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Risiko & Rendite · Stufe 1 von 3

Risiko und Rendite einfach erklärt

Nach dieser Stufe erkennst du, wofür eine Anlage dich eigentlich bezahlt, kennst die vier Risikoarten und weißt, warum Verluste schwerer wiegen als gleich große Gewinne.

Beginner11 Min. LesezeitAusgearbeiteter Text4 Quizfragen
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Es gibt eine Frage, die jedes Anlageangebot in wenigen Sekunden einordnet: Wofür genau werde ich hier bezahlt?

Denn Rendite fällt nicht vom Himmel. Sie ist die Entschädigung dafür, dass jemand etwas auf sich nimmt, das ein anderer lieber vermeidet – Unsicherheit, Wartezeit, die Möglichkeit eines Verlusts. Wer mehr Rendite will, muss mehr davon übernehmen. Eine Anlage, die hohe Erträge ohne Gegenleistung verspricht, gibt es nicht; es gibt nur solche, bei denen man die Gegenleistung noch nicht gefunden hat.

Vier Risiken, die oft in einen Topf geworfen werden

Sie fühlen sich ähnlich an und sind es nicht
RisikoWas passiertIst es endgültig?
KursrisikoDer Wert schwankt – heute weniger als gesternNein. Wer nicht verkauft, hat nichts verloren
AusfallrisikoDer Schuldner zahlt nicht zurückJa. Eine Insolvenz nimmt man nicht zurück
LiquiditätsrisikoVerkaufen geht nur mit Abschlag – oder gar nichtKommt darauf an, wie lange man warten kann
ZeitpunktrisikoMan muss verkaufen, gerade wenn die Kurse unten sindJa – und aus dem Kursrisiko wird dadurch ein echter Verlust

Die letzte Zeile ist die wichtigste, weil sie die einzige ist, die man selbst in der Hand hat. Ein Kursrückgang wird erst dann zu einem Verlust, wenn man verkauft. Wer verkaufen *muss* – weil die Waschmaschine kaputt ist oder das Auto ersetzt werden will –, hat diese Wahl nicht mehr. Genau deshalb steht der Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto und nicht im Depot.

Warum Verluste schwerer wiegen als Gewinne

Ein Minus von 50 Prozent wird nicht durch ein Plus von 50 Prozent ausgeglichen. Aus 100 Euro werden erst 50, und 50 Prozent auf 50 Euro sind 25 – man landet bei 75. Der Ausgleich verlangt ein Plus von 100 Prozent.

Was ein Rückgang zum Ausgleich verlangt
RückgangNötiger Anstieg
− 10 %+ 11 %
− 20 %+ 25 %
− 30 %+ 43 %
− 50 %+ 100 %
− 70 %+ 233 %
− 90 %+ 900 %

Bis etwa 20 Prozent ist der Unterschied klein. Danach wird er dramatisch: Nach minus 90 Prozent braucht es eine Verzehnfachung, nur um wieder bei null zu sein. Diese Asymmetrie ist der ganze Grund, warum Streuung wichtiger ist als Trefferquote – ein Totalausfall ist nicht durch drei gute Griffe auszugleichen.

Verlust und Erholung sind nicht symmetrisch. Deshalb ist es wichtiger, große Verluste zu vermeiden, als große Gewinne zu treffen.

Die wichtigste Angabe vor jedem Kauf

Nicht die erwartete Rendite. Sondern: Wann brauche ich das Geld wieder?

  • Unter 3 Jahren – Tagesgeld oder Festgeld. Der Aktienmarkt kann in dieser Zeit deutlich im Minus stehen, und die Wahrscheinlichkeit dafür ist nicht klein.
  • 3 bis 10 Jahre – gemischt, mit einem Anteil, der schwanken darf, und einem, der nicht muss.
  • Über 10 bis 15 Jahre – hier hat der Aktienmarkt historisch seinen Vorsprung ausgespielt, weil genug Zeit war, Rückschläge auszusitzen.

Was nicht schwankt, sieht sicher aus

Risiko wird üblicherweise daran gemessen, wie stark ein Kurs schwankt – wie das genau geht und welche Kennzahlen es dafür gibt, behandelt die Stufe „Fortgeschritten“. Ein Punkt gehört aber schon hierher, weil er zu falschen Entscheidungen führt, bevor man je eine Kennzahl gesehen hat.

Gemessen werden kann nur, was einen Preis hat. Eine Immobilie, ein offener Immobilienfonds oder eine Unternehmensbeteiligung schwanken deshalb auf dem Papier kaum – nicht weil sie stabil wären, sondern weil niemand täglich einen Preis feststellt. Eine Aktie, die dasselbe Geschäft betreibt, sieht dagegen unruhig aus, weil ihr Preis jede Minute neu entsteht.

Risiko ist nicht überall gleich verteilt

Ein häufiger Irrtum ist, mehr Risiko bringe zwangsläufig mehr Rendite. Bezahlt wird nur das Risiko, das sich nicht vermeiden lässt – alles andere trägt man umsonst.

  1. Vergütetes Risiko: das Marktrisiko. Es bleibt, egal wie breit gestreut wird, und dafür gibt es auf lange Sicht eine Prämie.
  2. Unvergütetes Risiko: das Risiko einzelner Unternehmen. Es lässt sich durch Streuung beseitigen – wer es trotzdem trägt, bekommt dafür keinen Aufschlag.
  3. Selbstgemachtes Risiko: Hebel, häufiges Handeln, Kauf nach Anstiegen. Es erhöht die Schwankung und die erwartete Rendite gleichzeitig – letztere nach unten.

Daraus folgt eine praktische Regel, die dem Bauchgefühl widerspricht: Ein einzelnes Wertpapier ist nicht deshalb ertragreicher, weil es riskanter ist. Es ist nur riskanter. Die Prämie gibt es für das Marktrisiko – und die bekommt man am billigsten mit breiter Streuung und ohne Hebel.

Was du dir merken solltest

  • Rendite ist der Preis für übernommenes Risiko – finde bei jedem Angebot die Gegenleistung.
  • Kurs-, Ausfall-, Liquiditäts- und Zeitpunktrisiko sind vier verschiedene Dinge.
  • Ein Buchverlust wird erst durch den Verkauf zu einem echten.
  • Verluste und Gewinne sind nicht symmetrisch – ab 30 Prozent wird es unangenehm.
  • Was selten bepreist wird, schwankt nur auf dem Papier weniger – das ist kein geringeres Risiko.
  • Was nicht täglich bepreist wird, sieht sicher aus, ohne es zu sein.
  • Bezahlt wird nur unvermeidbares Risiko. Einzelrisiko und Hebel bringen Schwankung ohne Prämie.
  • Der Anlagehorizont entscheidet über die Anlageform, nicht die erhoffte Rendite.

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