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Gold nach dem Rekord: Auch ein sicherer Hafen schwankt

Der Goldpreis liegt gut ein Viertel unter seinem Allzeithoch von 5.598 Dollar. Silber hält sich bei knapp 58 Dollar. Beides zeigt, was Rohstoffe im Depot leisten – und was nicht.

Redaktion IM Invests5 Min. Lesezeit

Der Goldpreis notiert bei rund 4.054 US-Dollar je Feinunze. Das ist historisch hoch – und gleichzeitig deutlich unter dem Allzeithoch dieses Jahres bei 5.598 Dollar. Seither läuft eine ausgeprägte Korrekturphase; als entscheidende Unterstützungszone gilt der Bereich zwischen 3.900 und 4.100 Dollar. Silber legte zuletzt um 0,4 Prozent auf 57,92 Dollar zu, nachdem ein starker US-Dollar und die Erwartung anhaltend hoher US-Zinsen auf den Preis gedrückt hatten.

Gut ein Viertel unter dem Hoch

Vom Rekord bis zum heutigen Stand fehlen rund 27 Prozent. Ein Rückgang dieser Größenordnung wäre bei einem Aktienindex ein Bärenmarkt und stünde in jeder Nachrichtensendung. Bei Gold wird er selten so genannt – obwohl der Verlust für jemanden, der am Hoch gekauft hat, identisch ist.

„Sicherer Hafen“ heißt nicht „schwankungsarm“. Der Begriff beschreibt, dass Gold in bestimmten Krisen anders läuft als Aktien – nicht, dass es ruhig läuft. Wer Gold als Ersatz für das Tagesgeldkonto einsetzt, verwechselt die beiden Eigenschaften.

Warum der Realzins den Goldpreis bewegt

Gold zahlt keine Zinsen und keine Dividende. Wer Gold hält, verzichtet also auf die Verzinsung, die dasselbe Geld anderswo bringen würde. Dieser Verzicht ist der eigentliche Preis des Goldbesitzes – und er steigt, wenn die Zinsen nach Abzug der Inflation steigen.

Haltekosten von Gold ≈ Realzins = Nominalzins − Inflationsrate

Genau deshalb reagiert der Goldpreis so empfindlich auf Notenbanksitzungen: Nicht der Goldmarkt ändert sich dabei, sondern die Alternative dazu.

Das erklärt auch die aktuelle Bewegung: Solange die Märkte damit rechnen, dass die US-Notenbank ihre Zinsen hoch hält, bleibt die Alternative zu Gold attraktiv. Ein starker Dollar wirkt zusätzlich, weil Gold in Dollar notiert und für alle außerhalb des Dollarraums damit teurer wird.

Silber ist nicht das kleine Gold

Silber wird häufig als günstigere Variante von Gold beschrieben. Das führt in die Irre: Ein großer Teil der Silbernachfrage kommt aus der Industrie – Elektronik, Photovoltaik, Medizintechnik. Silber hängt damit an der Konjunktur, Gold nicht. In Abschwüngen fällt Silber deshalb regelmäßig stärker.

Quellen

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