Die meisten Broker bieten ein Dutzend Handelsplätze zur Auswahl. Die Wahl wird selten bewusst getroffen, und sie kostet trotzdem Geld – manchmal mehr als die Ordergebühr, um die so viel Aufhebens gemacht wird.
Drei Arten von Handelsplätzen
| Art | Wie gehandelt wird | Typische Zeiten | Stärke |
|---|---|---|---|
| Elektronischer Referenzmarkt | Offenes Orderbuch, alle Aufträge treffen aufeinander | 9:00 – 17:30 Uhr | Die meiste Liquidität, die engsten Spannen bei deutschen Werten |
| Regionalbörse | Orderbuch mit betreuendem Makler, der Kurse stellt | 8:00 – 20:00 Uhr, teils länger | Auch bei selten gehandelten Papieren kommt ein Kurs zustande |
| Außerbörslicher Direkthandel | Ein Handelspartner stellt dir einen Preis, du nimmst an oder nicht | Oft 7:30 – 23:00 Uhr | Lange Zeiten, sofortige Ausführung, häufig ohne Handelsplatzentgelt |
Beim Direkthandel handelst du nicht gegen andere Anleger, sondern gegen ein Unternehmen, das vom Spread lebt. Das ist nicht anrüchig – es ist ein anderes Geschäftsmodell. Aber die Interessen sind gegenläufig, und deshalb gilt hier eine Regel besonders: Vergleiche den gestellten Preis mit dem Kurs am Referenzmarkt, bevor du annimmst.
Best Execution: die Pflicht und ihre Grenze
Broker sind verpflichtet, Aufträge so auszuführen, dass für dich das bestmögliche Ergebnis erreicht wird. Wie das konkret aussieht, steht in den Ausführungsgrundsätzen – einem Dokument, das jeder Broker veröffentlicht und fast niemand liest.
Die Pflicht bezieht sich nicht allein auf den Preis. Berücksichtigt werden dürfen auch Kosten, Geschwindigkeit, Ausführungswahrscheinlichkeit und die Abwicklung. Das gibt Spielraum, und dieser Spielraum ist der Grund, warum die Standardvorgabe eines Brokers nicht zwangsläufig der Handelsplatz mit dem besten Kurs ist.
Wer den Handel überwacht
Die Aufsicht ist mehrstufig, und die Stufen haben verschiedene Aufgaben.
- Die Handelsüberwachungsstelle sitzt an der Börse selbst und beobachtet den laufenden Handel auf Auffälligkeiten. Sie ist ein eigenständiges Organ der Börse, nicht Teil ihrer Geschäftsleitung.
- Die Börsenaufsichtsbehörde des jeweiligen Bundeslandes beaufsichtigt die Börse als Einrichtung.
- Die BaFin ist für die Marktintegrität in Deutschland zuständig: Insiderhandel, Marktmanipulation, Veröffentlichungspflichten der Unternehmen.
- Die ESMA koordiniert auf europäischer Ebene und sorgt dafür, dass die Regeln in den Mitgliedstaaten gleich ausgelegt werden.
Für Anleger sind vor allem die Pflichten der Unternehmen relevant. Ad-hoc-Mitteilungen müssen kursrelevante Informationen unverzüglich veröffentlichen – damit nicht einige früher Bescheid wissen als andere. Stimmrechtsmitteilungen machen öffentlich, wenn jemand bestimmte Schwellen an einem Unternehmen überschreitet. Directors’ Dealings melden Käufe und Verkäufe durch Vorstand und Aufsichtsrat.
Die Ordnungsarten – der Teil, den man tatsächlich in der Hand hat
Handelsplatz und Aufsicht sind Rahmen; die Ordnungsart ist die einzige Stelle, an der man die Ausführung selbst steuert. Sie entscheidet, ob man einen Preis oder eine Ausführung garantiert bekommt – beides zugleich geht nicht, und wer das nicht weiß, bekommt regelmäßig das, was er nicht wollte.
| Art | Zugesichert ist | Nicht zugesichert ist | Wofür geeignet |
|---|---|---|---|
| Markt (billigst / bestens) | die Ausführung, sofort | der Preis – bei dünnem Buch auch weit entfernt vom letzten Kurs | sehr liquide Werte zu Haupthandelszeiten |
| Limit | der Preis, höchstens bzw. mindestens | die Ausführung – die Order kann für immer offen bleiben | der Normalfall, besonders außerhalb der Haupthandelszeit |
| Stop (Markt) | dass ab der Schwelle eine Marktorder ausgelöst wird | zu welchem Kurs sie dann ausgeführt wird | Absicherung einzelner konzentrierter Positionen |
| Stop-Limit | Schwelle und Preisgrenze zugleich | die Ausführung – genau im Absturz greift das Limit nicht mehr | wenig, denn es versagt in der Lage, für die es gedacht war |
Was der Handel kostet, jenseits der Ordergebühr
Die Gebühr steht in der Abrechnung; die beiden anderen Posten nicht. Der Spread – die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs – wird beim Kauf bezahlt und beim Verkauf noch einmal, ohne dass er je als Position erscheint. Und wer außerhalb der Handelszeiten kauft, zahlt ihn in seiner breitesten Form.
- Ordergebühr. Steht in der Abrechnung, ist vergleichbar, ist meistens der kleinste Posten.
- Spread. Steht nirgends, fällt zweimal an. Bei einem breit gestreuten Standard-ETF zu Haupthandelszeiten ist er klein; bei einem Nebenwert am Abend kann er die Gebühr um ein Vielfaches übersteigen.
- Marktauswirkung. Nur bei großen Beträgen in dünnen Werten: Die eigene Order bewegt den Kurs, gegen den sie ausgeführt wird.
- Fremdkostenpauschale und Börsenentgelt. Kleine Beträge, aber sie machen bei Sparraten unter fünfzig Euro einen spürbaren Anteil aus.
Was du dir merken solltest
- Referenzmarkt, Regionalbörse und Direkthandel unterscheiden sich in Preisbildung, Zeiten und Interessenlage.
- Beim Direkthandel ist dein Gegenüber ein Unternehmen, das vom Spread lebt – Vergleichskurs prüfen.
- Best Execution meint das beste Gesamtergebnis, nicht zwingend den besten Kurs.
- Aufsicht sichert die Ordnung des Handels, nicht die Qualität der Anlage.
- Preis oder Ausführung – eine Order kann nur eines von beiden zusichern.
- Ein Stop-Limit versagt genau in der Lage, für die es gedacht ist.
- Vor 9 Uhr, nach 17:30 Uhr und direkt nach einer Meldung ist eine Marktorder am teuersten.
- Der Spread steht in keiner Abrechnung und fällt zweimal an.
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