Direkt zum Inhalt springen
IM Invests

Notenbanken & Geldpolitik · Stufe 1 von 3

Wer den Preis des Geldes setzt

Auftrag, die drei Leitzinsen – und warum in den Nachrichten meist nur einer davon gemeint ist.

Beginner11 Min. LesezeitAusgearbeiteter Text4 Quizfragen
11:03 übrig

Eine Notenbank verwaltet kein Geld für Bürger und vergibt keine Kredite an Unternehmen. Sie ist die Bank der Banken – und sie setzt den Preis, zu dem diese sich Geld beschaffen oder anlegen können. Weil jede Bank diesen Preis weitergibt, wirkt eine einzige Entscheidung bis auf das Tagesgeldkonto und in den Baukredit.

Der Auftrag

Zwei große Notenbanken, zwei Mandate
Europäische ZentralbankUS-Notenbank (Fed)
Vorrangiges ZielPreisstabilität – definiert als zwei Prozent Inflation auf mittlere SichtDoppelmandat: Preisstabilität und maximale Beschäftigung
Folge darausBei hoher Inflation muss sie handeln, auch wenn die Konjunktur leidetSie muss zwischen zwei Zielen abwägen, die sich widersprechen können
ZuständigkeitZwanzig Staaten mit eigenen HaushaltenEin Staat mit einem Haushalt

Die drei Leitzinsen der EZB

Wofür sie jeweils gelten
SatzWofürBedeutung
EinlagesatzWas Banken erhalten, wenn sie Geld über Nacht bei der EZB parkenDer wichtigste. Er bestimmt die Untergrenze des Geldmarkts – und damit, was auf deinem Tagesgeld möglich ist
HauptrefinanzierungssatzZu diesem Satz leihen sich Banken wöchentlich GeldHistorisch der zentrale Satz, heute eher ein Referenzwert
SpitzenrefinanzierungssatzNotfallkredit über NachtDie Obergrenze des Korridors; wird selten in Anspruch genommen
Von den drei Sätzen ist der unterste der wichtigste: Er ist die Untergrenze des Geldmarkts – und damit die Grenze, an der dein Tagesgeldzins hängt.

Ist in Meldungen von „dem Leitzins“ die Rede, ist im Euroraum meist der Einlagesatz gemeint. Er ist der Satz, an dem sich Banken orientieren, wenn sie überschüssige Liquidität haben – und genau deshalb bewegt sich dein Tagesgeldzins mit ihm und nicht mit den anderen beiden.

Wie ein Zinsentscheid abläuft

  1. Die Sitzung. Der EZB-Rat tagt etwa alle sechs Wochen, das Pendant der Fed acht Mal im Jahr. Die Termine stehen ein Jahr im Voraus fest.
  2. Die Entscheidung. Sie wird zu einer festen Uhrzeit veröffentlicht, gefolgt von einer Pressekonferenz. Die Märkte reagieren dabei häufiger auf die Pressekonferenz als auf die Zahl.
  3. Die Projektionen. Vierteljährlich veröffentlichen beide Notenbanken ihre eigenen Prognosen zu Inflation und Wachstum. Die Fed zeigt zusätzlich den Dot Plot: die Zinserwartung jedes einzelnen Mitglieds als Punkt.
  4. Die Einordnung. Was Notenbanker in den Wochen danach sagen, wirkt weiter – teils stärker als die Entscheidung selbst.

Wie eine Zinsentscheidung bei dir ankommt

Zwischen der Sitzung in Frankfurt und dem eigenen Konto liegen mehrere Stationen, und sie brauchen unterschiedlich lange. Das erklärt, warum sich manches sofort ändert und anderes erst in einem Jahr.

Vom Beschluss bis zur Wirkung
StationWie schnell
Geldmarkt zwischen BankenSofort – oft schon vorher, weil die Erwartung eingepreist ist
Anleihekurse und BauzinsenEbenfalls sofort, aber sie folgen den langen Renditen, nicht dem Leitzins selbst
Kreditzinsen für NeuverträgeWochen. Bestehende Verträge mit fester Bindung ändern sich gar nicht
SparzinsenNach unten Wochen, nach oben oft Monate – diese Asymmetrie ist verlässlich
Investitionen, Beschäftigung, PreiseEin bis zwei Jahre. Das ist der eigentliche Zweck, und er ist der langsamste Teil

Was Zinsen mit deinem Depot machen

Der Zins ist der Preis der Zeit, und deshalb betrifft er jede Anlage, deren Wert in der Zukunft liegt. Drei Wirkungen, in der Reihenfolge ihrer Deutlichkeit:

  1. Anleihen reagieren direkt. Steigt der Zins, fallen die Kurse bestehender Anleihen – am stärksten die mit langer Laufzeit. Das ist keine Meinung des Marktes, sondern Arithmetik.
  2. Aktien reagieren über die Abzinsung. Der Wert eines Unternehmens ist die Summe seiner künftigen Gewinne, heruntergerechnet auf heute. Ein höherer Zins lässt weit entfernte Gewinne weniger wert erscheinen – das trifft Wachstumsunternehmen härter als solche, die schon heute verdienen.
  3. Und es gibt einen Wettbewerber. Bei null Zinsen ist der Aktienmarkt fast alternativlos. Bei drei oder vier Prozent auf sichere Anleihen wird das Geld, das dort landet, dem Aktienmarkt entzogen. Deshalb bewegen Zinsentscheidungen die Kurse selbst dann, wenn sich an keinem Unternehmen etwas geändert hat.

Was daraus nicht folgt: dass man Zinsentscheidungen handeln sollte. Die Erwartung steht im Kurs, bevor die Entscheidung fällt; wer auf die Meldung reagiert, reagiert zuletzt. Der praktische Nutzen dieses Wissens liegt woanders – es macht verständlich, warum das eigene Depot sich bewegt, ohne dass eine der enthaltenen Firmen eine Nachricht hatte.

Was du dir merken solltest

  • Die EZB hat ein Ziel – Preisstabilität –, die Fed zwei.
  • Mit „dem Leitzins“ ist im Euroraum meist der Einlagesatz gemeint; er steuert das Tagesgeld.
  • Direkte Staatsfinanzierung ist der EZB untersagt; sie kauft am Sekundärmarkt.
  • Kurse bewegt nicht die Entscheidung, sondern die Abweichung von der Erwartung.
  • Die Hauptwirkung kommt erst in ein bis zwei Jahren an – deshalb „auf mittlere Sicht“.
  • Sparzinsen fallen schnell und steigen langsam. Das ist kein Zufall, sondern die Regel.
  • Zinsen bewegen Aktienkurse über die Abzinsung – und weil sichere Anlagen wieder Konkurrenz sind.

Wissenscheck

Teste dein Wissen zu „Beginner“

4 Fragen, eine richtige Antwort pro Frage. Nach jeder Antwort bekommst du die Begründung – auch wenn du richtig lagst. Es gibt kein Zeitlimit und keine Bewertung, die irgendwo landet.

IM Invests · https://iminvests.de/lernen/notenbanken-geldpolitik/beginner/