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IM Invests

Option · Stufe 2 von 3

Preistreiber und Strategien

Warum eine Option vor Quartalszahlen teuer ist, welche Strategien mit Bestand funktionieren – und wo ihre Kosten stecken.

Fortgeschritten18 Min. LesezeitAusgearbeiteter Text4 Quizfragen
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Fünf Größen bestimmen die Prämie

Einflussfaktoren und ihre Richtung
GrößeWirkung auf den CallWirkung auf den Put
Kurs des Basiswerts steigtteurerbilliger
Basispreis liegt höherbilligerteurer
Mehr Restlaufzeitteurermeist teurer
Höhere erwartete Schwankungteurerteurer
Höherer Zinsetwas teureretwas billiger

Vier dieser fünf Größen sind bekannt: Kurs, Basispreis, Restlaufzeit und Zins kann jeder ablesen. Die fünfte nicht – niemand weiß, wie stark ein Kurs künftig schwanken wird. Genau deshalb ist sie der interessante Teil.

Implizite Volatilität: der eigentliche Preis

Dreht man die Bewertungsformel um und setzt die am Markt bezahlte Prämie ein, kommt heraus, welche Schwankung der Markt einpreist. Das ist die implizite Volatilität – keine Messung der Vergangenheit, sondern eine Erwartung. Ihre Wirkung ist erheblich:

Call am Geld, Basispreis 100, 3 Monate Restlaufzeit
Erwartete SchwankungPrämieGegenüber der Ausgangslage
15 %3,37−23 %
20 %4,36—
30 %6,3445 %
50 %10,29136 %

Strategien mit vorhandenem Bestand

Drei Konstruktionen sind für Privatanleger überhaupt sinnvoll diskutierbar. Alle drei setzen voraus, dass man den Basiswert besitzt oder besitzen will.

Drei Standardstrategien
StrategieAufbauWas man eintauscht
Covered CallAktien im Depot, dazu einen Call darauf verkaufenPrämie sofort gegen den Verzicht auf Kursgewinne über dem Basispreis
Cash Secured PutGeld bereithalten, dazu einen Put verkaufenPrämie gegen die Pflicht, zum Basispreis zu kaufen – auch wenn der Kurs weit darunter steht
Protective PutAktien im Depot, dazu einen Put kaufenLaufende Kosten gegen einen Boden unter dem Kurs

Spreads: Chance und Risiko gleichzeitig begrenzen

Ein Spread kombiniert zwei Optionen derselben Art. Man kauft eine und verkauft eine zweite mit anderem Basispreis oder anderer Laufzeit. Die verkaufte Option verbilligt die gekaufte – und deckelt zugleich den möglichen Gewinn.

  • Vertical Spread. Gleiche Laufzeit, verschiedene Basispreise. Beides ist begrenzt: der Verlust auf die Nettoprämie, der Gewinn auf den Abstand der Basispreise abzüglich dieser Prämie. Die gebräuchlichste Konstruktion überhaupt.
  • Kalender-Spread. Gleicher Basispreis, verschiedene Laufzeiten. Setzt darauf, dass die kurze Option schneller an Zeitwert verliert als die lange – ein Geschäft mit dem Zeitwertverfall, nicht mit der Richtung.
  • Straddle. Call und Put am selben Basispreis. Setzt darauf, dass sich der Kurs stark bewegt, gleichgültig wohin. Teuer, weil zwei Prämien anfallen, und anfällig für den Volatility Crush.
Am Kurs hat sich nichts geändert. Die erwartete Schwankung ist der einzige Preisbestandteil, den man nicht ablesen kann – und deshalb der, über den man eine Meinung hat.

Warum Optionen für die meisten die falsche Antwort sind

Alles auf dieser Seite lässt sich verstehen. Der Grund, warum es trotzdem selten hilft, ist ein anderer: Eine Option verlangt, dass man gleichzeitig über Richtung, Ausmaß und Zeitpunkt recht behält. Wer bei einer Aktie die Richtung trifft und beim Zeitpunkt danebenliegt, wartet. Bei einer Option verfällt sie.

Der dritte Punkt ist der, der Anfänger am zuverlässigsten überrascht: Man kauft die Erwartung, und die Erwartung ist vor dem Ereignis am teuersten.

Der Fall, in dem sie wirklich passen

  • Eine bestehende Position absichern, wenn ein Verkauf aus steuerlichen Gründen ungünstig wäre. Hier ist die Option eine Versicherung, und Versicherungen kosten Prämie – das ist kein Nachteil, sondern der Preis.
  • Einen Einstiegskurs festlegen, den man ohnehin zahlen würde: Wer eine Verkaufsoption schreibt, bekommt eine Prämie und die Verpflichtung, zu einem selbst gewählten Kurs zu kaufen. Das ist nur dann harmlos, wenn man den Kauf tatsächlich will und das Geld dafür bereitliegt.
  • Eine Position begrenzt verkaufen, indem man eine Kaufoption auf vorhandene Stücke schreibt. Der Ertrag ist die Prämie, der Preis ist die gekappte Aufwärtsbewegung.

Allen drei Fällen ist gemeinsam, dass ein vorhandener Bestand oder eine ohnehin gefasste Absicht dahintersteht. Die Option ändert dann die Auszahlung eines Geschäfts, das man ohnehin machen wollte. Sobald sie das Geschäft selbst ist, ist sie eine Wette mit drei Bedingungen.

Was du dir merken solltest

  • Die implizite Volatilität ist der einzige Preistreiber, den man nicht ablesen kann – und der stärkste.
  • Vor angekündigten Terminen ist sie hoch und fällt danach schlagartig; Käufer können bei richtiger Richtung verlieren.
  • Der Covered Call verkauft ausgerechnet die großen Aufwärtsbewegungen weg.
  • Spreads begrenzen beide Seiten – und haben wegen der Transaktionskosten eine Mindestgröße.
  • Eine Option verlangt Richtung, Ausmaß und Zeitpunkt zugleich – eine Aktie nur die Richtung.
  • Man kann mit richtiger Meinung verlieren, wenn die erwartete Schwankung nach dem Ereignis zusammenfällt.
  • Sinnvoll sind Optionen dort, wo ein Bestand oder eine feste Absicht schon vorhanden ist.
  • Wer eine Verkaufsoption schreibt, muss den Kauf wollen und das Geld bereithalten.

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