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IM Invests

Portfoliotheorie

Value at Risk

Die Kennzahl der Bankenaufsicht: was sie aussagt, wie sie gerechnet wird und warum sie 2008 versagt hat.

8 Min. LesezeitAuslegung

Value at Risk nennt eine Verlustschwelle, die selten überschritten wird – und sagt nichts darüber, wie schlimm es wird, wenn sie überschritten wird.

Der Value at Risk beantwortet eine sehr konkrete Frage: Welcher Verlust wird in einem bestimmten Zeitraum mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit nicht überschritten? Ein Ein-Tages-VaR von einer Million bei 99 Prozent heißt: An 99 von 100 Tagen bleibt der Verlust darunter.

Die Kennzahl wurde in den 1990er Jahren populär, weil sie das Risiko eines ganzen Handelshauses in eine einzige Zahl fasst, die auch ohne Fachwissen lesbar ist. Sie steht seither in der Bankenaufsicht und bestimmt mit, wie viel Eigenkapital ein Institut vorhalten muss.

Der Satz, der alles erklärt

Er sagt uns, dass wir an 99 von 100 Tagen nicht mehr als eine bestimmte Summe verlieren. Über den hundertsten Tag sagt er nichts.
Sinngemäße Kritik, wie sie seit den 1990er Jahren gegen den VaR vorgebracht wird

Genau darin liegt die Schwäche. Der VaR schneidet den Rand der Verteilung ab und macht keine Aussage über das, was dahinter liegt. Zwei Portfolios mit demselben VaR können im schlechtesten Prozent völlig verschieden ausfallen – das eine verliert etwas mehr, das andere alles.

Als Reaktion darauf wird zunehmend der erwartete Fehlbetrag verlangt: der durchschnittliche Verlust in genau den Fällen, in denen die VaR-Schwelle überschritten wird. Er beantwortet die Frage nach dem hundertsten Tag – und ist seit der Überarbeitung der Bankenregeln das maßgebliche Maß im Handelsbuch.

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