Direkt zum Inhalt springen
IM Invests

Risiko & Rendite · Stufe 3 von 3

Risiko auf Profi-Niveau

Wo die Modelle brechen, warum die Reihenfolge der Renditen zählt und wie man die eigene Grenze bestimmt.

Profi12 Min. LesezeitAusgearbeiteter Text4 Quizfragen
6:36 übrig

Die Verteilung hat dicke Enden

Die gängigen Risikomaße unterstellen, dass Renditen normalverteilt sind – die Glockenkurve. Sind sie nicht. Tatsächliche Kursrenditen haben fette Ränder: Extreme Tage kommen um Größenordnungen häufiger vor, als das Modell zulässt.

Der Unterschied ist nicht akademisch. Unter der Glockenkurve wäre der Börsenkrach vom Oktober 1987 – ein Tagesverlust von über 20 Prozent im Dow Jones – ein Ereignis, das in der Lebensdauer des Universums nicht hätte auftreten dürfen. Er trat auf. Wer Risiko über die Standardabweichung steuert, unterschätzt systematisch genau die Fälle, auf die es ankommt.

Sequenzrisiko: dieselbe Durchschnittsrendite, zwei Ergebnisse

Wer nur anspart und nichts entnimmt, dem ist die Reihenfolge der Renditejahre gleichgültig – am Ende steht dasselbe Ergebnis, ob die guten Jahre am Anfang oder am Schluss lagen. Sobald regelmäßig Geld entnommen wird, ändert sich das grundlegend.

Fallen die schlechten Jahre an den Anfang der Entnahmephase, werden Anteile zu niedrigen Kursen verkauft. Diese Anteile fehlen dauerhaft – die spätere Erholung findet auf einem kleineren Bestand statt. Wie groß der Unterschied wird, lässt sich ausrechnen: Bei 500.000 € Startkapital, 24.000 € Entnahme im Jahr und 12 Jahren mit im Mittel 3,3 % Rendite stehen am Ende 516.303 € gegen 166.462 € – dieselben Renditen, dieselbe Entnahme, nur eine andere Reihenfolge.

Ohne Entnahme wären beide Linien am Ende deckungsgleich. Mit Entnahme entscheidet die Reihenfolge – und sie ist niemand zu wählen gegeben.

Tragfähigkeit ist nicht Bereitschaft

Zwei Fragen werden regelmäßig vermengt und haben nichts miteinander zu tun.

Zwei Fragen, zwei Antworten
RisikotragfähigkeitRisikobereitschaft
FrageWie viel Verlust kann ich verkraften, ohne dass mein Leben sich ändert?Wie viel Verlust halte ich aus, ohne nachts wach zu liegen?
Bestimmt durchEinkommen, Rücklagen, Verpflichtungen, Zeithorizont – nachrechenbarCharakter und Erfahrung – nicht nachrechenbar
Ändert sichMit den LebensumständenMit der Marktlage, und zwar meist im ungünstigsten Moment

Maßgeblich ist die kleinere der beiden. Wer viel tragen könnte, es aber nicht aushält, verkauft im Rückgang – und realisiert damit genau den Verlust, den er sich rechnerisch hätte leisten können. Ein Depot, das nicht durchgehalten wird, ist unabhängig von seiner Konstruktion das falsche.

Was du dir merken solltest

  • Renditeverteilungen haben fette Ränder – Modelle unterschätzen genau die Fälle, auf die es ankommt.
  • Szenarien schlagen Wahrscheinlichkeiten: Was tue ich bei minus 50 Prozent?
  • In der Entnahmephase entscheidet die Reihenfolge der Renditen, nicht ihr Durchschnitt.
  • Maßgeblich ist die kleinere von Tragfähigkeit und Bereitschaft.

Wissenscheck

Teste dein Wissen zu „Profi“

4 Fragen, eine richtige Antwort pro Frage. Nach jeder Antwort bekommst du die Begründung – auch wenn du richtig lagst. Es gibt kein Zeitlimit und keine Bewertung, die irgendwo landet.

IM Invests · https://iminvests.de/lernen/risiko-und-rendite/profi/