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Anlegerpsychologie · Stufe 3 von 3

Psychologie auf Marktebene

Wo aus individuellen Mustern Marktphänomene werden, was sich daraus ableiten lässt – und was nicht.

Profi11 Min. LesezeitAusgearbeiteter Text4 Quizfragen
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Vom Einzelnen zum Markt

Wären Denkfehler zufällig verteilt, würden sie sich im Markt gegenseitig aufheben. Sie sind aber gleichgerichtet: Menschen werden zur selben Zeit optimistisch. Aus einem individuellen Muster wird dadurch eine Marktbewegung.

  • Die Selbstverstärkung. Steigende Kurse erzeugen Berichterstattung, Berichterstattung erzeugt Zuflüsse, Zuflüsse erzeugen steigende Kurse. Kommt Kredit hinzu, beschleunigt sich der Vorgang – und kehrt sich beim ersten Rückgang um, weil Sicherheiten nachgeschossen werden müssen.
  • Die Erzählung. Jede Blase hat einen plausiblen Kern und einen Satz, der die hohen Bewertungen erklärt: neue Technologie, neue Wirtschaftsordnung, diesmal ist es anders. Der Kern stimmt oft. Falsch ist der Schluss, dass daraus jeder Preis gerechtfertigt sei.
  • Die Abwärtsspirale. Fallende Kurse zwingen fremdfinanzierte Marktteilnehmer zu Verkäufen, diese Verkäufe drücken die Kurse weiter. Deshalb sind Einbrüche schneller als Anstiege – Zwang wirkt sofort, Zuversicht braucht Zeit.
Zwang wirkt sofort, Zuversicht braucht Zeit. Das ist der ganze Grund, warum Einbrüche schneller ablaufen als die Anstiege davor.

Lassen sich Verhaltensmuster ausnutzen?

Die Forschung hat eine Reihe von Anomalien dokumentiert – regelmäßige Abweichungen von dem, was ein vollkommen effizienter Markt erwarten ließe. Zwei werden am häufigsten genannt und beide werden verhaltensökonomisch erklärt.

Zwei bekannte Anomalien
EffektBeobachtungVerhaltensökonomische Deutung
MomentumWas zuletzt gestiegen ist, steigt mittelfristig oft weiterAnleger reagieren zunächst zu schwach auf Neuigkeiten und springen erst verzögert auf
ValueNiedrig bewertete Unternehmen schnitten über lange Zeiträume besser abUnbeliebte Geschäftsmodelle werden zu pessimistisch eingeschätzt

Die Effizienzmarkthypothese besagt, dass alle bekannten Informationen im Kurs stecken. Die Verhaltensökonomie hat gezeigt, dass sie in dieser Strenge nicht gilt. Für die Praxis ändert das weniger, als es klingt: Ein Markt kann unvollkommen sein und trotzdem schwer zu schlagen – weil die Abweichungen klein, unbeständig und teuer zu handeln sind.

Sich selbst ehrlich beurteilen

Der Rückschaufehler ist der hartnäckigste aller Denkfehler, weil er die Beweise vernichtet: Nach dem Ereignis erscheint der Verlauf naheliegend, und die eigene damalige Unsicherheit ist aus der Erinnerung verschwunden. Wer sich fragt, ob er den Markt einschätzen kann, befragt damit eine Erinnerung, die sich bereits angepasst hat.

  1. Vorher aufschreiben. Eine Einschätzung ist nur dann prüfbar, wenn sie vor dem Ereignis notiert wurde – mit Datum und Begründung.
  2. Gegen den richtigen Maßstab messen. Ein Depot mit 15 Prozent Jahresrendite war schwach, wenn der Vergleichsindex 22 Prozent gemacht hat. Ohne Vergleichsmaßstab ist jede Renditeangabe bedeutungslos.
  3. Vollständig rechnen. Alle Positionen, auch die verkauften und die verlustreichen. Die Erinnerung an das eigene Depot ist verlässlich zu gut.

Was du dir merken solltest

  • Denkfehler heben sich nicht auf, weil sie gleichgerichtet auftreten – daraus entstehen Blasen und Panikphasen.
  • Dokumentierte Anomalien schwächen sich nach ihrer Veröffentlichung häufig ab.
  • Kosten, Steuern und lange Durststrecken lassen verhaltensbasierte Strategien in der Praxis oft scheitern.
  • Der Rückschaufehler macht Selbsteinschätzung unbrauchbar – es hilft nur, vorher aufzuschreiben.

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