiten.
Was ein Muster überhaupt behauptet
Eine Kerze ist eine Zusammenfassung: Eröffnung, Hoch, Tief, Schluss eines Zeitraums in einem Bild. Ein Muster behauptet, dass eine bestimmte Abfolge solcher Zusammenfassungen etwas über den nächsten Zeitraum verrät. Das ist eine überprüfbare Behauptung – und sie steht und fällt mit drei Dingen, die in fast keiner Darstellung mitgeliefert werden.
- Der Zeitrahmen. Dasselbe Muster in Minutenkerzen und in Wochenkerzen ist nicht dasselbe Ereignis. Je kürzer der Rahmen, desto mehr davon entstehen zufällig.
- Der Zusammenhang davor. Ein Umkehrmuster setzt voraus, dass es etwas umzukehren gibt. Dasselbe Bild mitten in einer Seitwärtsbewegung ist keine Umkehr, sondern Rauschen.
- Die Bestätigung danach. Fast alle klassischen Beschreibungen verlangen, dass die folgende Kerze das Muster bestätigt. Wer darauf wartet, hat einen Teil der Bewegung verpasst – wer nicht wartet, handelt auf ein unbestätigtes Bild.
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Wozu Kerzen trotzdem gut sind
Nicht als Signal, sondern als Beschreibung. Eine Kerze mit langem unterem Docht sagt: In diesem Zeitraum wurde deutlich tiefer gehandelt, und die Käufer haben den Kurs zurückgeholt. Das ist eine Tatsache über die Vergangenheit und braucht keine Prognose, um nützlich zu sein.
- Sie zeigen, wo es umkämpft war. Lange Dochte und kleine Körper markieren Zonen, in denen sich Angebot und Nachfrage die Waage hielten.
- Sie machen Kurslücken sichtbar, also Bereiche, in denen gar nicht gehandelt wurde – das ist eine echte Information über Liquidität.
- Sie zeigen Volumen im Verhältnis zur Bewegung. Eine große Bewegung bei kleinem Volumen ist eine andere Aussage als dieselbe Bewegung bei großem.
- Alles drei sind Beobachtungen. Der Sprung zur Vorhersage ist der Punkt, an dem die Methode ihren Halt verliert.
Lektion durchgearbeitet?
Markiere die Lektion, wenn du sie durch hast. In der Bereichsübersicht siehst du dann auf einen Blick, was noch offen ist.
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