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ETF · Stufe 1 von 3

ETF einfach erklärt

Nach dieser Stufe weißt du, was ein ETF tut, warum er so wenig kostet und welche vier Angaben du vor jedem Kauf nachschlägst.

Beginner11 Min. LesezeitAusgearbeiteter Text4 Quizfragen
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Stell dir vor, du willst Anteile an den 500 größten Unternehmen der USA kaufen. Einzeln wären das 500 Kaufaufträge, 500-mal Gebühren und die Frage, wie viel du von jedem nimmst. Ein ETF auf den S&P 500 erledigt das mit einem einzigen Auftrag.

ETF steht für Exchange Traded Fund, auf Deutsch börsengehandelter Fonds. Zwei Dinge stecken in dem Namen: Es ist ein Fonds – ein gemeinsamer Topf, in den viele Anleger einzahlen –, und er wird an der Börse gehandelt wie eine Aktie. Was ihn von anderen Fonds unterscheidet, steht allerdings nicht im Namen.

Der eigentliche Unterschied: Regel statt Meinung

Ein klassischer Fonds beschäftigt ein Team, das entscheidet, welche Aktien gekauft werden. Dieses Team hat eine Meinung darüber, welche Unternehmen sich besser entwickeln als andere, und wird dafür bezahlt.

Ein ETF hat keine Meinung. Er bildet einen Index nach – eine feste Regel, welche Werte in welcher Gewichtung enthalten sind. Der DAX enthält die 40 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands, gewichtet nach ihrem Börsenwert. Wer einen DAX-ETF kauft, kauft genau das, ohne dass irgendjemand entscheidet, ob eines davon gerade eine gute Idee ist.

Warum ETFs so wenig kosten

Eine Regel zu befolgen ist billiger, als eine Meinung zu haben. Es braucht kein Analystenteam, keine Unternehmensbesuche, keine Kaufentscheidungen. Und weil die Zusammensetzung sich nur ändert, wenn der Index sich ändert, wird innerhalb des Fonds selten gehandelt – jeder Handel kostet Geld, das sonst den Anlegern gehören würde.

Die laufenden Kosten breiter ETFs liegen deshalb typischerweise im Bereich von 0,05 bis 0,25 Prozent im Jahr. Aktiv verwaltete Aktienfonds nehmen häufig 1,5 Prozent und mehr. Der Unterschied klingt nach wenig und ist es nicht: Über dreißig Jahre entscheidet er über einen erheblichen Teil des Endvermögens, und zwar völlig unabhängig davon, wie sich die Börse entwickelt. Kosten sind die einzige Größe bei der Geldanlage, die im Voraus feststeht.

Dein Geld liegt getrennt: Sondervermögen

Wie jeder Investmentfonds ist ein ETF rechtlich ein Sondervermögen. Das heißt: Was im Fonds liegt, gehört nicht der Fondsgesellschaft, sondern anteilig den Anlegern. Geht die Gesellschaft pleite, fällt das Fondsvermögen nicht in die Insolvenzmasse; es wird an eine andere Gesellschaft übertragen oder aufgelöst und ausgezahlt.

Das ist ein echter Schutz, und er wird trotzdem oft falsch verstanden. Er schützt vor der Pleite des Anbieters, nicht vor fallenden Kursen. Wenn die enthaltenen Aktien die Hälfte wert sind, ist auch das Sondervermögen die Hälfte wert.

Ein Welt-ETF ist breit gestreut – aber nicht gleichmäßig. Nach Börsenwert gewichtet heißt: Das Gewicht folgt dem Marktwert, nicht der Zahl der Länder.

Vier Angaben, die du vor jedem Kauf prüfst

  1. Welcher Index? Der Name des ETF ist Marketing, der Index ist der Inhalt. „Global Equity“ kann 1.400 Unternehmen aus 23 Ländern bedeuten oder 100 aus dreien. Der Index steht immer im Basisinformationsblatt.
  2. Was kostet er? Die laufenden Kosten (TER, Gesamtkostenquote) werden täglich anteilig aus dem Fondsvermögen entnommen – du siehst sie nie auf einer Abrechnung, sie sind trotzdem da.
  3. Thesaurierend oder ausschüttend? Thesaurierend heißt: Dividenden bleiben im Fonds und werden wieder angelegt. Ausschüttend heißt: Sie landen auf deinem Konto. Beides ist legitim, es sind unterschiedliche Zwecke.
  4. Wie groß ist er? Sehr kleine Fonds werden häufiger geschlossen und zusammengelegt. Das ist kein Beinbruch, erzeugt aber einen Verkauf zu einem Zeitpunkt, den du nicht gewählt hast – und der kann steuerlich ungünstig liegen.
Thesaurierend oder ausschüttend – wofür was passt
ThesaurierendAusschüttend
Was mit den Dividenden passiertBleiben im Fonds, werden wieder angelegtWerden auf dein Konto überwiesen
WirkungZinseszins läuft automatisch weiterDu bekommst regelmäßig Geld, musst es selbst wieder anlegen
Passt zuVermögensaufbau über viele JahreEntnahmephase, oder wenn der Sparerpauschbetrag gezielt ausgenutzt werden soll
AufwandKeinerWiederanlage kostet Ordergebühren, wenn du sie selbst vornimmst

Der Name verrät fast alles

ETF-Namen sehen aus wie Buchstabensuppe und folgen einem festen Muster. Wer es einmal kennt, liest die wichtigsten Eigenschaften direkt aus dem Titel:

  • Der Anbieter steht vorn – der Fondsgesellschaft, nicht dem Index.
  • Der Index in der Mitte. Das ist der Teil, der über Rendite und Risiko entscheidet.
  • UCITS heißt: europäisch reguliert, mit Streuungsvorschriften und Sondervermögen. Bei einem in Deutschland handelbaren Fonds steht es fast immer da.
  • Acc oder Dist – thesaurierend („accumulating“) oder ausschüttend („distributing“). Manchmal auch „C“ und „D“.
  • EUR Hedged heißt währungsgesichert. Fehlt der Zusatz, ist er es nicht – und die Handelswährung sagt darüber nichts.

Was du dir merken solltest

  • Ein ETF bildet einen Index nach, statt Werte auszuwählen – daher die niedrigen Kosten.
  • Das Risiko steckt im zugrunde liegenden Index, nicht in der Fondshülle.
  • Sondervermögen schützt vor der Pleite des Anbieters, nicht vor Kursverlusten.
  • Der Name verrät Anbieter, Index, Regulierung, Ertragsverwendung und Absicherung.
  • Vor dem Kauf: Index, Kosten, Ertragsverwendung und Fondsgröße nachschlagen.

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