Direkt zum Inhalt springen
IM Invests

Rente · Stufe 2 von 3

Netto rechnen und die zweite Säule

Was von der Bruttorente abgeht, wie der Rentenfreibetrag funktioniert – und wann Entgeltumwandlung tatsächlich lohnt.

Fortgeschritten18 Min. LesezeitAusgearbeiteter Text4 Quizfragen
13:21 übrig

Die zwei Abzüge

  • Kranken- und Pflegeversicherung. Auf gesetzliche Renten fallen Beiträge an – derzeit in der Größenordnung von 11,6 % inklusive Zusatzbeitrag und Pflegeversicherung. Bei Pflichtversicherten in der Krankenversicherung der Rentner trägt die Rentenversicherung einen Teil; freiwillig Versicherte zahlen mehr und auch auf weitere Einkünfte.
  • Steuern. Renten werden nachgelagert besteuert: Die Beiträge waren im Erwerbsleben zunehmend steuerfrei, dafür ist die Rente zunehmend steuerpflichtig. Der steuerpflichtige Anteil hängt am Jahr des Rentenbeginns und steigt für spätere Jahrgänge.
Der steuerfreie Betrag wird einmal in Euro festgeschrieben. Jede spätere Rentenerhöhung ist voll steuerpflichtig – die Steuerlast steigt, ohne dass sich ein Gesetz ändert.

Die betriebliche Altersversorgung

Die zweite Säule kennt fünf Durchführungswege – Direktzusage, Unterstützungskasse, Pensionskasse, Pensionsfonds und Direktversicherung. Für die Entscheidung sind zwei Fragen wichtiger als der Name: Wer zahlt ein, und wer trägt das Anlagerisiko?

Die Entgeltumwandlung im Zeitverlauf
PhaseWirkung
EinzahlungDer Beitrag geht vom Bruttogehalt ab: keine Steuer, keine Sozialabgaben. Der Nettoverzicht ist deutlich kleiner als der eingezahlte Betrag
Nebenwirkung heuteWeniger Bruttoeinkommen bedeutet weniger Rentenpunkte – die gesetzliche Rente sinkt entsprechend
AuszahlungDie Betriebsrente ist voll steuerpflichtig, und in der Krankenversicherung der Rentner fallen Beiträge an – oberhalb eines Freibetrags

Was die gesetzliche Rente außerdem leistet

Wer an die gesetzliche Rente denkt, denkt an die Altersrente. Sie ist der größte, aber nicht der einzige Teil: Aus denselben Beiträgen entsteht auch ein Anspruch auf Erwerbsminderungsrente, wenn jemand aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann, und auf Hinterbliebenenrente für Ehepartner und Kinder. Beides sind Versicherungsleistungen, die eine private Anlage nicht nebenbei mitbringt.

Das ändert den Vergleich mit einer privaten Vorsorge. Wer die eigene Rentenanwartschaft neben ein Depot stellt und nur die Auszahlung im Alter vergleicht, vergleicht zu wenig – auf der einen Seite steht ein Kapitalstock, auf der anderen ein Kapitalstock plus zwei Versicherungen. Umgekehrt gilt: Wer keinen ausreichenden Anspruch auf Erwerbsminderung hat, weil er zu wenige Beitragsjahre hat, sollte diese Lücke gesondert schließen, statt sie im Depot zu übersehen.

Die Renteninformation richtig lesen

Das jährliche Schreiben nennt mehrere Beträge, und sie beantworten verschiedene Fragen. Der erste ist die Rente, die aus den bisher erworbenen Ansprüchen bereits feststeht – er wächst nicht mehr, wenn heute niemand mehr einzahlt. Der zweite rechnet hoch, was daraus wird, wenn man wie bisher weiter einzahlt. Beide sind in heutigen Euro angegeben und damit vor Abzügen und vor Kaufkraftverlust.

Die Hochrechnung ist die Zahl, die man im Kopf behält, und die vorsichtigere ist die richtige Planungsgrundlage: Sie unterstellt eine Erwerbsbiografie ohne Bruch. Wer in Teilzeit geht, eine Auszeit nimmt oder sich selbstständig macht, landet darunter – und das Schreiben sagt das nicht dazu, weil es die Zukunft nicht kennt.

