Das Weltwirtschaftsforum (WEF) könnte EZB-Chefin Christine Lagarde bereits im kommenden Monat zu seiner neuen Vorsitzenden wählen. Das berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Reuters und mehrere der Organisation nahestehende Personen.
Ein Termin am 2. November
Das Kuratorium des WEF, dem Lagarde selbst angehört, tagt demnach am 2. November und könnte die Französin zur nächsten Vorsitzenden wählen. Die Wahl sei zwar noch nicht gesichert, Lagarde genieße aber laut den Insidern breite Unterstützung im Gremium. Alternativ könnte das Kuratorium bei dieser Sitzung auch nur einen Termin für die eigentliche Abstimmung festlegen – rechtzeitig, damit Lagarde beim WEF-Jahrestreffen im Januar in Davos bereits als designierte Vorsitzende auftreten könnte. Die EZB lehnte eine Stellungnahme ab, auch das WEF nannte keinen konkreten Sitzungstermin. Eine vom Handelsblatt unabhängige, selbst gelesene Quelle lag für diesen Bericht nicht vor.
Seit Wochen verdichten sich die Rücktrittszeichen
Schon seit Monaten gibt es laut Handelsblatt Anzeichen, dass Lagarde ihr Amt als EZB-Präsidentin vorzeitig niederlegen könnte. Ende September skizzierte sie das Szenario erstmals selbst: Sie schließe nicht aus, einige Monate vor Ablauf ihrer Amtszeit zurückzutreten, sagte sie in einem Interview. Zuvor hatte sie lediglich erklärt, bis kommendes Jahr bei der EZB bleiben zu wollen. Bei einem Gespräch des US-Senders CNN in Bangkok äußerte sie sich auf Nachfrage nicht zu einem möglichen Wechsel zum WEF.
Eine Notenbank ist kein Wirtschaftsforum
Die EZB ist eine Währungsbehörde mit gesetzlichem Mandat für die Preisstabilität im Euroraum; ihre Präsidentin wird von den Staats- und Regierungschefs der Eurozone bestimmt. Das WEF dagegen ist eine private, in der Schweiz ansässige Stiftung ohne hoheitliche Befugnisse, die vor allem das Jahrestreffen in Davos organisiert. Ein Wechsel zwischen beiden Posten wäre ungewöhnlich, weil er von einem öffentlichen Mandat in eine private Organisation führt.
Was daraus folgt: Ein frühzeitig absehbarer Abgang an der EZB-Spitze kann Markterwartungen über die künftige Geldpolitik beeinflussen, selbst bevor eine Nachfolge feststeht – weil Anleger versuchen einzuschätzen, ob ein Nachfolger den eingeschlagenen Kurs fortsetzt.
Quellen
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