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IM Invests

Anlegerpsychologie · Stufe 1 von 3

Die häufigsten Denkfehler

Welche Muster bei fast allen auftreten, wie sie konkret Geld kosten – und warum sie nicht verschwinden, wenn man sie kennt.

Beginner11 Min. LesezeitAusgearbeiteter Text4 Quizfragen
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Wer sich mit Geldanlage beschäftigt, lernt zuerst Produkte und Regeln. Die meisten schlechten Ergebnisse entstehen aber nicht daran, dass jemand den falschen Fonds gewählt hätte. Sie entstehen daran, dass eine an sich gute Entscheidung nach zwei schlechten Jahren rückgängig gemacht wird.

Vier Muster, die fast jeden betreffen

  1. Verlustaversion. Ein Verlust wiegt gefühlt deutlich schwerer als ein gleich großer Gewinn – in der Forschung von Kahneman und Tversky etwa doppelt so schwer. Deshalb fühlt sich ein Depot, das um zehn Prozent gefallen und wieder gestiegen ist, nach einer schlechten Erfahrung an, obwohl nichts passiert ist.
  2. Herdentrieb. Was viele tun, wirkt sicher. Der Haken ist der Zeitpunkt: Ein Thema wird meist dann allgemein bekannt, wenn der Kurs den Anstieg bereits hinter sich hat.
  3. Selbstüberschätzung. In Befragungen halten sich regelmäßig weit mehr als die Hälfte der Teilnehmer für überdurchschnittlich informiert. Rechnerisch kann das nicht sein. Die Folge sind mehr Umschichtungen – und jede kostet.
  4. Bestätigungsfehler. Nach dem Kauf liest man bevorzugt, was für die eigene Entscheidung spricht. Gegenargumente wirken schwächer, weil sie unbequem sind, nicht weil sie schwächer wären.

Warum Verluste einen realen Kern haben

Die Verlustaversion ist ein Gefühl, aber sie hat eine sachliche Entsprechung: Ein Rückgang und der Anstieg zurück auf denselben Stand sind nicht gleich groß. Nach einem Rückgang ist der Bestand kleiner, und der Anstieg wirkt nur noch auf diesen kleineren Bestand.

Welcher Anstieg einen Rückgang wieder ausgleicht
RückgangNötiger AnstiegAus 10.000 € werden
− 10 %+ 11,1 %9.000 €
− 20 %+ 25,0 %8.000 €
− 30 %+ 42,9 %7.000 €
− 50 %+ 100,0 %5.000 €
− 70 %+ 233,3 %3.000 €
− 90 %+ 900,0 %1.000 €

Halbierung braucht eine Verdopplung. Das ist keine Psychologie, sondern Prozentrechnung – und es ist der Grund, warum große Verluste zu vermeiden wichtiger ist, als große Gewinne zu treffen.

Verlust und Erholung sind nicht symmetrisch. Deshalb ist es wichtiger, große Verluste zu vermeiden, als große Gewinne zu treffen.

Wie sich das im Depot zeigt

  • Der Dispositionseffekt. Gewinner werden zu früh verkauft („Gewinne mitnehmen“), Verlierer zu lange gehalten („noch nicht realisiert“). Beides folgt dem Bedürfnis, sich den Fehler nicht eingestehen zu müssen – nicht einer Einschätzung der Zukunft.
  • Der Einstandskurs als Bezugspunkt. Was du bezahlt hast, weiß der Markt nicht. Für die Frage, ob eine Anlage heute gehalten werden sollte, ist der eigene Kaufkurs ohne jede Bedeutung.
  • Kaufen nach Anstiegen, Verkaufen nach Rückgängen. Zuflüsse in Fonds sind historisch nach guten Phasen am höchsten und nach Einbrüchen am niedrigsten. Das ist die Umkehrung dessen, was jeder erklärtermaßen will.

Was die Muster tatsächlich kosten

Es gibt dafür eine Messgröße, und sie hat einen unglamourösen Namen: die Verhaltenslücke. Man vergleicht die Rendite, die ein Fonds über zehn Jahre erzielt hat, mit der Rendite, die seine Anleger tatsächlich erzielt haben – gewichtet danach, wann sie ein- und ausgestiegen sind. Beide Zahlen sollten gleich sein. Sie sind es nie.

Die Anleger liegen regelmäßig darunter, und zwar um eine Größenordnung, die jede Diskussion über Kostenquoten in den Schatten stellt. Der Grund ist kein Geheimnis: Geld fließt zu, nachdem es gut lief, und ab, nachdem es schlecht lief. Der Fonds hat seine Rendite gemacht – nur waren zu den falschen Zeitpunkten die falschen Beträge investiert.

Vier Regeln, die vor der Situation entstehen

Wirksam ist nur, was festliegt, bevor es unangenehm wird. Alle vier sind unspektakulär, und genau das ist ihre Stärke – sie funktionieren auch an einem Tag, an dem man nicht klar denkt.

  1. Der Sparplan. Er kauft weiter, während man selbst zögern würde. Die Entscheidung wurde einmal getroffen und muss nicht monatlich wiederholt werden.
  2. Die Wartefrist. Zwischen dem Entschluss zu verkaufen und dem Verkauf liegen 48 Stunden. Ein guter Grund überlebt zwei Tage; ein Impuls fast nie.
  3. Das Anlagetagebuch. Bei jedem Kauf drei Zeilen: warum, mit welchem Zeitraum, und woran ich merken würde, dass ich falschlag. Später gelesen ist das die einzige ehrliche Auskunft darüber, was man damals wirklich dachte.
  4. Der feste Termin. Einmal im Jahr ins Depot sehen, sonst nicht. Wer täglich schaut, sieht Schwankungen und hält sie für Nachrichten.

Was du dir merken solltest

  • Verluste wiegen gefühlt schwerer – und rechnerisch sind sie tatsächlich schwerer aufzuholen.
  • Der Dispositionseffekt verkauft die Gewinner und behält die Verlierer.
  • Der eigene Einstandskurs ist für die Zukunft bedeutungslos.
  • Die Verhaltenslücke ist messbar und kostet oft mehr als jeder Gebührenunterschied.
  • Gegen die Muster hilft keine Willenskraft, sondern eine vorher festgelegte Regel.
  • Im Rückgang zählt nur eine Frage: Hat sich an meinem Ziel etwas geändert?

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