Heute früh veröffentlichen mehrere große deutsche Unternehmen ihre Zahlen zum zweiten Quartal beziehungsweise zum Halbjahr: Krones um 6:45 Uhr, Deutsche Bank, BASF, DWS und Nordex um 7:00 Uhr, Porsche AG um 7:30 Uhr. Analystenkonferenzen und Pressekonferenzen folgen über den Vormittag verteilt.
Wer an solchen Tagen die Kurse verfolgt, erlebt regelmäßig etwas, das zunächst unlogisch wirkt: Ein Unternehmen meldet den höchsten Gewinn seiner Geschichte – und die Aktie fällt um fünf Prozent.
Der Kurs kennt die Zahlen schon
Nicht die Zahlen selbst, aber die Erwartung an sie. Analysten veröffentlichen Schätzungen, Anleger handeln darauf, und der Kurs am Vorabend enthält bereits die Annahme, wie das Quartal ausgefallen sein dürfte. Am Morgen wird nicht der Gewinn gehandelt, sondern der Abstand zwischen Gewinn und Erwartung.
Warum der Ausblick mehr zählt als die Bilanz
Weil eine Bilanz die Vergangenheit beschreibt und ein Kurs die Zukunft bezahlt. Ein Quartalsbericht ist ein Blick zurück auf drei Monate, die vorbei sind. Der Satz „wir erwarten für das Gesamtjahr“ dagegen ändert die Annahmen für alle kommenden Jahre – und damit den Wert, den der Markt dem Unternehmen beimisst.
Was daraus folgt
Wer eine Aktie langfristig hält, gewinnt an solchen Tagen wenig durch Zuschauen. Die Kursreaktion der ersten Stunde ist überwiegend eine Reaktion auf die Abweichung von einer Schätzung, die in einem Jahr niemand mehr kennt. Interessanter ist der Bericht selbst – und dort weniger der Gewinn als die Frage, woher er kam und ob er wiederkehrt.
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