Amazon, Alphabet, Meta, Microsoft und Oracle haben 2025 zusammen 405 Milliarden Dollar in Rechenzentren und Chips gesteckt. Für 2026 rechnet Goldman Sachs mit rund 750 Milliarden Dollar, für 2027 mit etwa 1,2 Billionen. Diese Summen übersteigen inzwischen das, was die fünf Konzerne aus dem laufenden Geschäft an Cashflow erwirtschaften – die Lücke wird zunehmend mit Fremdkapital geschlossen.
Der Anteil auf Kredit wächst schneller als die Investitionen selbst
2025 kamen 26 Prozent der Investitionsausgaben der fünf Hyperscaler aus Anleiheemissionen. Goldman erwartet für 2026 rund ein Drittel, für 2027 gut 35 Prozent. Nach Berechnungen der Bank wurden 2026 bereits rund 500 Milliarden Dollar an Anleihen und Krediten für KI-Investitionen aufgenommen, dazu kommen geschätzt 200 Milliarden Dollar privates Fremdkapital für den Bau von Rechenzentren seit Anfang 2025.
Sichtbar wird das an den Risikoaufschlägen: Die Zinsdifferenz („Spread“) zwischen Anleihen der Hyperscaler und risikofreien Staatsanleihen ist laut Goldman-Analystin Amanda Lynam bereits von 70 auf 85 Basispunkte gestiegen – und könnte bei anhaltend hohem Emissionsvolumen auf 95 Basispunkte klettern.
Warum ein Spread wichtiger ist als eine Schlagzeile
Ein Risikoaufschlag ist der Preis, den ein Kreditgeber für das eingegangene Risiko verlangt. Steigt er, wird jede künftige Anleihe teurer zu refinanzieren – unabhängig davon, ob das einzelne Unternehmen zahlungsfähig bleibt. Goldmans Sorge gilt deshalb nicht dem Ausfallrisiko von Meta oder Microsoft, sondern der Frage, ob der gesamte Kreditmarkt weitere Emissionen dieser Größenordnung aufnehmen kann.
Damit hängt auch die erwartete Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital zusammen: Goldman rechnet für die größten Tech-Konzerne 2026 mit einem Rückgang von durchschnittlich sieben Prozentpunkten. Wer Investitionen mit Fremdkapital statt mit einbehaltenen Gewinnen finanziert, verändert die Rechnung, mit der Anleger die Kapitalrendite eines Unternehmens beurteilen.
Was daraus folgt: Ob der Kreditmarkt diese Summen weiter zu wachsenden Konditionen verdaut, entscheidet sich an der Nachfrage nach Unternehmensanleihen – nicht an einer einzelnen Quartalszahl. Wer Aktien der genannten Konzerne hält, hält damit indirekt auch ein Stück dieser Fremdfinanzierung mit.
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