Eine Notenbank setzt einen sehr kurzfristigen Zins. Alles andere – Kredite, Mieten, Kurse – folgt daraus indirekt und mit erheblicher Verzögerung.
Wenn es heißt, „die Zinsen“ seien erhöht worden, ist genau ein Zins gemeint: der, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld beschaffen oder dort anlegen. Alles andere ist Folge.
| Notenbank | Steuernder Satz | Auftrag |
|---|---|---|
| Europäische Zentralbank | Einlagesatz – was Banken für geparktes Geld bekommen | Preisstabilität, mittelfristig zwei Prozent |
| Federal Reserve | Zielband für den Tagesgeldsatz zwischen Banken | Zwei Ziele: stabile Preise und hohe Beschäftigung |
Der Unterschied in der letzten Spalte hat Folgen. Die Fed muss bei schwacher Beschäftigung lockern, auch wenn die Preise noch steigen; die EZB hat diesen Abwägungsauftrag nicht. Wer Entscheidungen der beiden vergleicht, muss das mitdenken.
Wie die Wirkung durchsickert
- Geldmarkt. Der Tagesgeldsatz zwischen Banken folgt sofort.
- Kreditzinsen. Banken passen Konditionen für Unternehmen und Bauherren über Wochen bis Monate an.
- Nachfrage. Investitionen und Käufe werden verschoben – das dauert Quartale.
- Preise. Erst am Ende der Kette wirkt es auf die Inflation. Als Faustregel gelten vier bis sechs Quartale.
Diese Verzögerung ist das Kernproblem der Geldpolitik. Eine Notenbank entscheidet heute anhand von Daten, die die Vergangenheit beschreiben, über eine Wirkung, die in anderthalb Jahren eintritt. Deshalb wird regelmäßig zu spät gebremst und zu spät gelockert – nicht aus Unfähigkeit, sondern weil die Kette so lang ist.
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