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IM Invests

Anlegerverhalten

Mentale Buchführung

Warum dasselbe Geld je nach Herkunft anders behandelt wird – und was das im Depot anrichtet.

11 Min. LesezeitBeobachtung

Geld wird gedanklich in Töpfe sortiert, die verschieden behandelt werden. Für den Kontostand ist es dasselbe Geld.

5:06 übrig

Richard Thaler beschrieb in den 1980er Jahren, dass Menschen Geld nicht als eine Summe behandeln, sondern in getrennten gedanklichen Konten führen. Ein Lottogewinn wird anders ausgegeben als ein Monatsgehalt, obwohl beides denselben Wert hat.

Wo es beim Anlegen schadet

Vier verbreitete Fälle.
VerhaltenWas dabei übersehen wird
Kredit mit 8 % laufen lassen und gleichzeitig für 2 % sparenDer Saldo verliert jedes Jahr sechs Prozentpunkte
Kursgewinne riskanter anlegen als eingezahltes GeldFür das Vermögen ist beides derselbe Betrag
Dividenden ausgeben, Kursgewinne behaltenBeides ist Ertrag; die Dividende senkt den Kurs entsprechend
Depots getrennt betrachten statt zusammenDas Risiko ergibt sich aus dem Gesamtbild, nicht je Konto

Die dritte Zeile ist besonders folgenreich, weil sie sich als Anlagestrategie tarnt. Wer nur von den Dividenden lebt und den Bestand nicht antasten will, behandelt zwei Formen desselben Ertrags verschieden – und wählt seine Anlagen danach aus, was einen guten Topf füllt statt was den höchsten Gesamtertrag bringt.

Wo sie im Depot Geld kostet

Geld ist austauschbar – ein Euro aus einer Erbschaft ist derselbe Euro wie einer aus dem Gehalt. Die mentale Buchführung behandelt ihn trotzdem verschieden, und das führt zu Entscheidungen, die sich einzeln begründen lassen und zusammen widersprechen.

Vier verbreitete Fälle
Was passiertWie es sich anfühltWas es tatsächlich ist
Tagesgeld für den Urlaub, gleichzeitig ein Dispozwei getrennte Töpfeein Guthaben zu niedrigem Zins neben einer Schuld zu hohem – der Saldo verliert jeden Monat
„Hausgeld" nach einem guten Jahr riskanter angelegtdas ist ja der Gewinn, nicht mein Einsatzderselbe Betrag mit demselben Zweck. Der Gewinn ist längst Eigenkapital
Dividenden ausgeben, Kursgewinne behaltenErträge sind zum Verbrauchen daeine Ausschüttung senkt den Kurs um denselben Betrag – es ist ein Teilverkauf mit anderem Namen
Eine Verlustposition getrennt „nachsitzen" lassendie läuft auf einem eigenen Kontosie ist Teil des Depots und bindet Kapital, das anderswo arbeiten könnte

Und wo dieselbe Neigung nützt

Die mentale Buchführung ist kein reiner Fehler – sie ist auch der Grund, warum getrennte Konten funktionieren. Wer den Notgroschen auf ein eigenes Konto legt, gibt ihn seltener aus, obwohl er rechnerisch dasselbe Geld ist.

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