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Öl springt 7,9 Prozent: was eine Risikoprämie ist

Brent schloss 7,9 Prozent höher bei 90,74 Dollar – nach 16 Prozent Verlust in drei Tagen. Gehandelt wird die Wahrscheinlichkeit, nicht der Ausfall.

Redaktion IM Invests5 Min. Lesezeit

Ein Barrel Brent kostete zum Handelsschluss am Mittwoch 90,74 US-Dollar – 7,9 Prozent mehr als am Vortag. Die US-Sorte WTI stieg um 6,6 Prozent auf 84,46 Dollar. Auslöser: Irans Revolutionsgarden feuerten ballistische Raketen auf US-Stellungen, die nach US-Angaben abgefangen wurden; Präsident Trump kündigte an, „hart zurückzuschlagen“. Zudem reklamierten die Revolutionsgarden Angriffe auf drei Tanker für sich.

Bemerkenswert ist die Vorgeschichte: In den drei Handelstagen davor hatte Brent 16 Prozent verloren – der größte Drei-Tage-Verlust seit 2020 –, weil eine Verhandlungslösung möglich schien. Erst am Dienstag stand der Preis noch bei rund 84 Dollar. Binnen einer Woche also: steiler Absturz, steiler Sprung. Und in dieser ganzen Zeit ist die physische Ölversorgung nicht zusammengebrochen.

Der Preis handelt Wahrscheinlichkeiten, nicht Lieferungen

Was sich hier bewegt, heißt Risikoprämie: der Aufschlag, den der Markt dafür verlangt, dass eine Störung eintreten könnte. Durch die Straße von Hormus läuft rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls. Steigt die geschätzte Wahrscheinlichkeit einer Blockade von, sagen wir, fünf auf fünfzehn Prozent, verteuert sich jedes Barrel – obwohl weiter jedes Barrel geliefert wird. Fällt die Schätzung zurück, verschwindet der Aufschlag ebenso schnell.

Dass Rohstoffe solche Ausschläge zeigen und Aktien seltener, hat einen strukturellen Grund, der hier schon einmal stand: Ein Rohstoff hat keinen Gewinn, keine Dividende, kein Eigenkapital – nichts, was seinen Preis von unten stützt oder nach oben verankert. Er ist genau das wert, was der Markt für das nächste Barrel zu zahlen bereit ist. Deshalb schlägt eine geänderte Wahrscheinlichkeit voll durch.

Was daraus folgt: Wer den Ölpreis als Konjunktursignal liest, muss die Risikoprämie herausrechnen. 90 Dollar wegen brummender Nachfrage und 90 Dollar wegen Kriegsangst sind zwei verschiedene Botschaften – mit derselben Zahl.

Quellen

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