Direkt zum Inhalt springen
IM Invests

Option · Stufe 1 von 3

Call, Put und der Preis eines Rechts

Die Grundbegriffe an einem durchgerechneten Beispiel – und die Asymmetrie, die Optionen gefährlich macht.

Beginner12 Min. LesezeitAusgearbeiteter Text4 Quizfragen
10:42 übrig

Eine Option ist ein Vertrag über ein Recht. Du darfst etwas zu einem heute festgelegten Preis kaufen oder verkaufen – irgendwann bis zu einem festen Termin. Ob du das tust, entscheidest du dann. Für dieses Wahlrecht zahlst du sofort einen Preis, die Prämie.

Die beiden Grundformen

Call und Put im Vergleich
CallPut
RechtZu kaufenZu verkaufen
Wird wertvoll, wennDer Kurs steigtDer Kurs fällt
Typischer ZweckAuf steigende Kurse setzen, ohne den vollen Kaufpreis zu bindenEinen Bestand gegen Kursverluste absichern
Wertlos, wennDer Kurs unter dem Basispreis bleibtDer Kurs über dem Basispreis bleibt

Woraus die Prämie besteht

Die Prämie hat zwei Bestandteile, und sie auseinanderzuhalten ist der wichtigste Schritt beim Verständnis von Optionen. Der innere Wert ist der Betrag, den man bei sofortiger Ausübung bekäme. Der Zeitwert ist alles Übrige – der Preis für die Chance, dass es bis zum Verfall noch besser wird. Ein Beispiel mit Basispreis 100 und 3 Monaten Restlaufzeit:

Call, Basispreis 100, 3 Monate Restlaufzeit
Kurs des BasiswertsPrämieInnerer WertZeitwert
850,240,000,24
952,110,002,11
1004,360,004,36
1057,575,002,57
12020,8720,000,87

Zwei Beobachtungen. Bei einem Kurs unter dem Basispreis besteht die Prämie ausschließlich aus Zeitwert – man bezahlt reine Hoffnung. Und weit im Geld schrumpft der Zeitwert fast auf null: Die Option verhält sich dann fast wie der Basiswert selbst, nur mit Verfallsdatum.

Der Knick ist der Basispreis, der waagerechte Teil die bezahlte Prämie. Nach unten ist der Verlust des Käufers begrenzt – für den Verkäufer der Option gilt genau das Gegenteil.

Der Zeitwert schmilzt – und zwar schneller zum Schluss

Der Zeitwert ist am Verfallstag zwangsläufig null. Der Weg dorthin ist aber nicht gleichmäßig, und das ist die Eigenschaft, die Optionskäufer am häufigsten unterschätzt:

Call am Geld, Basispreis 100, 20 % erwartete Schwankung
RestlaufzeitPrämieVerlust pro Tag
12 Monate9,41−0,015
6 Monate6,37−0,019
3 Monate4,36−0,026
1 Monat2,43−0,042
Zeit ist bei Optionen ein Preisbestandteil, und sie läuft immer in dieselbe Richtung. Am Ende geht es am schnellsten.

Käufer und Verkäufer sind nicht spiegelbildlich

Beim Aktienkauf ist die Sache symmetrisch: Der eine gewinnt, was der andere verliert. Bei Optionen sind die Profile grundverschieden. Für den Call am Geld aus dem Beispiel kostet die Prämie 4,36; die Gewinnschwelle liegt damit bei 104,36, nicht beim Basispreis.

Zwei Seiten desselben Kontrakts
KäuferVerkäufer
Zahlt oder erhältZahlt die PrämieErhält die Prämie
Maximaler VerlustDie Prämie – mehr nichtBeim ungedeckten Call theoretisch unbegrenzt
Maximaler GewinnTheoretisch sehr großDie Prämie – mehr nicht
Gewinnt, wennSich der Kurs deutlich genug bewegtNichts Wesentliches passiert
Die Zeit arbeitetGegen ihnFür ihn

Zu einem verbreiteten Satz noch eine Einordnung: „Neun von zehn Optionen verfallen wertlos“ hört man oft, und es stimmt so nicht. Der größte Teil aller Positionen wird vor dem Verfallstag glattgestellt und taucht in dieser Statistik gar nicht auf. Richtig bleibt der Kern: Als Käufer muss man sich in Richtung und Zeitpunkt gleichzeitig nicht irren, und das ist deutlich schwerer, als nur die Richtung zu treffen.

Optionsschein ist nicht Option

Die Begriffe klingen gleich und bezeichnen zwei verschiedene Dinge. Eine Option wird an einer Terminbörse gehandelt, ist standardisiert und hat viele Marktteilnehmer auf beiden Seiten. Ein Optionsschein wird von einer Bank ausgegeben – sie legt die Bedingungen fest, stellt den Kurs und ist zugleich die Gegenpartei.

  • Der Emittent zählt mit. Ein Optionsschein ist rechtlich eine Schuldverschreibung. Geht die ausgebende Bank unter, ist er wertlos, egal wie der Basiswert steht.
  • Der Preis kommt von der Gegenseite. Es gibt kein Orderbuch mit vielen Teilnehmern, sondern eine Bank, die An- und Verkaufskurs stellt. Sie kennt die Bewertung, der Käufer schätzt.
  • Dafür sind sie zugänglich. Kleine Stückelungen, jedes Depot, keine Freigabe nötig. Genau das erklärt, warum Privatanleger fast immer Optionsscheine kaufen und fast nie Optionen.

Was du dir merken solltest

  • Call ist das Recht zu kaufen, Put das Recht zu verkaufen – eine Pflicht entsteht nur für den Verkäufer.
  • Die Prämie besteht aus innerem Wert und Zeitwert; aus dem Geld ist sie reiner Zeitwert.
  • Der Zeitwert schmilzt zum Verfall hin immer schneller, auch bei unverändertem Kurs.
  • Die Gewinnschwelle liegt um die Prämie über dem Basispreis, nicht auf ihm.
  • Ein Optionsschein ist eine Bankschuld mit von der Bank gestelltem Kurs – eine Option ist es nicht.
  • Ohne konkreten Absicherungsbedarf gibt es keinen Grund, damit anzufangen.

Wissenscheck

Teste dein Wissen zu „Beginner“

4 Fragen, eine richtige Antwort pro Frage. Nach jeder Antwort bekommst du die Begründung – auch wenn du richtig lagst. Es gibt kein Zeitlimit und keine Bewertung, die irgendwo landet.

IM Invests · https://iminvests.de/lernen/option/beginner/