Jede genannte Zahl wird zum Bezugspunkt für die nächste Schätzung, selbst wenn sie erkennbar nichts mit der Sache zu tun hat.
Im klassischen Versuch drehten Teilnehmer ein Glücksrad und sollten anschließend schätzen, wie viele afrikanische Staaten Mitglied der Vereinten Nationen sind. Wer eine hohe Zahl gedreht hatte, schätzte höher. Das Rad war erkennbar Zufall, und es wirkte trotzdem.
Beim Anlegen sind Anker allgegenwärtig, und die meisten davon werden gar nicht als Zahlenangabe wahrgenommen.
- Der eigene Einstandskurs. Der wirkungsvollste Anker überhaupt – er teilt jede Position in „im Plus“ und „im Minus“ und bestimmt darüber, wie sie beurteilt wird.
- Das Jahreshoch. Eine Aktie, die von 100 auf 70 gefallen ist, wirkt günstig. Ob 70 günstig ist, hat mit den 100 nichts zu tun.
- Kursziele in Analysen. Eine genannte Zahl verschiebt die eigene Einschätzung, unabhängig davon, wie sie zustande kam.
- Runde Zahlen. Kurse häufen sich um glatte Marken, und Orders werden dort gebündelt platziert – ein Anker, der sich im Orderbuch abbildet.
Die vier Anker, die im Depot am häufigsten wirken
| Anker | Der Gedanke dahinter | Warum er nichts trägt |
|---|---|---|
| Der eigene Einstiegskurs | „Bei 100 verkaufe ich, da bin ich wieder bei null" | eine Zahl, die nur der Käufer kennt. Der Markt weiß nichts davon und richtet sich nicht danach |
| Das Zwölfmonatshoch | „Von 180 auf 120 gefallen – das ist billig" | das Hoch war ein Preis in einer anderen Lage. Es sagt nichts über den heutigen Wert |
| Die runde Zahl | „Unter 100 Euro greife ich zu" | unser Zahlensystem hat zehn Finger. Der Markt hat keine |
| Das Kursziel aus einer Studie | „Analysten sehen 150" | ein Anker mit Briefkopf. Kursziele werden regelmäßig nach dem Kurs angepasst, nicht umgekehrt |
Was die Forschung besonders unbequem gefunden hat
Die Reihenfolge, die das Problem entschärft
- Erst die Frage, dann die Zahl. Was müsste dieses Unternehmen verdienen, damit der Preis gerechtfertigt ist? Wer so beginnt, hat eine eigene Größenordnung, bevor eine fremde ins Bild kommt.
- Den Chart zuletzt ansehen. Er liefert Hoch, Tief und Einstiegskurs auf einen Blick – drei Anker in einer Grafik.
- Kaufgründe aufschreiben, bevor man den Kurs prüft. Der Satz ist später nachlesbar und macht sichtbar, ob die Begründung eine Sache oder eine Zahl war.
Lektion durchgearbeitet?
Markiere die Lektion, wenn du sie durch hast. In der Bereichsübersicht siehst du dann auf einen Blick, was noch offen ist.
IM Invests · https://iminvests.de/akademie/anlegerverhalten/ankereffekt/