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IM Invests

Fundamentalanalyse

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis

Die bekannteste Kennzahl: Rechenweg, Deutung als Amortisationsdauer und die vier Fallstricke.

9 Min. LesezeitRechenweg

Ein KGV von 15 heißt: Beim heutigen Gewinn dauert es 15 Jahre, bis der Kaufpreis verdient ist. Ob das viel ist, hängt davon ab, was in diesen 15 Jahren passiert.

KGV = Kurs je Aktie ÷ Gewinn je Aktie

Kostet eine Aktie 60 Euro und verdient das Unternehmen 4 Euro je Aktie, beträgt das KGV 15. Gleichbedeutend: Der gesamte Börsenwert geteilt durch den gesamten Jahresgewinn.

Zwei Lesarten

  • Als Dauer. Bei gleichbleibendem Gewinn braucht das Unternehmen 15 Jahre, um den Kaufpreis zu erwirtschaften.
  • Als Rendite. Der Kehrwert ist die Gewinnrendite: 1 ÷ 15 = 6,7 Prozent. Diese Zahl lässt sich mit einer Anleiherendite vergleichen – und genau das macht das KGV zinsabhängig.

Welcher Gewinn

Drei gebräuchliche Varianten – mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen.
VarianteGewinn ausEigenschaft
Trailingden letzten vier QuartalenTatsächlich berichtet, aber rückwärtsgewandt
Forwardder Schätzung für das kommende JahrZukunftsbezogen, aber eine Schätzung von Analysten
Shiller-KGV (CAPE)dem inflationsbereinigten ZehnjahresdurchschnittGlättet Konjunkturzyklen, reagiert träge

Zwischen Trailing- und Forward-KGV liegen bei einem wachsenden Unternehmen leicht mehrere Punkte. Wer zwei Aktien vergleicht, muss dieselbe Variante verwenden – sonst vergleicht er die Methode, nicht die Unternehmen.

Die vier Fallstricke

  1. Verlust. Ist der Gewinn negativ, ist das KGV sinnlos. Es wird üblicherweise gar nicht ausgewiesen – nicht, weil die Aktie teuer wäre, sondern weil die Rechnung nicht definiert ist.
  2. Zyklische Unternehmen. Bei Rohstoff-, Auto- und Chemiewerten ist das KGV am Gipfel des Zyklus am niedrigsten – dann nämlich, wenn die Gewinne kurz vor dem Einbruch stehen. Ein niedriges KGV ist dort eher Warnung als Einladung.
  3. Einmaleffekte. Ein Immobilienverkauf hebt den Gewinn einmalig und drückt das KGV optisch. Im Folgejahr fällt beides zurück.
  4. Kein Vergleich über Branchen. Ein Softwarehaus mit KGV 30 und ein Energieversorger mit KGV 12 sind nicht teuer und billig, sondern unterschiedlich schnell wachsend und unterschiedlich kapitalintensiv.

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