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IM Invests

Wann kaufen & verkaufen · Stufe 3 von 3

Was die Empirie hergibt

Die Schwelle, die eine Strategie überschreiten muss, warum Rückrechnungen zu gut aussehen – und die Bremse, die nach jedem Verkauf greift.

Profi12 Min. LesezeitAusgearbeiteter Text4 Quizfragen
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Die Schwelle, bevor überhaupt von Prognose die Rede ist

Eine Timing-Strategie muss nicht nur häufiger richtig als falsch liegen – sie muss ihre eigenen Kosten mitverdienen. Ein einfaches Modell zeigt, wie stark das die Latte hebt: Angenommen, jede richtige Entscheidung bringt 5 % und jede falsche kostet dasselbe. Dazu kommen Kosten je Runde – Spread, Gebühren, Abgeltungsteuer auf realisierte Gewinne:

Nötige Trefferquote bei 5 % Gewinn je richtiger Entscheidung
Kosten je RundeNötige Trefferquote
0,0 %50,0 %
0,5 %55,0 %
1,0 %60,0 %
2,0 %70,0 %
Ohne Kosten genügt die Hälfte, also der Münzwurf. Jeder Prozentpunkt an Kosten hebt die Schwelle darüber – und das ist erst die Frage nach dem Aufwand, nicht die nach der Prognosefähigkeit.

Was systematische Ansätze liefern

  • Trendfolge über gleitende Durchschnitte. Investiert sein, solange der Kurs über seinem Durchschnitt liegt, sonst aussteigen. In Rückrechnungen sieht das oft gut aus, weil es große Abwärtsphasen abschneidet. In der Umsetzung frisst die hohe Zahl von Fehlsignalen in Seitwärtsphasen den Vorteil – dazu Kosten und Steuern bei jedem Wechsel. Nach Abzug bleibt meist eine Rendite unter dem schlichten Halten, bei geringerer Schwankung.
  • Bewertungsbasierte Steuerung. Weniger investieren, wenn der Markt teuer bewertet ist. Der Zusammenhang zwischen Bewertung und langfristiger Folgerendite ist gut belegt – aber er wirkt über zehn Jahre und mehr. Wer ihn umsetzt, sitzt unter Umständen ein Jahrzehnt an der Seitenlinie, während der Markt weiter steigt. Fast niemand hält das durch.
  • Saisonale Muster. Regelmäßig veröffentlicht, regelmäßig widerlegt. Wer genügend Kalendermuster prüft, findet immer eines, das in der Vergangenheit funktioniert hat – das ist kein Befund, sondern eine Eigenschaft der Suche.

Die steuerliche Bremse

Jeder Verkauf im Privatvermögen realisiert Gewinne und löst Abgeltungsteuer aus. Der eigentliche Preis ist dabei nicht die Steuer selbst – die wäre irgendwann ohnehin fällig –, sondern der verlorene Stundungseffekt: Der abgeführte Betrag arbeitet nicht mehr mit. Über eine lange Restlaufzeit ist das der größere Posten.

  • FIFO. Beim Teilverkauf gelten die ältesten Anteile als verkauft – bei gestiegenen Kursen also die mit dem höchsten Gewinn und der höchsten Steuer. Wählen lässt sich das nicht; steuern lässt es sich nur über getrennte Depots.
  • Getrennte Verlusttöpfe. Verluste aus Einzelaktien sind ausschließlich mit Gewinnen aus Einzelaktien verrechenbar. Wer eine Timing-Strategie über Einzelwerte fährt, kann Verluste dort nicht gegen Gewinne aus Fonds stellen.
  • Die Rechnung je Runde. Wer häufig handelt, zahlt die Steuer immer wieder auf zwischenzeitliche Gewinne. Wer hält, zahlt sie einmal am Ende – auf einen Betrag, der in der Zwischenzeit weitergearbeitet hat.

Was du dir merken solltest

  • Die nötige Trefferquote liegt allein wegen der Kosten deutlich über der Hälfte – und gilt je Runde.
  • Trendfolge senkt die Schwankung und liefert nach Kosten meist weniger als schlichtes Halten.
  • Rückrechnungen sind durch Überanpassung und Publikationsverzerrung systematisch zu optimistisch.
  • Der Preis eines Verkaufs ist nicht die Steuer, sondern der verlorene Stundungseffekt darauf.

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