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IM Invests

Makroanalyse

Wie Inflation gemessen wird

Warenkorb, Kernrate, Basiseffekt – warum die gefühlte Teuerung fast immer über der gemessenen liegt.

9 Min. LesezeitRechenweg

Die Inflationsrate misst einen festgelegten Durchschnittshaushalt. Dass sie sich für den Einzelnen falsch anfühlt, ist kein Messfehler, sondern die Folge der Mittelung.

Eine Inflationsrate entsteht, indem ein festgelegter Warenkorb immer wieder neu bepreist wird. In Deutschland umfasst er mehrere hundert Güterarten, deren Gewichte aus Verbrauchsstichproben stammen: Wohnen wiegt schwer, Zeitungen leicht.

Rate = (Preisindex heute ÷ Preisindex vor zwölf Monaten − 1) × 100

Verglichen wird fast immer mit dem Vorjahresmonat, nicht mit dem Vormonat. Das schaltet saisonale Schwankungen aus und erzeugt zugleich den Basiseffekt.

Der Basiseffekt

Weil immer gegen den Vorjahresmonat gerechnet wird, wirkt jeder Ausreißer zweimal: einmal beim Auftreten und ein Jahr später beim Herausfallen. Ein Energiepreissprung treibt die Rate zwölf Monate lang nach oben und drückt sie danach nach unten, ohne dass die Preise gefallen wären. Die Rate sinkt dann – die Preise bleiben hoch.

Genau hier liegt der häufigste Irrtum: Eine fallende Inflationsrate heißt nicht fallende Preise, sondern langsamer steigende. Für fallende Preise bräuchte es eine negative Rate, also Deflation.

Kernrate und harmonisierter Index

  • Kerninflation lässt Energie und Nahrungsmittel weg. Nicht weil sie unwichtig wären, sondern weil sie stark schwanken und von Wetter und Weltmarkt getrieben sind – die Kernrate zeigt besser, ob die Teuerung sich im Inland festgesetzt hat.
  • HVPI ist der harmonisierte Index, den alle EU-Länder nach denselben Regeln erheben. Nur er ist zwischen Ländern vergleichbar, und nur er zählt für die EZB.
  • Deflator ist die Preisbereinigung im BIP. Er umfasst alles Produzierte statt nur den Verbrauch und weicht deshalb regelmäßig von den anderen ab.

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