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Brent über 100 Dollar: Wie ein Ölpreis in der eigenen Inflationsrate landet

Der Streit um die Straße von Hormus hat den Ölpreis auf den höchsten Stand seit zwei Monaten getrieben. Die Kette von dort bis zur Zinsentscheidung ist kürzer als gedacht.

Redaktion IM Invests5 Min. Lesezeit

Ein Barrel der Nordseesorte Brent hat am Donnerstag bis zu 100,36 US-Dollar gekostet – der höchste Stand seit zwei Monaten. Auslöser ist die erneute Eskalation um die Straße von Hormus, die für den weltweiten Handel mit Öl und Flüssiggas zentrale Meerenge. Vom Iran unterstützte Huthi-Milizen erklärten zudem, zwei saudi-arabische Tanker im Roten Meer angegriffen zu haben. Am Freitag pendelte der Preis um die 100-Dollar-Marke; das Nachgeben im Tagesverlauf sorgte an den Aktienmärkten für Erleichterung.

Die Ölproduzenten am Golf investieren inzwischen Milliarden in Pipelines, die Rohöl an der Meerenge vorbeileiten sollen. Das ist die eigentliche Nachricht hinter der Nachricht: Der Markt preist nicht einen Tag ein, sondern eine dauerhafte Risikoprämie.

Vier Schritte vom Barrel zum Zinssatz

  1. Energie verteuert sich. Kraftstoff, Heizen, Strom aus Gaskraftwerken – der Effekt ist innerhalb weniger Wochen an der Zapfsäule sichtbar.
  2. Produktion verteuert sich. Energie steckt in jedem hergestellten und transportierten Gut. Die Kosten wandern zeitversetzt in die Endpreise.
  3. Die Inflationsrate steigt. Energie ist im Warenkorb direkt und über die Zweitrundeneffekte indirekt enthalten.
  4. Die Notenbank reagiert. Steigt die Inflation, sinkt der Spielraum für Zinssenkungen – und die Wahrscheinlichkeit weiterer Erhöhungen steigt.

Diese Kette ist der Grund, warum ein geopolitisches Ereignis am anderen Ende der Welt in der eigenen Baufinanzierung ankommen kann. Der Umweg läuft über die Inflationsrate, nicht über den Aktienmarkt.

Warum Aktienmärkte auf teures Öl doppelt reagieren

Für die meisten Unternehmen ist Energie ein Kostenblock: Steigt er, sinkt die Gewinnmarge. Gleichzeitig drückt ein höheres Zinsniveau auf die Bewertung, weil künftige Gewinne stärker abgezinst werden. Beide Effekte wirken in dieselbe Richtung – deshalb fallen Aktienkurse bei Ölpreisschocks überproportional.

Quellen

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