Eine Aktie macht dich zum Miteigentümer. Eine Schuldverschreibung macht dich zum Gläubiger: Du leihst Geld her und bekommst dafür ein Versprechen – Zinsen während der Laufzeit und den Betrag am Ende zurück. Das klingt nach der sichereren Variante, und oft ist es das auch. Wovon es abhängt, ist der Inhalt dieser Stufe.
Die vier Grundbegriffe
| Begriff | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Nennwert | Der Betrag, der am Laufzeitende zurückgezahlt wird | 1.000 € je Stück – üblich sind 1.000 €, bei Neuemissionen auch 100.000 € |
| Kupon | Der feste Zinssatz, jährlich auf den Nennwert | 3 % Kupon bedeutet 30 € im Jahr je 1.000 € Nennwert |
| Laufzeit | Bis wann geliehen wird, mit festem Fälligkeitstermin | Von wenigen Monaten bis zu dreißig Jahren |
| Emittent | Wer das Geld leiht und zurückzahlen muss | Staat, Bank, Unternehmen – hier entscheidet sich alles |
Gläubiger gegen Eigentümer
| Aktie | Schuldverschreibung | |
|---|---|---|
| Rolle | Miteigentümer | Gläubiger |
| Anspruch | Anteil am Gewinn, wenn er anfällt | Zins und Rückzahlung, vertraglich zugesagt |
| Mitsprache | Stimmrecht auf der Hauptversammlung | Keines |
| Bei gutem Verlauf | Unbegrenzte Beteiligung am Erfolg | Genau der vereinbarte Kupon, nicht mehr |
| In der Insolvenz | Zuletzt bedient – meist Totalverlust | Vor den Aktionären, aber hinter besicherten Gläubigern |
Die letzte Zeile ist die wichtigste und wird am häufigsten missverstanden. „Vor den Aktionären“ heißt nicht „an erster Stelle“. Vor dir stehen Sicherheiten, Löhne, Steuern und oft besicherte Kredite. Was danach übrig ist, wird unter den einfachen Gläubigern verteilt.
Das entscheidende Risiko
Bei einer Schuldverschreibung gibt es genau ein Risiko, das alles andere überlagert: Zahlt der Schuldner? Alle anderen Größen – Kurs, Laufzeit, Zinsniveau – bewegen den Wert. Ein Ausfall vernichtet ihn.
Der letzte Punkt hat 2008 in Deutschland viele getroffen: Zertifikate der Investmentbank Lehman Brothers waren über Bankfilialen breit verkauft worden. Als die Bank zusammenbrach, waren die Papiere praktisch wertlos – die zugrunde liegenden Indizes spielten dabei keine Rolle. Bei einem Fonds wäre das nicht passiert: Ein Fonds ist Sondervermögen und gehört nicht der Bank.
Wofür Anleihen im Depot gut sind
Nicht für die Rendite – die ist auf lange Sicht niedriger als am Aktienmarkt, und das ist kein Mangel, sondern der Zweck. Anleihen haben zwei andere Aufgaben, und beide betreffen die Zeit.
- Ein bekannter Betrag zu einem bekannten Termin. Wer weiß, dass er in vier Jahren eine bestimmte Summe braucht, kann eine Anleihe mit passender Laufzeit kaufen und kennt sein Ergebnis am Kauftag. Das kann keine Aktie.
- Ruhe im Depot. Ein Anleiheteil schwankt weniger als der Aktienteil und dämpft damit den Ausschlag des Ganzen. Er ist der Grund, warum man den Aktienteil durchhält – dieselbe Aufgabe wie die des Tagesgelds, nur mit etwas mehr Ertrag und etwas mehr Bewegung.
Was du dir merken solltest
- Der Kupon bezieht sich auf den Nennwert, nicht auf deinen Kaufpreis.
- Gläubiger stehen vor Aktionären, aber hinter besicherten Gläubigern.
- Ein hoher Kupon ist der Preis für ein Risiko, kein Sonderangebot.
- Zertifikate sind Schuldverschreibungen der ausgebenden Bank – Fonds sind Sondervermögen.
- Anleihen liefern einen bekannten Betrag zu einem bekannten Termin – dafür sind sie da, nicht für Rendite.
- Die Laufzeit entscheidet über die Schwankung. 2022 traf das die langen, nicht die schlechten.
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