Am Dienstag wählen die Amerikanerinnen und Amerikaner ein neues Repräsentantenhaus und etwa ein Drittel des Senats neu. An der Wall Street schloss der Dow Jones am Montag 0,43 Prozent höher, der Nasdaq 100 gab 1,38 Prozent ab – ein uneinheitlicher Handelstag kurz vor der Abstimmung.
Die Terminmärkte verschieben sich zugunsten der Demokraten
Auf der Wettplattform Kalshi stieg die eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine demokratische Mehrheit im Senat am Montag auf 74 Prozent – der höchste Stand, seit der Markt 2024 eröffnet wurde. Hintergrund war unter anderem eine Umfrage der New York Times mit der Siena University vom Sonntag, die den Demokraten in mehreren umkämpften Bundesstaaten einen Vorsprung zeigte. Auch einzelne Senatsrennen verschoben sich binnen 24 Stunden deutlich: In Texas stiegen die Chancen für die demokratische Seite von 68,4 auf 74 Prozent, in Iowa von 42 auf 50 Prozent, in Kansas von 52 auf 63 Prozent.
Ein auffällig ruhiger Angstindex
Nach der schwächsten Börsenwoche seit Juni fiel am vergangenen Freitag auch auf, wie ruhig der Angstindex VIX blieb: Trotz eines Tagesverlusts von fast zwei Prozent im S&P 500 stieg der VIX nur um 2,2 Punkte und schloss bei 19,4. Optionshändler erklärten das unter anderem damit, dass viele Vermögensverwalter ihre Aktienpositionen laut Daten von Morgan Stanley bereits direkt verkauft hatten, statt sich über Optionen abzusichern – die Gesamtposition langfristig orientierter Fonds lag demnach acht Prozent unter ihrem jüngsten Höchststand, der größte Rückgang seit mindestens zehn Jahren.
Was die Statistik sagt – und was sie nicht sagt
Eine Auswertung von CNBC zeigt, dass der S&P 500 im Jahr nach einer Zwischenwahl seit 1982 im Schnitt um 13,7 Prozent zulegte, in 91 Prozent der Fälle positiv. Besonders gut schnitt der Index historisch bei einer geteilten Regierung ab. Jim Reid, Makro-Stratege der Deutschen Bank, warnte aber: Die Saisonalität sei kein Schicksal, Sorgen um Iran, Künstliche Intelligenz und Frankreich verschwänden durch die Wahl nicht einfach. Nach der Zwischenwahl 2018 etwa fiel der S&P 500 im Folgejahr zunächst, weil die Fed damals viermal die Zinsen anhob – ein Beleg dafür, dass andere Faktoren oft stärker wirken als der Wahltermin selbst.
Was daraus folgt: Eine historische Durchschnittsrendite nach einem Ereignis ist keine Garantie für das nächste Mal. Wer eine Statistik wie „Aktien steigen fast immer nach Zwischenwahlen" liest, sollte nachsehen, ob im jeweiligen Jahr nicht etwas anderes – eine Zinswende, eine Gewinnsaison – den größeren Ausschlag gegeben hat.
Quellen
- CNBC, 02.11.2026, 20:48 Uhr: „Prediction market traders now see nearly 75% chance of Democrats winning the Senate"
- WirtschaftsWoche, 02.11.2026, 12:56 Uhr: „US-Midterms: Wie Anleger von den US-Wahlen profitieren können"
- CNBC, 02.11.2026, 23:13 Uhr: „Stock market after midterm elections: What S&P 500 history shows"
- CNBC, 02.11.2026, 15:30 Uhr: „Wall Street's Fear Index is doing something strange. Here's what it means for stocks"
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