Wie ein Broker ohne Gebühren verdient
Wenn eine Order „kostenlos“ ist, ist sie es nicht – sie wird nur woanders bezahlt. Die verbreitetste Form heißt Payment for Order Flow: Der Broker leitet die Order an einen bestimmten Handelsplatz weiter und erhält dafür eine Vergütung. Dieser Handelsplatz verdient am Spread.
Wertpapierleihe im Depot
Manche Broker bieten an, Papiere aus dem Kundendepot zu verleihen und den Ertrag zu teilen. Das ist etwas anderes als die Wertpapierleihe innerhalb eines Fonds: Hier werden deine Papiere verliehen, und für die Dauer der Leihe bist du nicht mehr Eigentümer, sondern hast einen Rückgabeanspruch.
- Der Schutz entfällt. Verliehene Papiere sind kein Sondervermögen mehr. Fällt der Entleiher aus, greifen nur die gestellten Sicherheiten.
- Die Erträge sind gering – bei breit gehaltenen Standardwerten oft Bruchteile eines Prozents im Jahr.
- Dividenden werden ersetzt, nicht gezahlt. Du bekommst eine Ausgleichszahlung, und die kann steuerlich anders behandelt werden als eine echte Dividende.
- Die Teilnahme ist freiwillig und lässt sich abschalten. Für die meisten Privatanleger ist das Verhältnis von Ertrag zu Zusatzrisiko ungünstig.
Ausländische Broker: der wahre Preis
Anbieter aus dem EU-Ausland werben mit niedrigen Gebühren. Der Unterschied liegt selten dort, sondern in der steuerlichen Abwicklung – und die kostet Zeit statt Geld.
| Deutscher Anbieter | Ausländischer Anbieter | |
|---|---|---|
| Abgeltungsteuer | Wird automatisch einbehalten und abgeführt | Nicht. Alle Erträge gehören in die Steuererklärung |
| Freistellungsauftrag | Möglich | Nicht möglich – der Freibetrag wirkt erst über die Erklärung |
| Vorabpauschale | Wird berechnet und abgeführt | Selbst zu ermitteln und zu erklären |
| Verlustverrechnung | Läuft automatisch über die Verrechnungstöpfe | Von Hand über die Anlage KAP |
| Jahressteuerbescheinigung | Kommt automatisch | Oft nicht in deutscher Form – Umrechnung nötig |
Für ein Depot mit einem Sparplan und zwei Positionen ist das eine überschaubare Mehrarbeit. Für ein Depot mit vielen Transaktionen, Ausschüttungen in Fremdwährung und ausländischen Quellensteuern wird daraus ein Abend im Jahr – und ein Fehlerrisiko, das der Ersparnis gegenübersteht.
Was bei einer Brokerinsolvenz wirklich passiert
Die Wertpapiere sind da – sie liegen beim Zentralverwahrer, dein Broker führt dort nur ein Konto. Der Insolvenzverwalter überträgt sie auf ein anderes Institut, oder du benennst selbst eines. Ein Totalverlust droht nicht.
Was du dir merken solltest
- „Kostenlos“ heißt anderswo bezahlt – bei großen Order lohnt die Gegenprobe gegen den Referenzkurs.
- Verliehene Papiere aus dem eigenen Depot sind kein Sondervermögen mehr.
- Ausländische Broker sparen Gebühren und kosten Steuerarbeit.
- Im Insolvenzfall sind die Papiere sicher, aber wochenlang nicht handelbar.
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