Direkt zum Inhalt springen
IM Invests

Währungen & Wechselkurse · Stufe 2 von 3

Absichern – oder bewusst nicht

Was eine Absicherung kostet, wann sie sich lohnt und welche Währungspositionen im Depot stecken, ohne dass sie irgendwo stehen.

Fortgeschritten17 Min. LesezeitAusgearbeiteter Text4 Quizfragen
10:41 übrig

Wie eine Absicherung funktioniert

Eine abgesicherte Anteilsklasse – erkennbar an Zusätzen wie „EUR Hedged“ – schließt laufend Termingeschäfte ab, die die Fremdwährungsposition gegenrechnen. Meist rollierend über einen Monat. Das Ergebnis ist eine Anlage, die weitgehend nur noch die Wertentwicklung des Basiswerts abbildet, ohne Währungsbewegung.

Der Wechselkurs kommt in dieser Rechnung nicht vor – und das ist der Punkt. Die Absicherung kostet die Zinsdifferenz, wohin der Kurs auch läuft.

Wann sie sinnvoll ist

Die Entscheidung hängt am Verhältnis der Schwankungen
AnlageklasseVerhältnisÜbliche Praxis
AnleihenDie Währungsschwankung übersteigt die erwartete Rendite meist deutlichAbsicherung üblich und in aller Regel sinnvoll – sonst dominiert das Währungsrisiko das Ergebnis vollständig
AktienDie Schwankung des Aktienmarkts dominiert die der WährungAbsicherung meist verzichtbar; über lange Zeiträume verschlechtert sie das Ergebnis eher, weil ihre Kosten laufend anfallen
RohstoffeNotierung fast durchweg in Dollar; die Preisschwankung dominiertUneinheitlich – hier ist die Dollarposition Teil des Geschäfts

Die Währungspositionen, die nirgends stehen

Die aufschlussreichste Übung zu diesem Thema ist, die tatsächliche Währungsaufteilung des eigenen Depots zu ermitteln. Sie steht in keiner Depotübersicht, weil dort die Handelswährung ausgewiesen wird – und die ist, wie gesehen, die falsche Größe.

  • Umsatzwährung statt Sitzland. Ein europäischer Konzern, der drei Viertel seines Umsatzes in Dollar macht, ist wirtschaftlich zu drei Vierteln eine Dollarposition. Der Sitz in Deutschland ändert daran nichts – nur die Steuerpflicht.
  • Schwellenländeranleihen. Papiere in Lokalwährung tragen das volle Währungsrisiko und bieten dafür höhere Kupons. Papiere in Hartwährung – Dollar oder Euro – tragen es nicht, dafür trägt der Emittent es, was sein Ausfallrisiko erhöht. Das Risiko verschwindet nicht, es wechselt nur die Seite.
  • Rohstoffe. Sie notieren fast durchweg in Dollar. Wer Gold hält, hält damit auch eine Dollarposition – das erklärt einen Teil der Bewegungen, die sonst rätselhaft wirken.
  • Der Welt-ETF. Er ist die größte verdeckte Dollarposition der meisten Privatdepots, weil US-Unternehmen den größten Teil des Weltindex stellen.

Was einen Wechselkurs kurzfristig bewegt

Langfristig zieht die Kaufkraft; kurzfristig, also über Monate und Jahre, dominiert etwas anderes – und das ist der Zeitraum, in dem die meisten ihre Depots betrachten.

  • Die Zinsdifferenz und ihre Erwartung. Nicht der Zins selbst bewegt, sondern seine Änderung gegenüber dem, was eingepreist war. Kapital fließt dorthin, wo es künftig mehr Zins erwartet.
  • Sichere Häfen in Stressphasen. Dollar, Schweizer Franken und Yen werten in Krisen regelmäßig auf – unabhängig davon, wo die Krise ihren Ursprung hat. Für einen Anleger im Euroraum ist das ein Dämpfer im Depot, nicht ein zusätzlicher Schaden.
  • Handelsbilanz und Kapitalströme. Ein dauerhaftes Defizit muss finanziert werden; solange das Kapital gern kommt, stützt es die Währung, und wenn es ausbleibt, kippt sie schnell.
  • Eingriffe der Notenbank. Sie können einen Kurs über Monate halten und tun es regelmäßig. Auf Dauer scheitern sie, wenn sie gegen die wirtschaftliche Lage arbeiten.

Warum Währungsrisiko im Aktiendepot meist unbedeutend ist

Es ist die häufigste Sorge und der geringste Effekt. Der Grund liegt in der Zeit: Währungsschwankungen sind über lange Strecken mittelwertsuchend – sie schwingen um einen Wert, statt sich aufzuaddieren. Aktienrenditen tun das Gegenteil, sie summieren sich.

Der Fehler beim Blick auf den eigenen Kurs

Wer einen amerikanischen Fonds in Euro im Depot sieht, sieht zwei Effekte in einer Zahl: die Entwicklung der Aktien und die des Dollars. Ein Minus kann bedeuten, dass die Kurse gefallen sind – oder dass sie gestiegen sind und der Dollar stärker nachgegeben hat. Beides sieht identisch aus und verlangt verschiedene Schlüsse.

  • Die Fondswährung sagt darüber gar nichts. Ob ein Weltfonds in Euro oder Dollar notiert, ändert am Währungsrisiko keinen Cent – entscheidend ist, worin die enthaltenen Unternehmen wirtschaften.
  • „EUR-hedged" im Namen ist der einzige Hinweis, der zählt. Nur er bedeutet, dass tatsächlich abgesichert wird.
  • Wer den Anteil wissen will, sieht in die Währungsaufteilung des Fonds, nicht auf sein Kürzel.

Was du dir merken solltest

  • Die Kosten einer Absicherung entsprechen im Kern der Zinsdifferenz beider Währungsräume.
  • Bei Anleihen ist Absicherung üblich, bei Aktien meist verzichtbar – es kommt auf das Verhältnis der Schwankungen an.
  • In der Entnahmephase gewinnt Planbarkeit an Gewicht und damit die Absicherung.
  • Die echte Währungsaufteilung folgt der Umsatzwährung der Unternehmen, nicht der Handelswährung.
  • Kurzfristig bewegt die Zinserwartung, langfristig die Kaufkraft.
  • Währungen schwingen um einen Wert, Aktienrenditen summieren sich – deshalb verschwindet der Effekt über die Zeit.
  • Bei Anleihen ist die Schwankung größer als der Ertrag, deshalb dort absichern und bei Aktien nicht.
  • Die Fondswährung sagt nichts über das Währungsrisiko; nur „hedged" tut es.

Wissenscheck

Teste dein Wissen zu „Fortgeschritten“

4 Fragen, eine richtige Antwort pro Frage. Nach jeder Antwort bekommst du die Begründung – auch wenn du richtig lagst. Es gibt kein Zeitlimit und keine Bewertung, die irgendwo landet.

IM Invests · https://iminvests.de/lernen/waehrungen-wechselkurse/fortgeschritten/