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Makroanalyse

Geldmenge und Kreditvergabe

Was M1, M2 und M3 unterscheiden und warum die Kreditvergabe die aussagekräftigere Größe ist.

12 Min. LesezeitAuslegung

Die Geldmenge allein sagt wenig über Preise. Entscheidend ist, ob das Geld auch umläuft – und das zeigt sich in der Kreditvergabe.

5:09 übrig

Notenbanken veröffentlichen Geldmengen in Abstufungen, geordnet nach Verfügbarkeit: Je höher die Zahl, desto mehr ist enthalten und desto länger ist es gebunden.

Die Abgrenzungen im Euroraum.
GrößeEnthältAussage
M1Bargeld und täglich fällige EinlagenWas sofort ausgegeben werden kann
M2M1 plus kurzfristige SpareinlagenWas kurzfristig mobilisierbar ist
M3M2 plus Geldmarktfondsanteile und kurze PapiereDie Größe, auf die die EZB lange geschaut hat

Die klassische Vorstellung – mehr Geld, also höhere Preise – geht auf die Verkehrsgleichung zurück. Sie ist als Buchungsidentität richtig und als Prognosewerkzeug schwach, weil zwei ihrer vier Größen selbst schwanken.

Geldmenge × Umlaufgeschwindigkeit = Preisniveau × Handelsvolumen

Steigt die Geldmenge und fällt gleichzeitig die Umlaufgeschwindigkeit, passiert bei den Preisen nichts. Genau das war zwischen 2009 und 2020 zu beobachten.

Praktisch verwertbar sind deshalb weniger die Bestandsgrößen als die Umfragen der Notenbanken zur Kreditvergabe: Wenn Banken ihre Standards straffen und die Nachfrage zugleich fällt, kühlt die Wirtschaft mit einigen Quartalen Verzögerung ab.

Warum die Geldmenge allein so wenig erklärt

Die bekannte Gleichung setzt Geldmenge mal Umlaufgeschwindigkeit gleich Preisniveau mal Handelsvolumen. Sie ist keine Theorie, sondern eine Definition – sie gilt immer, weil die Umlaufgeschwindigkeit als das definiert ist, was übrig bleibt. Eine Vorhersage entsteht daraus erst, wenn man annimmt, dass diese Größe stabil ist.

Genau diese Annahme hält nicht. Die Umlaufgeschwindigkeit schwankt erheblich und ist über lange Strecken gefallen. Eine wachsende Geldmenge kann deshalb ohne Wirkung auf die Preise bleiben, wenn das Geld nicht ausgegeben, sondern gehalten wird.

Woran man erkennt, ob Geld tatsächlich ankommt

  • Kreditvergabe an nichtfinanzielle Unternehmen und Haushalte. Die aussagekräftigste Größe: Sie misst Geld, das für Investitionen und Konsum entsteht, nicht solches, das zwischen Banken liegt.
  • Umfragen zu den Kreditrichtlinien. Sie kommen früher als die Bestandszahlen und sagen, ob Banken die Vergabe verschärfen oder lockern – die Wirkung zeigt sich erst Quartale später.
  • Das enge gegen das weite Geldmengenmaß. Wächst das enge Maß schneller, wird Geld eher gehalten; wächst das weite schneller, wird eher angelegt und ausgegeben.
  • Die Kreditvergabe ist zugleich der Kanal, über den Zinsentscheidungen wirken. Wer wissen will, ob eine Geldpolitik greift, sieht dorthin und nicht auf die Bilanzsumme der Notenbank.

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