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IM Invests

Portfolio-Aufbau · Stufe 2 von 3

Rebalancing und Struktur

Warum ein Depot ohne Eingriff riskanter wird, wie man das zurückdreht und welche Fehler beim Kombinieren mehrerer Bausteine entstehen.

Fortgeschritten13 Min. LesezeitAusgearbeiteter Text4 Quizfragen
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Warum ein Depot von allein riskanter wird

Angenommen, du startest mit 70 % Aktien und 30 % Tagesgeld. Läuft der Aktienteil mit 9 % im Jahr und der sichere mit 2 %, liegt die Aufteilung nach fünf Jahren bei 76 % zu 24 % und nach zehn bei 82 % zu 18 %. Ohne dass du etwas entschieden hättest, trägst du mehr Risiko als geplant. Und zwar am Ende einer guten Phase, also genau dann, wenn ein Rückschlag am wahrscheinlichsten ist.

Rebalancing stellt die geplante Aufteilung wieder her. Es ist kein Renditewerkzeug – über lange Zeiträume kostet es sogar leicht Rendite, weil regelmäßig vom besser laufenden Teil in den schwächeren umgeschichtet wird. Sein Zweck ist Risikosteuerung, und den erfüllt es zuverlässig.

Zwei Regeln – beide funktionieren
RegelWie sie lautetVorteil
KalenderEinmal jährlich zu einem festen Termin prüfen und zurücksetzenEinfach, planbar, vergisst man nicht
BandbreiteZurücksetzen, sobald eine Position mehr als fünf Prozentpunkte abweichtReagiert auf tatsächliche Verschiebungen statt auf den Kalender
Niemand hat etwas entschieden, und trotzdem trägt das Depot mehr Risiko als geplant. Rebalancing ist die Antwort darauf – kein Renditewerkzeug.

Wie viele Bausteine sind sinnvoll?

Drei Strukturen im Vergleich
StrukturAufbauPasst zu
Ein BausteinEin weltweit anlegender Fonds plus TagesgeldFast allen. Kein Rebalancing innerhalb des Aktienteils nötig
Zwei bis drei BausteineIndustrieländer plus Schwellenländer, evtl. NebenwerteWer die Gewichtung bewusst anders setzen will als der Weltindex
Kern-SatellitBreiter Kern von 80 bis 90 Prozent, dazu kleine bewusste WettenWer Einzelthemen abbilden will, ohne das Gesamtergebnis daran zu hängen

Mehr Bausteine bedeuten nicht mehr Streuung. Ein weltweiter Fonds enthält bereits über tausend Unternehmen aus dreiundzwanzig Ländern; ein zweiter Fonds auf denselben Markt fügt nichts hinzu außer Verwaltungsaufwand. Sinnvoll ist ein zusätzlicher Baustein nur, wenn er etwas enthält, das im ersten fehlt – und wenn man begründen kann, warum man diese Abweichung will.

Zwei Bausteine, die sich gleich bewegen, sind einer

Streuung entsteht nicht aus der Anzahl, sondern aus der Unabhängigkeit. Wer einen Welt-ETF und einen US-Technologie-ETF hält, hat nicht zwei Bausteine, sondern anderthalb: Der zweite steckt bereits im ersten, und in einem schlechten Quartal fallen beide zusammen. Das Maß dafür ist die Korrelation – und sie ist nicht in Ruhe zu betrachten, sondern in der Krise.

Genau dort ändert sie sich nämlich. Anlagen, die in ruhigen Jahren wenig miteinander zu tun haben, laufen im Einbruch häufig gleich, weil verkauft wird, was sich verkaufen lässt. Eine Aufteilung, die sich auf gemessene Korrelationen der letzten Jahre stützt, verspricht deshalb mehr, als sie halten kann. Was verlässlich bleibt, ist die Unterscheidung nach der Sache: Anleihen guter Bonität und Aktien reagieren auf verschiedene Dinge, zwei Aktienfonds nicht.

Nach Kalender oder nach Bandbreite zurücksetzen?

Für das Zurücksetzen der Quote gibt es zwei Verfahren. Das eine geht nach dem Kalender – einmal im Jahr, an einem festen Termin. Das andere nach Bandbreite: Erst wenn die Quote um mehr als einen festgelegten Abstand abgewichen ist, wird eingegriffen. Beide funktionieren; sie unterscheiden sich darin, was sie einem abverlangen.

Der Kalender ist die anspruchslosere Regel: ein Termin, keine Beobachtung, keine Entscheidung. Die Bandbreite greift dafür dann, wenn es nötig ist, und lässt kleine Abweichungen in Ruhe – sie verlangt allerdings, dass man hinsieht, und genau das tut man in den Wochen, in denen es zählt, am wenigsten gern. Wer sich nicht sicher ist, nimmt den Kalender: Eine Regel, die man befolgt, schlägt die bessere, die man nicht befolgt.

Was du dir merken solltest

  • Ohne Eingriff steigt die Aktienquote in guten Phasen – genau dann, wenn ein Rückschlag naheliegt.
  • Rebalancing steuert Risiko, es erhöht nicht die Rendite.
  • In der Ansparphase über neue Raten zurücksetzen, nicht über Verkäufe.
  • Mehr Bausteine sind nicht mehr Streuung; ein zusätzlicher braucht eine Begründung.
  • Korrelationen ändern sich in der Krise – die Unterscheidung nach der Sache hält länger als die gemessene Zahl.
  • Kalender oder Bandbreite: Eine Regel, die man befolgt, schlägt die bessere, die man nicht befolgt.

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