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IM Invests

Inflation · Stufe 3 von 3

Inflationsschutz auf dem Prüfstand

Welche Anlagen Kaufkraft historisch erhalten haben, über welche Zeiträume das galt und wo der Schutz nur behauptet wird.

Profi12 Min. LesezeitAusgearbeiteter Text4 Quizfragen
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„Inflationsschutz“ ist ein Verkaufsargument, und wie die meisten Verkaufsargumente hält es einer genauen Prüfung nur teilweise stand. Der entscheidende Zusatz fehlt fast immer: über welchen Zeitraum.

Der Zeitraum entscheidet über alles

Aktien gelten als Sachwerte, und über lange Zeiträume trifft das zu: Unternehmen verkaufen reale Güter und Dienstleistungen und können gestiegene Kosten über die Preise weitergeben. Ihre Erträge wachsen langfristig mit dem Preisniveau mit.

Kurzfristig gilt eher das Gegenteil. In Phasen anziehender Inflation fallen Aktienkurse häufig, statt zu steigen – aus zwei Gründen. Erstens hebt die Notenbank die Zinsen, und höhere Zinsen senken den heutigen Wert künftiger Gewinne. Zweitens können Unternehmen Preise nicht sofort weitergeben; Verträge laufen, Kunden wandern ab, die Margen geraten zuerst unter Druck. Wer Aktien als kurzfristigen Inflationsschutz kauft, kauft das Falsche.

Die Kandidaten im Einzelnen

Inflationsschutz nach Anlageform
AnlageWirkungEinschränkung
Breite AktienanlageLangfristig verlässlich, weil Erträge mit dem Preisniveau wachsenKurzfristig oft negativ korreliert; erfordert Durchhaltevermögen über Jahrzehnte
Inflationsindexierte AnleihenDirekter Schutz: Nennwert und Kupon werden an den Preisindex gekoppeltLohnt nur, wenn die tatsächliche Inflation über der eingepreisten Break-even-Rate liegt
Immobilie mit KreditDoppelt: Miete steigt mit dem Preisniveau, die Kreditschuld entwertet sich realSteigende Zinsen drücken zugleich die Bewertung und die Anschlussfinanzierung
GoldÜber sehr lange Zeiträume KaufkrafterhaltÜber Jahre und Jahrzehnte kein verlässlicher Zusammenhang; kein laufender Ertrag
Rohstoffe über TerminkontrakteReagieren am direktesten auf AngebotsschocksRollkosten in Contango können den Schutz über die Zeit vollständig aufzehren
Tages- und FestgeldKein Schutz – der Zins ist nominal vereinbartAuch ein hoher Zins schützt nicht, wenn die Inflation höher ist

Die inflationsindexierte Anleihe verdient eine Ergänzung, weil sie am häufigsten missverstanden wird. Sie schützt nicht vor Inflation an sich, sondern vor unerwarteter Inflation. Die erwartete Inflation ist bereits im Preis enthalten – das ist genau die Break-even-Rate. Liegt die tatsächliche Teuerung darunter, hättest du mit der normalen Anleihe mehr verdient. Es ist eine Wette auf die Abweichung, nicht auf die Richtung.

Inflation und Steuern: der Teil, der weh tut

Das deutsche Steuerrecht kennt keine Inflation. Besteuert wird der nominale Ertrag – auch dann, wenn real nichts hinzugekommen ist. Das führt zu einem Ergebnis, das viele überrascht, wenn sie es zum ersten Mal durchrechnen.

Besteuert wird der nominale Ertrag – auch der Teil, der nur die Geldentwertung ausgleicht. Ein Zins, der die Inflation gerade deckt, ist real ein Verlust.

Angenommen, eine Anlage bringt 2,0 % im Jahr, die Inflation liegt bei 2,5 %. Real hast du −0,49 % verloren. Das Finanzamt sieht davon nichts: Es sieht 2,0 % Gewinn und erhebt darauf Abgeltungsteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer – rund ein Viertel bis gut ein Viertel des nominalen Ertrags. Nach Steuern ist der reale Verlust größer als vorher.

Daraus folgt ein praktischer Punkt für die Anlagedauer. Weil Steuern erst bei Zufluss anfallen, arbeitet ein nicht ausgeschütteter Gewinn länger für dich. Bei thesaurierenden Fonds greift zwar die Vorabpauschale, aber sie ist auf den Wertzuwachs gedeckelt und damit meist deutlich kleiner als die volle Besteuerung einer Ausschüttung. Über lange Zeiträume ist dieser Steuerstundungseffekt kein Randposten.

Was du dir merken solltest

  • Ohne Zeitraum ist die Aussage „schützt vor Inflation“ inhaltsleer.
  • Aktien schützen langfristig, kurzfristig eher nicht – beides ist richtig.
  • Inflationsindexierte Anleihen schützen vor unerwarteter Inflation; die erwartete steckt schon im Preis.
  • Rohstoff-Terminkontrakte können in Contango ihren eigenen Schutz aufzehren.
  • Besteuert wird nominal. Bei hoher Inflation zahlst du Steuern auf Gewinne, die es real nicht gibt.

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