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IM Invests

Derivat · Stufe 2 von 3

Futures, Margin und Swaps

Die wichtigsten Derivatearten, ihre tägliche Abwicklung – und warum Rohstoffprodukte hinter dem Rohstoffpreis zurückbleiben.

Fortgeschritten18 Min. LesezeitAusgearbeiteter Text4 Quizfragen
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Future und Forward

Derselbe Vertrag, zwei Welten
FutureForward
HandelsortBörseDirekt zwischen zwei Parteien
AusgestaltungStandardisiert: feste Kontraktgröße und TermineFrei verhandelbar
GegenparteiDie Clearingstelle tritt zwischen beideDer andere Vertragspartner selbst
AusfallrisikoPraktisch ausgeschaltetVoll vorhanden
AbrechnungTäglichAm Ende der Laufzeit

Die Clearingstelle ist die wichtigste Einrichtung dieses Markts. Sie stellt sich zwischen Käufer und Verkäufer und wird für beide zur Gegenpartei. Fällt einer aus, tritt sie ein. Dafür verlangt sie Sicherheiten von beiden Seiten – und aus dieser Forderung ergibt sich die gesamte Mechanik.

Margin: die tägliche Abrechnung

  • Initial Margin. Die Sicherheit, die beim Eröffnen hinterlegt werden muss. Sie bemisst sich an der erwarteten Tagesschwankung, nicht am Kontraktwert.
  • Variation Margin. Jeden Abend wird abgerechnet: Gewinne werden gutgeschrieben, Verluste abgebucht. Ein Future hat deshalb keine aufgelaufenen Buchverluste – sie werden täglich real.
  • Maintenance Margin. Die Untergrenze. Fällt die Sicherheit darunter, kommt der Margin Call: nachzahlen oder die Position wird geschlossen.
Die Position wird geschlossen, obwohl die Einschätzung dahinter am Ende zutrifft. Das ist der Unterschied zwischen einem Verlust- und einem Liquiditätsrisiko.

Rollen, Contango und die Rohstofffalle

Ein Future läuft zu einem festen Termin aus. Wer die Position halten will, muss vorher in den nächsten Kontrakt wechseln – das Rollen. Dabei entsteht ein Effekt, der die Wertentwicklung dauerhaft verändert.

Zwei Marktzustände
ZustandPreisstrukturWirkung beim Rollen
ContangoDer spätere Kontrakt ist teurer als der laufendeMan verkauft billig und kauft teuer – ein laufender Verlust
BackwardationDer spätere Kontrakt ist billigerMan verkauft teuer und kauft billig – ein laufender Gewinn

Bei Rohstoffen ist Contango der Normalfall, weil Lagerung und Versicherung Geld kosten und im Terminpreis stecken. Für Privatanleger folgt daraus etwas Wichtiges: Ein Indexprodukt auf Öl bildet nicht den Ölpreis ab, sondern eine gerollte Terminposition. Über Jahre kann der Rohstoff steigen und das Produkt trotzdem verlieren. Dieser Unterschied steht selten dort, wo er hingehörte – nämlich groß auf dem Produktblatt.

Swaps

Ein Swap ist ein Tausch von Zahlungsströmen. Er wird nicht gekauft und verkauft, sondern vereinbart – und ist das mit Abstand größte Segment des Derivatemarkts.

  • Zinsswap. Eine Seite zahlt fest, die andere variabel. Ein Unternehmen mit variabel verzinstem Kredit macht daraus wirtschaftlich einen Festzinskredit, ohne den Kreditvertrag anzufassen.
  • Währungsswap. Zahlungen in verschiedenen Währungen werden getauscht. Ein Exporteur sichert damit künftige Einnahmen gegen Wechselkursänderungen.
  • Total Return Swap. Eine Seite liefert die gesamte Wertentwicklung eines Index, die andere zahlt einen Zins. Genau das steckt in synthetischen ETFs: Sie halten nicht die Indexwerte, sondern einen Korb plus einen Swap auf die Indexentwicklung. Das kann die Abbildung genauer und billiger machen – und bringt ein Kontrahentenrisiko mit, das ein physisch abbildender ETF nicht hat.

