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IM Invests

Wie funktioniert der Markt · Stufe 2 von 3

Orderbuch, Liquidität, Teilnehmer

Wie eine Order tatsächlich ausgeführt wird, woran gute Handelbarkeit zu erkennen ist – und wer auf der anderen Seite steht.

Fortgeschritten17 Min. LesezeitAusgearbeiteter Text4 Quizfragen
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Das Orderbuch

Ein Orderbuch ist eine sortierte Liste aller offenen Aufträge: Kaufaufträge nach Preis absteigend, Verkaufsaufträge aufsteigend. Ganz oben stehen die besten Gebote beider Seiten – ihr Abstand ist der Spread. Ein Geschäft kommt zustande, sobald sich beide Seiten überlappen.

Zwei Auftragsarten, zwei Rollen
ArtWas passiertWirkung auf das Buch
LimitauftragWird ins Buch gestellt und wartet auf eine GegenseiteStellt Liquidität bereit. Der Preis ist sicher, die Ausführung nicht
MarktauftragWird sofort gegen die beste vorhandene Gegenseite ausgeführtEntnimmt Liquidität. Die Ausführung ist sicher, der Preis nicht
Es gibt nie „den Kurs“. Es gibt zwei Seiten, eine Lücke dazwischen und für jede Stückzahl einen anderen Preis.

Markttiefe und Slippage

Der Spread sagt nur, was die erste Lage kostet. Wer mehr Stücke will, als dort liegen, arbeitet sich in die zweite und dritte Lage – zu schlechteren Preisen. Diesen Unterschied zwischen erwartetem und erzieltem Durchschnittspreis nennt man Slippage.

  • Markttiefe ist deshalb die aussagekräftigere Größe als der Spread allein: Nicht nur, wie eng die beste Lage ist, sondern wie viel dahinter liegt.
  • Für Privatanleger ist Slippage bei üblichen Beträgen und liquiden Werten kein Thema. Bei kleinen Nebenwerten und bei Aufträgen außerhalb der Haupthandelszeiten sehr wohl.
  • Ein Limit schützt davor – es begrenzt den Preis nach oben oder unten. Der Preis dafür ist das Risiko, gar nicht ausgeführt zu werden.

Wer auf der anderen Seite steht

Vier Gruppen und was sie antreibt
TeilnehmerMotiv
Market MakerStellen laufend An- und Verkaufskurse und verdienen am Spread. Sie haben keine Meinung zum Papier – sie wollen die Position schnell wieder ausgleichen
Institutionelle AnlegerFonds, Versicherer, Pensionskassen. Große Volumina, die über Stunden oder Tage in kleinen Teilen ausgeführt werden, um den Preis nicht zu bewegen
IndexfondsHandeln mechanisch: Was der Index aufnimmt, wird gekauft – unabhängig von jeder Bewertung. Diese Nachfrage ist vorhersehbar und wird entsprechend antizipiert
Algorithmischer HandelVon der Ausführungsoptimierung großer Aufträge bis zum Hochfrequenzhandel, der auf Bruchteile von Sekunden reagiert

Zum Hochfrequenzhandel gibt es zwei belastbare Befunde nebeneinander: Er hat die Spreads für normale Anleger deutlich verengt – das ist messbar und ein echter Vorteil. Und er verschwindet in Stressphasen, weil seine Modelle dann keine Kurse mehr stellen. Beide Aussagen stimmen; die Bewertung hängt davon ab, welchen Fall man betrachtet.

Wie ein Preis überhaupt entsteht

Ein Kurs ist keine Eigenschaft eines Unternehmens, sondern das Protokoll eines Geschäfts: der Preis, zu dem sich zuletzt zwei Parteien geeinigt haben. Er sagt nichts darüber, zu welchem Preis der nächste Abschluss zustande kommt – und schon gar nicht, ob man die eigene Position dazu verkaufen könnte.

  • Der letzte Kurs kann alt sein. Bei einem selten gehandelten Wert liegt der letzte Abschluss unter Umständen Stunden zurück, während das Orderbuch längst woanders steht.
  • Er gilt für die damalige Menge. Wer das Zehnfache handeln will, bekommt einen anderen Preis – und zwar systematisch einen schlechteren.
  • Zwischen Geld- und Briefkurs gibt es keinen „richtigen" Preis. Kaufen kostet den Briefkurs, verkaufen bringt den Geldkurs. Der Mittelwert, der auf jeder Website steht, ist der einzige Kurs, zu dem niemand handeln kann.

Warum der Markt schwerer zu schlagen ist, als er aussieht

Nicht, weil er immer recht hätte – sondern wegen der Gegenseite. Jedes Geschäft hat zwei Parteien, und die andere ist heute fast nie ein Privatanleger, sondern eine Institution mit besseren Daten, tieferen Taschen und keinem Bedürfnis, recht zu behalten.

Was Kurse zwischen den Handelszeiten machen

Ein erheblicher Teil der Kursbewegung entsteht außerhalb der Handelszeiten – über Nacht, am Wochenende, in Kurslücken zur Eröffnung. Nachrichten kommen nicht nur zwischen 9 und 17:30 Uhr, und der Markt verarbeitet sie beim nächsten Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage auf einmal.

  • Ein Stop-Kurs schützt darüber nicht. Er wird bei der Eröffnung ausgelöst, und ausgeführt wird zum dann gültigen Kurs – der weit darunter liegen kann.
  • Wer nur die Tagesbewegung betrachtet, sieht einen Bruchteil. Ein Wert kann über Monate innerhalb der Handelszeiten fallen und über Nacht steigen; beides zusammen ergibt erst das Ergebnis.
  • Deshalb ist „ich beobachte das und steige rechtzeitig aus" keine Strategie. Die Bewegungen, auf die es ankommt, finden statt, während niemand handeln kann.

Was du dir merken solltest

  • Limitaufträge stellen Liquidität bereit, Marktaufträge entnehmen sie.
  • Markttiefe ist aussagekräftiger als der Spread allein.
  • Liquidität ist dann am geringsten, wenn sie gebraucht wird – in Stressphasen limitieren.
  • Market Maker haben keine Meinung zum Papier; sie verdienen am Spread.
  • Ein Kurs ist das Protokoll eines vergangenen Geschäfts, keine Eigenschaft des Unternehmens.
  • Der Mittelwert zwischen Geld und Brief ist der einzige Kurs, zu dem niemand handeln kann.
  • Vor jedem Einzelkauf steht die Frage, wer verkauft und warum.
  • Ein großer Teil der Bewegung entsteht außerhalb der Handelszeiten – dagegen hilft kein Stop.

Wissenscheck

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