Das Vermögen ist mehr als das Depot
Die übliche Betrachtung schaut auf das Depot und teilt es auf. Vollständiger ist eine Sicht, die auch die Posten außerhalb einbezieht – denn sie verhalten sich wie Anlagen und verschieben die tatsächliche Aufteilung erheblich.
- Das eigene Erwerbseinkommen verhält sich für die meisten Menschen wie eine Anleihe: planbar, wenig schwankend, über Jahrzehnte laufend. Wer jung ist und einen sicheren Beruf hat, besitzt damit bereits einen großen anleiheähnlichen Posten – und kann im Depot entsprechend mehr Risiko tragen.
- Ansprüche aus der gesetzlichen Rente wirken ähnlich: eine lebenslange, inflationsgebundene Zahlung. Wer sie hat, braucht im Depot weniger Sicherheitspuffer als jemand ohne.
- Eine selbstgenutzte Immobilie ist eine große, unteilbare, illiquide Position – oft der größte Vermögensposten überhaupt und in keiner Depotaufteilung sichtbar.
- Ein Unternehmen oder eine Selbstständigkeit ist das Gegenteil: hochgradig schwankend und mit dem eigenen Einkommen gekoppelt. Wer davon lebt, sollte im Depot vorsichtiger sein, nicht mutiger.
Daraus folgt eine Faustregel, die den gängigen Altersregeln widerspricht: Nicht das Alter bestimmt die Quote, sondern das Verhältnis von sicherem zu unsicherem Gesamtvermögen. Ein Beamter mit fünfzig kann mehr Aktienrisiko tragen als ein Selbstständiger mit dreißig.
Was Umschichten wirklich kostet
Jede Umschichtung im Privatvermögen löst Abgeltungsteuer auf den aufgelaufenen Gewinn aus. Der versteuerte Betrag arbeitet nicht mehr mit – über die Restlaufzeit ist das der eigentliche Preis, nicht die Steuer selbst.
Praktisch heißt das: Die Aufteilung eher über neue Einzahlungen steuern als über Verkäufe, und eine einmal gewählte Struktur nicht wegen kurzfristiger Einschätzungen ändern. Wer alle zwei Jahre umbaut, zahlt für seine Meinungen.
Die Entnahmephase
Der Übergang beginnt Jahre vor der ersten Entnahme, weil in den ersten Entnahmejahren das Sequenzrisiko am größten ist: Fällt der Markt kurz nach dem Start, werden Anteile zu niedrigen Kursen verkauft, und diese Anteile fehlen dauerhaft.
| Strategie | Wie sie funktioniert | Schwäche |
|---|---|---|
| Fester Betrag, inflationsangepasst | Jedes Jahr derselbe reale Betrag | Ignoriert die Marktlage – in Rückgangsjahren wird am meisten verkauft |
| Fester Prozentsatz vom Bestand | Etwa vier Prozent des jeweils aktuellen Werts | Das verfügbare Einkommen schwankt mit dem Markt |
| Puffer plus flexible Entnahme | Zwei bis drei Jahresbedarfe schwankungsarm; in guten Jahren daraus auffüllen | Verlangt Disziplin und einen Teil, der real kaum wächst |
Die dritte Strategie ist die aufwendigste und die robusteste. Sie beantwortet die Frage, an der die ersten beiden scheitern: Woher kommt das Geld in einem Jahr, in dem man nicht verkaufen möchte?
Was du dir merken solltest
- Einkommen, Rentenansprüche und Immobilie gehören in die Betrachtung – sie verschieben die tatsächliche Aufteilung.
- Nicht das Alter bestimmt die Quote, sondern das Verhältnis von sicherem zu unsicherem Gesamtvermögen.
- Der Preis einer Umschichtung ist nicht die Steuer, sondern der entgangene Zinseszins darauf.
- Puffer plus flexible Entnahme ist aufwendiger und hält im Ernstfall am besten.
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