Die drei Schichten und wofür sie taugen

Das deutsche System sortiert Altersvorsorge in drei Schichten, und die Einordnung entscheidet über Steuer, Zugriff und Pfändungsschutz. Wer nur auf die Rendite sieht, übersieht den eigentlichen Unterschied: Wie fest ist das Geld gebunden?

Was jede Schicht kostet und was sie verlangt
SchichtSteuerlichBindung
Basisversorgung – gesetzliche Rente, RürupBeiträge weitgehend absetzbar, Auszahlung voll steuerpflichtigam stärksten: keine Kapitalauszahlung, nicht vererbbar außer über Zusatzbausteine, nicht beleihbar
Geförderte Vorsorge – Riester, betriebliche AltersversorgungFörderung oder Entgeltumwandlung, Auszahlung steuerpflichtigstark: Auszahlung frühestens ab einem Mindestalter, Teilkapital begrenzt
Privates Vermögen – Depot, Immobilie, VersicherungAbgeltungsteuer auf Erträge, keine Förderungkeine: jederzeit verfügbar, jederzeit veränderbar

Die Bindung ist beides zugleich. Sie schützt vor dem eigenen Zugriff und im Fall der Basisversorgung weitgehend vor Pfändung – und sie nimmt jede Anpassung an eine geänderte Lebenslage. Wer mit 35 entscheidet, entscheidet für Jahrzehnte, in denen sich fast alles ändern kann.

Warum die Zahl in der Renteninformation zu hoch wirkt

Der Brief nennt einen Betrag, und dieser Betrag ist in zwei Richtungen zu korrigieren, bevor er etwas über den späteren Lebensstandard sagt.

  • Er ist brutto. Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge gehen ab, und je nach Rentenbeginn ist ein wachsender Anteil steuerpflichtig.
  • Er ist in heutigen Euro genannt. Die Hochrechnung mit Anpassungen steht daneben, aber die Kaufkraft in dreißig Jahren steht in keiner der beiden Zahlen.
  • Er unterstellt, dass es weitergeht wie bisher. Teilzeit, Elternzeit, Selbstständigkeit oder Arbeitslosigkeit senken ihn – die Hochrechnung schreibt den Durchschnitt der letzten fünf Jahre fort.
  • Erwerbsminderung ist die Zahl, die niemand liest. Sie steht im selben Brief und ist die wichtigere: Das Risiko, vor der Rente arbeitsunfähig zu werden, ist deutlich größer als die meisten annehmen.

Was du dir merken solltest

  • Auf die gesetzliche Rente fallen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie Steuern an.
  • Der Rentenfreibetrag wird einmal als Eurobetrag festgeschrieben und wächst nicht mit.
  • Entgeltumwandlung senkt heute die Abgaben und morgen die gesetzliche Rente.
  • Ohne nennenswerten Arbeitgeberzuschuss ist die Rechnung deutlich enger.
  • Aus denselben Beiträgen entstehen auch Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrente – ein Depot leistet das nicht.
  • Die Hochrechnung in der Renteninformation unterstellt eine Erwerbsbiografie ohne Bruch.
  • Die Schicht entscheidet über Steuer und Bindung – die Bindung schützt und nimmt jede Anpassung.
  • Eine Förderung ist kein Ertrag: Sie kann von laufenden Kosten aufgezehrt werden.
  • Entgeltumwandlung senkt den späteren gesetzlichen Anspruch mit.
  • Der Betrag in der Renteninformation ist brutto, in heutigen Euro und unter der Annahme, dass alles so weitergeht.

Wissenscheck

Teste dein Wissen zu „Fortgeschritten“

4 Fragen, eine richtige Antwort pro Frage. Nach jeder Antwort bekommst du die Begründung – auch wenn du richtig lagst. Es gibt kein Zeitlimit und keine Bewertung, die irgendwo landet.

IM Invests · https://iminvests.de/lernen/rente/fortgeschritten/