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IM Invests

Wie funktioniert der Markt · Stufe 1 von 3

Wie ein Kurs entsteht

Warum es keinen richtigen Preis gibt, was zwischen Geld- und Briefkurs liegt – und warum gute Zahlen den Kurs drücken können.

Beginner11 Min. LesezeitAusgearbeiteter Text4 Quizfragen
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Ein Kurs sieht aus wie eine Eigenschaft: Die Aktie steht bei 42 Euro. Tatsächlich ist er etwas anderes – der Preis des letzten Geschäfts zwischen zwei Parteien, die gegensätzlicher Meinung waren. Der Käufer hielt 42 für günstig, der Verkäufer für ausreichend. Beide können nicht recht haben.

Zwei Seiten, drei Zahlen

Was auf jeder Kursseite steht
AngabeBedeutung
Geldkurs (Bid)Der höchste Preis, den gerade jemand zu zahlen bereit ist – dafür kannst du verkaufen
Briefkurs (Ask)Der niedrigste Preis, zu dem gerade jemand verkaufen will – dafür kannst du kaufen
Letzter KursDer Preis des letzten tatsächlichen Abschlusses. Er liegt in der Vergangenheit
Es gibt nie einen einzigen Kurs. Zwischen Kauf und Verkauf liegt immer eine Spanne – sie ist der erste Kostenblock jeder Order.
Was der Spread kostet – bei 12 Rundläufen im Jahr
SpreadJe Kauf und VerkaufIm Jahr
0,02 %0,02 %0,2 %
0,10 %0,10 %1,2 %
0,50 %0,50 %6,0 %
2,00 %2,00 %24,0 %

Bei einem breiten Index-ETF liegt der Spread im Bereich der ersten Zeile und fällt neben allem anderen nicht auf. Bei einem kleinen, selten gehandelten Wert steht man schnell bei der letzten – und dann ist der Spread teurer als die gesamte Verwaltungsgebühr eines Fonds.

Warum Kurse schwanken

Kurse bewegen sich, weil sich Erwartungen ändern – nicht, weil sich Tatsachen ändern. Eine Tatsache, die alle erwartet haben, ist bereits eingepreist, bevor sie eintritt. Bewegung entsteht aus der Differenz zwischen dem Erwarteten und dem Eingetretenen.

Was daraus für dich folgt

  • Wer kauft, handelt gegen jemanden. Auf der anderen Seite steht jemand, der dasselbe Papier bei gleicher Informationslage abgibt. Die Frage „warum sollte ich mehr wissen als er?“ ist unbequem und angebracht.
  • Öffentlich bekannte Informationen sind eingepreist. Was in der Zeitung steht, wissen alle. Es taugt zur Erklärung des Kurses, nicht zur Vorhersage.
  • Kurzfristige Bewegungen sind praktisch nicht nutzbar. Wer gegen Marktteilnehmer antritt, die schneller sind und weniger Kosten haben, verliert an der Reibung, was er an Einsicht gewinnt.
  • Die Konsequenz ist der Zeithorizont. Nicht die bessere Prognose, sondern die längere Haltedauer ist der Vorteil, den ein Privatanleger tatsächlich hat – niemand zwingt ihn zu verkaufen.

Das Orderbuch: wo die Kurse herkommen

Geld- und Briefkurs stehen nicht einfach da – sie sind die beiden innersten Zeilen einer Liste. Im Orderbuch sammeln sich alle Kaufaufträge auf der einen und alle Verkaufsaufträge auf der anderen Seite, jeweils nach Preis sortiert. Ganz oben steht auf der Kaufseite das höchste Gebot, auf der Verkaufsseite die niedrigste Forderung. Berühren sich beide, kommt ein Geschäft zustande und beide Zeilen verschwinden.

  • Eine Limit-Order stellt sich in die Liste. Sie wartet, bis jemand zu diesem Preis handeln will – und bringt so lange Angebot in den Markt.
  • Eine Market-Order nimmt aus der Liste. Sie arbeitet sich von oben nach unten durch, bis die gewünschte Stückzahl zusammen ist. Reicht die erste Zeile nicht, wird die zweite mitgenommen – zu einem schlechteren Preis.
  • Deshalb ist Tiefe wichtiger als der Spread allein. Ein enger Spread über wenigen Stücken hilft nicht, wenn die Order größer ist als das Angebot in der ersten Zeile.

Wann gehandelt wird – und wann besser nicht

Kurse existieren nicht rund um die Uhr in gleicher Qualität. Die Zeiten, zu denen ein Papier viel gehandelt wird, sind zugleich die Zeiten, zu denen der Spread eng und die Ausführung verlässlich ist. Wer außerhalb davon handelt, zahlt für dieselbe Sache mehr.

  • Deutsche Werte: vormittags bis zum frühen Nachmittag. Um 9:00 Uhr ist die Eröffnung noch unruhig, ab 15:30 Uhr kommt der US-Handel dazu und bringt Bewegung.
  • Welt-ETFs mit US-Aktien: am besten nachmittags, wenn die amerikanische Börse offen ist. Dann kennen die Handelspartner die Preise der enthaltenen Aktien und müssen sie nicht schätzen.
  • Nicht in den ersten und letzten Minuten eines Handelstags. Dort sind die Spreads am weitesten und die Ausschläge am größten.
  • Nicht direkt nach einer Unternehmensmeldung. Die Preise sortieren sich in diesen Minuten neu; wer dann eine Market-Order schickt, wird zu einem Preis bedient, der gleich darauf nicht mehr gilt.

Was du dir merken solltest

  • Ein Kurs ist der Preis des letzten Abschlusses, nicht der Wert des Unternehmens.
  • Der Spread ist der Preis dafür, sofort handeln zu können – und bei häufigem Handeln eine erhebliche Kostenposition.
  • Geld- und Briefkurs sind die innersten Zeilen des Orderbuchs; Limit stellt sich hinein, Market nimmt heraus.
  • Bewegt wird der Kurs von der Abweichung zwischen Erwartung und Ergebnis.
  • Zur Haupthandelszeit handeln – bei Welt-ETFs also nachmittags, wenn die US-Börse offen ist.
  • Der Vorteil eines Privatanlegers ist der Zeithorizont, nicht die Prognose.

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