Anleger halten weltweit einen Vielfachen des Anteils, den ihr Heimatmarkt an den Weltbörsen hat. Vertrautheit ist keine Information.
Der deutsche Aktienmarkt macht an der weltweiten Börsenkapitalisierung einen niedrigen einstelligen Prozentanteil aus. In deutschen Privatdepots liegt der Anteil deutscher Aktien um ein Vielfaches darüber. Dasselbe Muster findet sich in praktisch jedem Land, das untersucht wurde.
Die üblichen Erklärungen – Wechselkursrisiko, Steuern, Kosten – reichen zur Begründung nicht aus: Sie sind über die Jahrzehnte stark gefallen, die Heimatneigung ist geblieben. Was bleibt, ist die Vertrautheit: Man kennt die Unternehmen aus dem Alltag und hält das für Wissen.
Warum es doppelt riskant ist
- Weniger Streuung. Ein einzelner Markt kann über sehr lange Zeiträume zurückbleiben. Der japanische Markt brauchte nach 1989 mehr als drei Jahrzehnte bis zum alten Stand.
- Häufungen im Index. Ein kleiner Heimatindex ist selten breit aufgestellt. Wenige Branchen bestimmen dann einen großen Teil der Bewegung.
- Bündelung mit dem Einkommen. Wer im eigenen Land arbeitet, hat dort bereits sein wichtigstes Vermögen – die künftigen Arbeitseinkommen. Wer dann auch noch heimisch anlegt, verdoppelt dasselbe Risiko.
Der dritte Punkt wird am häufigsten übersehen und wiegt am schwersten. Wer in der Automobilzulieferung arbeitet und Aktien desselben Sektors hält, verliert im schlechten Fall Arbeitsplatz und Ersparnisse gleichzeitig.
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