Absicherung in der Praxis

Wer absichern will, braucht zwei Zahlen. Die Hedge Ratio sagt, wie viele Kontrakte eine Position abdecken – Positionswert geteilt durch Kontraktwert, korrigiert um den Gleichlauf zwischen Position und Basiswert. Und das Basisrisiko beschreibt, was übrig bleibt: Wer ein Portfolio deutscher Nebenwerte mit DAX-Futures absichert, ist gegen den Markt geschützt, nicht aber gegen das Auseinanderlaufen von Nebenwerten und Standardwerten. Eine perfekte Absicherung gibt es nur, wenn Absicherungsinstrument und Position identisch sind – und dann hätte man auch verkaufen können.

Wozu es Derivate volkswirtschaftlich gibt

Der Ruf ist schlecht und die Herkunft harmlos: Terminkontrakte entstanden, damit ein Landwirt den Preis seiner Ernte festmachen kann, bevor sie gewachsen ist. Der Kern ist bis heute derselbe – ein Risiko wandert von jemandem, der es nicht tragen will, zu jemandem, der bereit ist, es gegen Bezahlung zu übernehmen.

Dieselbe Konstruktion, drei verschiedene Absichten
WerWas er tutWozu
Absicherndernimmt die Gegenposition zu einem Risiko, das er ohnehin trägtPlanbarkeit. Er verzichtet auf die gute Seite, um die schlechte auszuschließen
Spekulantnimmt eine Position ohne zugrunde liegendes GeschäftGewinn. Er ist die Gegenseite, ohne die der Absichernde niemanden fände
Arbitrageurnutzt Preisunterschiede zwischen Termin- und Kassamarktsorgt dafür, dass beide Preise zusammenbleiben – das ist der Grund, warum die Absicherung überhaupt funktioniert

Die mittlere Zeile ist die, die den schlechten Ruf trägt, und sie ist zugleich die Voraussetzung der ersten: Ohne jemanden, der das Risiko nehmen will, gäbe es keine Absicherung. Gefährlich wird die Sache nicht durch die Absicht, sondern durch den Hebel.

Wo der Hebel wirklich entsteht

Ein Derivat ist nicht deshalb riskant, weil es kompliziert ist, sondern weil man mit wenig Kapital eine große Position kontrolliert. Der Hebel steckt nicht im Produkt, sondern im Verhältnis zwischen Positionsgröße und eigenem Kapital – und dieses Verhältnis bestimmt man selbst.

Der praktische Schluss ist unspektakulär: Wer absichern will, braucht Derivate selten – für ein privates Depot leistet eine niedrigere Aktienquote dasselbe, ohne Nachschuss und ohne Termin. Wer sie zum Hebeln nutzt, sollte die Positionsgröße kennen, nicht den Einsatz.

Was du dir merken solltest

  • Die Clearingstelle nimmt das Ausfallrisiko und verlangt dafür tägliche Sicherheiten.
  • Die tägliche Abrechnung macht aus einem Verlustrisiko ein Liquiditätsrisiko – man kann herausgeworfen werden, obwohl man recht behält.
  • Rohstoffprodukte bilden gerollte Terminpositionen ab, nicht den Rohstoffpreis; in Contango kostet das laufend.
  • Synthetische ETFs benutzen Swaps und tragen dafür ein Kontrahentenrisiko.
  • Ein Derivat verschiebt Risiko von jemandem, der es nicht will, zu jemandem, der dafür bezahlt wird.
  • Ohne Spekulanten gäbe es keine Gegenseite und damit keine Absicherung.
  • Der Hebel steckt nicht im Produkt, sondern im Verhältnis von Positionsgröße zu eigenem Kapital.
  • Der Nachschuss kommt täglich – auch wenn man am Ende recht behält.

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